Lightroom Editing: Before and After - Coast Mallorca (Kopie)

Lightroom · Vorher und Nachher

Lightroom-Bearbeitung: Vorher und Nachher – Mallorcas Küste

Dieses Bild ist an der Mittelmeerküste aus der Luft entstanden. Der Blick fällt auf eine kleine Bucht, in der Land und Meer in einer sanften Kurve aufeinandertreffen. Schon bei der Aufnahme hatte die Szene klare natürliche Linien: die felsige Küste, das türkise Wasser und die einzelnen Boote, die ruhig in der Bucht lagen.

Von Florian Kirschbaum · Lightroom und Bildstilentwicklung

Der direkte Vergleich

Vom RAW zur fertigen Bearbeitung.

Im unbearbeiteten Bild wirkte die Szene allerdings noch zu offen und etwas flach. Die hellen Bereiche in den Wolken lenkten den Blick zu stark auf sich, dem Wasser fehlte Tiefe und der Gesamtkontrast spiegelte nicht die ruhige, geerdete Stimmung wider, die ich beim Fliegen der Drohne wahrgenommen hatte. Mein Ziel war deshalb nicht, die Farben kräftiger zu machen. Ich wollte eine ruhigere, filmischere Balance schaffen: tieferes Wasser, weicheres Licht und eine klarere Struktur vom Vordergrund bis zum Horizont.

RAW-Foto
VorherRAW-Datei
Finale Bearbeitung
NachherLightroom-Bearbeitung

Schritt 01

Belichtung und Grundeinstellungen

Am Anfang habe ich das Licht im gesamten Bild geformt.

Belichtung−0.55
Lichter−94
Tiefen+10
Weiß0
Schwarz−37
Struktur−24
Belichtung und Grundeinstellungen

Was dieser Schritt verändert

Ich habe die Belichtung leicht reduziert (–0,55), damit das Bild näher an die tatsächliche Stimmung vor Ort kommt und nicht ausgewaschen wirkt. Die Lichter habe ich deutlich abgesenkt (–94), um die hellen Wolken zu kontrollieren und Details im Himmel zu erhalten. Gleichzeitig wurden die Tiefen nur leicht angehoben (+10), damit das Land gut erkennbar bleibt, ohne dass das Bild flach wird.

Den Schwarz-Regler habe ich abgesenkt (–37), um dem Wasser mehr Gewicht zu geben und das Bild optisch zu erden. Weiß blieb unverändert (0), damit die hellen Bereiche nicht wieder unnatürlich aufgehellt werden.

Für eine weiche und natürliche Oberfläche habe ich Struktur (–24) und Klarheit (–21) reduziert. Dadurch wirken das Wasser und die Landschaft ruhiger und weniger hart, was mir gerade bei Luftaufnahmen wichtig ist. Dunst entfernen blieb bei 0. Die Sicht war bereits klar und eine zusätzliche Anpassung hätte das Bild aus meiner Sicht zu hart gemacht.

Schritt 02

Gradationskurve – ruhige Tiefe aufbauen

Die Gradationskurve folgt einer weichen S-Form. Dabei geht es mir eher um eine klare Trennung der Bildbereiche als um starken Kontrast.

Gradationskurve – ruhige Tiefe aufbauen

Was dieser Schritt verändert

Der untere Bereich der Kurve vertieft die dunklen Töne leicht und gibt dem Meer dadurch mehr Tiefe und Präsenz. Die Mitteltöne werden etwas angehoben, damit das Land gut erkennbar bleibt. Gleichzeitig halte ich die Lichter zurück, um einen weichen Übergang in den Himmel zu erhalten.

Die Kurve führt den Blick auf natürliche Weise vom dunkleren Wasser im Vordergrund zur helleren Küste und weiter zu den Wolken. Dabei entsteht mehr Tiefe, ohne dass der Kontrast zu dramatisch wird oder die ruhige Stimmung verloren geht.

Schritt 03

HSL-Anpassungen – Farben kontrollieren, ohne sie zu übertreiben

Mit den HSL-Anpassungen habe ich die Farbbalance verfeinert und verhindert, dass die Szene zu kräftig und künstlich wirkt.

Farbton

Farbton

Beim Farbton habe ich Blau leicht verschoben (–19) und Violett etwas angehoben (+15). Diese kleinen Veränderungen stimmen die Farben von Himmel und Wasser feiner aufeinander ab. Sie bleiben dadurch natürlich und leicht zurückgenommen, statt zu tropisch zu wirken.

Sättigung

Sättigung

Die Sättigung habe ich bei den meisten Farben reduziert: Rot (–15), Grün (–15), Blau (–22), Aqua (–3) und Violett (–10) wurden zurückgenommen, damit die Farbpalette insgesamt ruhiger wirkt. Gelb (–1) und Orange (–3) habe ich nur leicht angepasst. So bleibt die Küste warm, ohne das Bild zu dominieren.

Luminanz

Luminanz

Bei der Luminanz habe ich Gelb angehoben (+30), um das Land dezent aufzuhellen. Grün (–45), Aqua (–39) und Blau (–29) wurden dagegen abgedunkelt. Dadurch bekommt das Wasser mehr Tiefe und Meer und Land lassen sich klarer voneinander unterscheiden. Rot (–10) und Orange (–11) habe ich ebenfalls leicht reduziert, damit Gebäude und Felsen nicht zu hell werden.

Durch diese Anpassungen entsteht eine stimmige Balance: Das Land wirkt warm und präsent, während das Meer mehr Tiefe bekommt und das Bild erdet.

Schritt 04

Color Grading – kühles und warmes Licht ausbalancieren

Mit dem Color Grading habe ich die eigentliche Stimmung des Bildes weiter herausgearbeitet.

Tiefen

Tiefen

Die Tiefen erhielten einen dezenten kühlen Farbton (Farbton 199 / Sättigung 6), der die Tiefe und Ruhe des Wassers unterstützt.

Mitteltöne

Mitteltöne

Die Mitteltöne habe ich leicht ins Warme verschoben (Farbton 49 / Sättigung 11). Dadurch wirken das Land und die Vegetation wie von der Sonne beleuchtet, ohne zu golden oder übertrieben auszusehen.

Lichter

Lichter

Die Lichter habe ich mit einem weichen, warmen Farbton ausbalanciert (Farbton 70 / Sättigung 8). Dadurch bekommen die Wolken und der Himmel ein natürliches Leuchten. Diese Balance aus warmen und kühlen Tönen lässt das Bild gleichzeitig filmisch und ruhig wirken: kühle Tiefe im Wasser und warmes Licht darüber.

Schritt 05

Abschließende Gedanken

Bei dieser Bearbeitung ging es vor allem darum, nicht zu viel zu machen. Die Szene brauchte weder kräftigere Farben noch einen dramatischen Kontrast, sondern mehr Struktur, Balance und einen ruhigeren Rhythmus. Indem ich die Lichter kontrolliert, die Struktur weicher gestaltet und die Farben gezielt geformt habe, wirkt das Bild heute bewusster und geerdeter.

Die Boote liegen nun klarer im Wasser, die Küste ist präsent, ohne das Bild zu dominieren, und der Himmel unterstützt die Szene, statt sie zu überlagern. Bei dieser Bearbeitung sticht kein einzelner Bereich besonders hervor – und genau das ist der Punkt.

Ruhige Bilder funktionieren für mich oft dann am besten, wenn die Bearbeitung im Hintergrund bleibt und die Stimmung formt, statt selbst aufzufallen.

Die Entwicklung der Bearbeitung

Eine ruhigere und ausgewogenere Atmosphäre

Als ich dieses Bild vor einiger Zeit bearbeitet habe, wollte ich die Szene vor allem hell und visuell auffällig gestalten. Die Farben des Wassers und der Küste waren etwas kräftiger, die Lichter stärker angehoben und das gesamte Bild wirkte lebendiger. Das hat gut funktioniert, gerade in den sozialen Medien, wo helle Bilder häufig schneller Aufmerksamkeit bekommen.

Ursprüngliche Bearbeitung
Ursprüngliche BearbeitungMehr Klarheit
Aktueller Bildstil
Aktuelle BearbeitungMehr Atmosphäre

Wenn ich das Bild heute noch einmal betrachte, gehe ich etwas anders an die Bearbeitung heran.

In der aktuellen Version habe ich die Helligkeit in den Lichtern etwas reduziert und die dunkleren Töne im Wasser bewusst tiefer gelassen. Dadurch entsteht ein klarerer Kontrast zwischen dem ruhigen, dunklen Meer und dem warmen Licht auf der Küste. Das Ergebnis wirkt weniger offensichtlich bearbeitet und kommt näher an die Stimmung heran, die ich bei der Aufnahme erlebt habe.

Auch die Farben sind etwas zurückhaltender. Statt Blau und Grün bewusst hervorzuheben, lasse ich die natürlichen Töne der Landschaft die Stimmung bestimmen. Das Bild wirkt dadurch ruhiger und ausgewogener, ohne das schöne Licht der Szene zu verlieren.

Für mich zeigt dieser Unterschied, wie sich mein Bildstil mit der Zeit entwickelt hat. Es geht mir heute weniger darum, ein Bild möglichst spektakulär wirken zu lassen. Viel wichtiger ist mir, die Atmosphäre und Tiefe der Aufnahme zu bewahren.

Florian Kirschbaum

Florian Kirschbaum ist Fotograf für Reise-, Hotel- und Landschaftsfotografie mit Sitz in Mannheim. Auf diesem Blog schreibt er über Bildbearbeitung in Lightroom, Stilentwicklung und seinen Weg vom IT-Direktor zum Fotografen. Er bietet einen Lightroom-Kurs zur Stilfindung an — auf Deutsch und Englisch. In einem kostenfreien Bildstilanalyse-Tool können Fotografen ihren Bearbeitungsstil prüfen.

https://www.florian-kirschbaum.com
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Wochenreflexion #57/ KW 35 2026 – Ich beginne nicht mehr bei null