Lightroom Editing: Before and After: Heidelberg, Germany (Kopie)

Lightroom · Vorher und Nachher

Lightroom-Bearbeitung im Vorher-Nachher-Vergleich: die Alte Brücke in Heidelberg

Dieses Foto entstand an einem nebligen Morgen an der Alten Brücke in Heidelberg. Als ich am Neckarufer ankam, lag die gesamte Szene im Nebel: Das Schloss war nicht zu sehen, die Brücke nur schwach erkennbar und ein einzelner Schwan glitt durch das ruhige graue Wasser.

Von Florian Kirschbaum · Lightroom und Stilfindung

Der direkte Vergleich

Von der RAW-Datei zur fertigen Bearbeitung.

Die unbearbeitete Aufnahme zeigte bereits die besondere Atmosphäre, hatte aber kaum Struktur. Der Nebel war so dicht, dass die Gebäude im Hintergrund zu einer flachen Fläche wurden. Dem Wasser fehlte Tiefe und der Schwan ging in den dunkleren Bereichen fast unter. In der Bearbeitung wollte ich die weiche Wirkung des Nebels bewahren und dem Bild gleichzeitig mehr Trennung und einen klareren Blickverlauf geben.

Unbearbeitete RAW-Aufnahme der Alten Brücke in Heidelberg im Nebel
VorherRAW-Datei
Bearbeitete Aufnahme der Alten Brücke in Heidelberg im Nebel
NachherLightroom-Bearbeitung

Schritt 01

Belichtung und Grundeinstellungen

Zu Beginn habe ich die gesamte Belichtung deutlich reduziert (–1,35). Dadurch wirkt der Nebel dichter und die ruhige Stimmung des Morgens kommt stärker zur Geltung. Die Lichter habe ich abgesenkt (–45), damit die hellen Bereiche im Nebel nicht zu dominant werden. Gleichzeitig öffnen die angehobenen Tiefen (+30) den Schwan und die dunkleren Bereiche des Wassers.

Belichtung−1,35
Lichter−45
Tiefen+30
Weiß+74
Schwarz−33
Struktur−24
Belichtung und Grundeinstellungen der nebligen Heidelberg-Aufnahme

Was dieser Schritt verändert

Der höhere Weißwert (+74) bringt wieder etwas Zeichnung in den Nebel. Gleichzeitig sorgt der niedrigere Schwarzwert (–33) für mehr Tiefe im Wasser, ohne dass dessen weiche Oberfläche verloren geht.

Struktur (–24) und Klarheit (–21) habe ich reduziert, um die natürliche Weichheit des Nebels zu erhalten. Den Regler „Dunst entfernen“ ließ ich bewusst bei 0. Bei diesem Bild ist der Nebel kein Fehler, den ich korrigieren möchte, sondern der eigentliche Grund für die Aufnahme.

Schritt 02

Gradationskurve – die Stimmung formen

Die Gradationskurve folgt einer zurückhaltenden S-Form. Sie gibt dem Foto mehr Tiefe, ohne einen harten Kontrast zu erzeugen. Die leicht angehobenen Mitteltöne lassen die Brücke und die umliegenden Gebäude langsam aus dem Nebel hervortreten. Gleichzeitig trennen die dunkleren Schatten das Wasser deutlicher vom hellen Hintergrund.

Gradationskurve für die neblige Morgenstimmung

Was dieser Schritt verändert

Durch diese kleine Verschiebung der Tonwerte entsteht ein klarerer Blickverlauf. Der Blick beginnt beim dunkleren Wasser und dem Schwan, wandert zur Brücke und verliert sich anschließend im Nebel. Die Szene bekommt mehr Struktur, ohne ihre Ruhe zu verlieren.

Schritt 03

HSL-Anpassungen – die kühlen Farben verfeinern

Bei den HSL-Anpassungen ging es vor allem darum, die kühlen Farbtöne des Morgens sauber aufeinander abzustimmen. Der Nebel sollte neutral und ruhig wirken, während Wasser, Gebäude und Bäume voneinander unterscheidbar bleiben.

Anpassung der Farbtöne im Lightroom-Farbmischer

Farbton

Beim Farbton habe ich nur Blau leicht verschoben (–19). Dadurch wirkt das Wasser weniger rein blau und erhält stattdessen einen neutraleren Blaugrauton, der besser zum nebligen Morgen passt.

Anpassung der Sättigung im Lightroom-Farbmischer

Sättigung

Rot (+8) und Blau (+32) habe ich leicht verstärkt, damit Architektur und Wasser etwas mehr Präsenz erhalten. Grün (–69) und Gelb (–42) wurden dagegen deutlich reduziert, um schmutzige Farbtöne in den Bäumen und im Hintergrund zu vermeiden. Auch Magenta und Lila habe ich stark zurückgenommen, damit der Nebel neutral bleibt.

Anpassung der Luminanz im Lightroom-Farbmischer

Luminanz

Die warmen Töne habe ich aufgehellt – Orange auf +54 und Gelb auf +33. Dadurch werden die Gebäude im Hintergrund etwas besser sichtbar. Blau (–62) und Lila (–36) sind dagegen dunkler, damit das Wasser mehr Tiefe und Atmosphäre bekommt.

Schritt 04

Color Grading – kühles und warmes Licht ausbalancieren

Mit dem Color Grading habe ich den kühlen Charakter des Morgens verstärkt und gleichzeitig etwas Wärme in den hellen Nebel gebracht. Die Veränderungen bleiben bewusst dezent. Sie sollen die vorhandene Stimmung unterstützen und keinen sichtbaren Farblook über das Bild legen.

Color Grading der Schatten in Lightroom

Schatten

Ein kühler Blauton in den Schatten (Farbton 200 / Sättigung 7) unterstützt die kalte Morgenstimmung auf dem Wasser. Die geringe Sättigung sorgt dafür, dass die dunklen Bereiche nicht sichtbar blau eingefärbt wirken.

Color Grading der Mitteltöne in Lightroom

Mitteltöne

Die Mitteltöne greifen einen ähnlichen kühlen Farbton auf (Farbton 196 / Sättigung 9). Dadurch entsteht im Wasser und in der unteren Bildhälfte eine gleichmäßige, ruhige Farbstimmung.

Color Grading der Lichter in Lightroom

Lichter

Die Lichter erhalten einen sehr sanften warmen Ton (Farbton 83 / Sättigung 5). Er setzt einen leichten Gegenpol zum kühlen Wasser und deutet das erste Sonnenlicht hinter den Wolken an. So entsteht ein weicher Übergang zwischen dem dunkleren Fluss und dem hellen Nebel.

Schritt 05

Fazit

Diese Bearbeitung zeigt für mich, dass Nebel nicht entfernt oder vollständig aufgehellt werden muss. Durch gezielte Luminanzwerte, einen weichen Kontrast und ein zurückhaltendes Color Grading behält das Bild seine ruhige Atmosphäre und gewinnt trotzdem an Tiefe. Der Schwan wird zum klaren Blickpunkt, die Brücke hebt sich etwas deutlicher ab und der Nebel verbindet die verschiedenen Ebenen der Szene.

Bei nebligen Bildern geht es aus meiner Sicht nicht darum, möglichst viele Details sichtbar zu machen. Gerade die weichen Übergänge und die nur angedeuteten Gebäude machen diese Aufnahme besonders. Die Bearbeitung soll diese Wirkung nicht ersetzen, sondern sie bewahren.

Die Entwicklung der Bearbeitung

Die Atmosphäre der Szene stärker bewahren

Bei meiner früheren Bearbeitung dieses Fotos wollte ich vor allem mehr Details sichtbar machen. Ich hellte die dunkleren Bereiche leicht auf und versuchte, die Architektur und den Nebel klarer herauszuarbeiten. Technisch funktionierte das gut. Das Bild wirkte dadurch aber auch heller und weniger geheimnisvoll, als ich den Moment tatsächlich erlebt hatte.

Frühere Bearbeitung mit mehr Klarheit
Frühere BearbeitungMehr Klarheit
Aktuelle Bearbeitung mit mehr Atmosphäre
Aktuelle BearbeitungMehr Atmosphäre

Heute gehe ich mit einer anderen Haltung an dieses Foto heran.

In der aktuellen Version dürfen die dunklen Töne im Wasser und im Nebel tiefer bleiben. Dadurch hebt sich der Schwan im Vordergrund klarer vom nebligen Hintergrund mit der Brücke und den Kirchtürmen ab. Gleichzeitig verstärken die dunkleren Bereiche die Ruhe des frühen Morgens.

Statt Helligkeit und Klarheit weiter anzuheben, konzentriere ich mich stärker darauf, die natürliche Stimmung der Szene zu erhalten. Der Nebel wirkt dichter, das Wasser dunkler und die Architektur etwas weiter entfernt.

Für mich zeigt diese Version gut, wie sich mein Bearbeitungsstil mit der Zeit verändert hat. Ich möchte nicht mehr jedes Detail sichtbar machen, sondern die Atmosphäre bewahren, die den Moment überhaupt besonders gemacht hat.

Florian Kirschbaum

Florian Kirschbaum ist Fotograf für Reise-, Hotel- und Landschaftsfotografie mit Sitz in Mannheim. Auf diesem Blog schreibt er über Bildbearbeitung in Lightroom, Stilentwicklung und seinen Weg vom IT-Direktor zum Fotografen. Er bietet einen Lightroom-Kurs zur Stilfindung an — auf Deutsch und Englisch. In einem kostenfreien Bildstilanalyse-Tool können Fotografen ihren Bearbeitungsstil prüfen.

https://www.florian-kirschbaum.com
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