Lightroom Editing: Before and After: Mannheim Sunrise (Kopie)
Lightroom · Vorher und Nachher
Lightroom-Bearbeitung im Vorher-Nachher-Vergleich: Sonnenaufgang in Mannheim
Dieses Foto entstand an einem ruhigen Wintermorgen in Mannheim, als sich der Himmel plötzlich in verschiedene Rot-, Orange- und Violetttöne färbte. Die Spiegelung im Wasser war bereits in der RAW-Datei deutlich zu erkennen. Trotzdem wirkte das Bild noch flach und gab nur wenig von der besonderen Stimmung dieses Moments wieder. Mein Ziel war, die warmen Farben des Sonnenaufgangs hervorzuheben und das Bild gleichzeitig ruhig und natürlich wirken zu lassen.
Der direkte Vergleich
Von der RAW-Datei zur fertigen Bearbeitung.
Schon bei der Aufnahme haben mich vor allem die kräftigen Farben im Himmel und ihre Spiegelung im Wasser angesprochen. In der Bearbeitung wollte ich diese Wirkung bewahren, ohne die Sättigung einfach nur zu erhöhen. Entscheidend war für mich die Balance: Der Sonnenaufgang sollte intensiv bleiben, während die weichen Übergänge im Himmel und die Ruhe des Wassers weiterhin erkennbar sind.


Schritt 01
Grundeinstellungen – die Basis der Bearbeitung
Zunächst habe ich die Belichtung leicht angehoben (+0,25), um das Bild etwas zu öffnen. Gleichzeitig wurden die Lichter vollständig reduziert (–100) und die Tiefen deutlich angehoben (+54). Dadurch bleiben die dunklen Silhouetten klar erkennbar, während im leuchtenden Himmel möglichst viele Details erhalten bleiben. Der höhere Weißwert (+53) gibt dem Licht mehr Kraft. Der nahezu unveränderte Schwarzwert (–2) sorgt dafür, dass das Bild trotzdem eine stabile dunkle Grundlage behält.

Was dieser Schritt verändert
Mit weniger Struktur (–20) und Klarheit (–20) habe ich weichere Übergänge zwischen Himmel, Wolken und Spiegelung geschaffen. Der Weißabgleich bei einer Temperatur von 5850 und einer Tonung von –15 bringt außerdem einen etwas kühleren Unterton ins Bild. Er bildet einen ruhigen Gegenpol zu den kräftigen Rot- und Orangetönen des Sonnenaufgangs.
Schritt 02
Gradationskurve – mehr Tiefe und Kontrast
Die Gradationskurve folgt einer klassischen S-Form, bleibt dabei aber weich. Die Schatten werden leicht vertieft und die Lichter nur so weit angehoben, dass das Bild mehr Tiefe erhält, ohne die kräftige Lichtstimmung zusätzlich zu übertreiben. Dadurch entsteht eine klare Trennung zwischen den dunklen Silhouetten und dem hellen Himmel, während die Spiegelung im Wasser natürlich bleibt.

Was dieser Schritt verändert
Die Kurve verstärkt vor allem die räumliche Wirkung des Bildes. Die dunklen Bereiche geben der Szene Halt, während Himmel und Spiegelung genügend Helligkeit behalten. So entsteht Kontrast, ohne dass die Übergänge hart oder künstlich wirken.
Schritt 03
HSL-Anpassungen – die Farben verfeinern
Die Farben waren bereits in der RAW-Datei sehr intensiv. Deshalb ging es bei den HSL-Anpassungen nicht darum, noch mehr Farbe hinzuzufügen. Stattdessen habe ich die einzelnen Töne so verschoben, reduziert und abgedunkelt, dass die natürlichen Übergänge im Himmel erhalten bleiben.
Farbton
Orange (+28) habe ich leicht in Richtung Gelb verschoben, um in der Mitte des Himmels einen wärmeren Lichtbereich zu schaffen. Die Anpassungen bei Blau (–7) und Lila (–28) kühlen die unteren Bereiche des Himmels und der Spiegelung etwas ab. Dadurch heben sich die warmen Farben auf natürliche Weise deutlicher ab.
Sättigung
Rot (–30) und Orange (–10) habe ich reduziert, damit die warmen Farben nicht übersättigt wirken. Gelb wurde stärker zurückgenommen (–49), Grün und Aquamarin vollständig entfernt (–100). Auch Blau (–48), Lila (–16) und Magenta (–15) sind weniger gesättigt. So bleiben die Farbübergänge weich und der Himmel wirkt trotz seiner Intensität nicht überladen.
Luminanz
Bei der Luminanz habe ich Orange (–20) und Blau (–52) abgedunkelt. Das gibt dem Leuchten am Horizont und seiner Spiegelung mehr Tiefe. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass das erste Licht langsam stärker wird und der Morgen beginnt.
Schritt 04
Color Grading – der letzte Feinschliff
Mit dem Color Grading habe ich die Trennung zwischen dem warmen Himmel und den kühleren dunklen Bereichen weiter verfeinert. Auch hier ging es mir nicht um einen sichtbaren Farblook, sondern um kleine Verschiebungen, die das bereits vorhandene Licht unterstützen.
Lichter
Die Lichter erhalten eine dezente gelbgrüne Wärme (Farbton 86 / Sättigung 13). Dieser Ton gleicht die kräftigen Rot- und Orangetöne etwas aus und sorgt dafür, dass die hellsten Bereiche des Himmels natürlicher wirken.
Schatten
Ein kühler Blauton in den Schatten (Farbton 201 / Sättigung 13) gibt den dunkleren Bereichen eine klare Grundlage. Gleichzeitig verstärkt er den Kontrast zwischen dem warmen Himmel und der kühleren Spiegelung im Wasser.
Mitteltöne
Die Mitteltöne habe ich in ein warmes Gold verschoben (Farbton 55 / Sättigung 23). Dadurch wird das weiche Licht des Sonnenaufgangs betont. Gemeinsam entsteht eine abgestufte Farbstruktur aus kühlen Schatten, warmen Mitteltönen und ausgeglichenen Lichtern.
Schritt 05
Fazit
Das fertige Bild wirkt intensiv und gleichzeitig ruhig. Durch die weicheren Details, den gezielt aufgebauten Kontrast und die Balance aus warmen und kühlen Farben bleibt die besondere Wirkung des Morgenhimmels erhalten. Gerade bei einem ohnehin dramatischen Licht braucht es aus meiner Sicht keine extreme Bearbeitung. Oft reichen gezielte Anpassungen, um die Stimmung des Moments sichtbar zu machen.
Die Entwicklung der Bearbeitung
Die Intensität des Sonnenaufgangs ausbalancieren
In einer früheren Bearbeitung dieses Bildes wollte ich vor allem die dramatischen Farben des Sonnenaufgangs betonen. Die warmen Töne im Himmel und ihre Spiegelung im Wasser wurden kräftiger und heller. Dadurch wirkte die Szene sehr lebendig und zog sofort den Blick auf sich.


Damals fühlte sich diese Bearbeitung für mich richtig an. Gerade bei einem starken Sonnenaufgang liegt es nahe, Farben und Helligkeit weiter zu verstärken, um die Besonderheit des Moments zu zeigen.
Heute gehe ich mit einer etwas anderen Haltung an das Foto heran. In der aktuellen Version dürfen die dunklen Bereiche im Vordergrund und am Wasser tiefer bleiben. Dadurch entsteht eine klarere Trennung zwischen dem leuchtenden Himmel und dem ruhigen Wasser darunter. Die Spiegelung trägt weiterhin die Wärme des Sonnenaufgangs, doch die gesamte Szene wirkt ausgeglichener und weniger stark bearbeitet.
Statt die Farben weiter zu verstärken, konzentriere ich mich heute stärker darauf, die natürliche Intensität des Lichts zu bewahren. Der Sonnenaufgang bleibt kraftvoll, aber das Bild wirkt ruhiger und atmosphärischer.
Für mich gibt diese Version den stillen Moment besser wieder, in dem ich beobachtet habe, wie das erste Licht den Himmel über dem Wasser veränderte.