Wochenreflexion #38/ KW 16 2026 – zwischen aufbau und sichtbarkeit
In dieser Woche ist mir etwas bewusst geworden, das ich lange nicht so klar greifen konnte. Es ging nicht um Zahlen, nicht um Reichweite und auch nicht um konkrete Ergebnisse. Es ging vielmehr darum, wie sich mein Blick verändert – auf meine Arbeit, auf meinen Weg und auf mich selbst. Ich habe gemerkt, dass ich mich gerade an einem Übergang befinde. Rückblickend fühlt es sich so an, als wäre das letzte Jahr vor allem eines gewesen: Aufbau. Ich habe meinen Stil entwickelt, meine Webseite aufgebaut, meinen Kurs strukturiert und vor allem Klarheit darüber gewonnen, was ich eigentlich machen möchte. Nach außen war davon wenig sichtbar. Aber innerlich ist extrem viel passiert. Jetzt beginnt eine neue Phase. Eine Phase, in der es nicht mehr darum geht, etwas zu verstehen, sondern darum, sichtbar zu werden.
Vom Aufbau zur Sichtbarkeit
Ein Gedanke hat sich diese Woche sehr klar angefühlt: Das erste Jahr war nicht dafür da, gesehen zu werden. Es war dafür da, zu verstehen. Ich habe lange gedacht, dass das, was ich aufgebaut habe, sich auch direkt zeigen müsste. Dass es schneller gehen müsste. Dass mehr passieren müsste. Aber jetzt merke ich, dass genau das nicht der Punkt war. Ich habe mir eine Grundlage geschaffen – technisch, kreativ und mental. Und genau diese Grundlage beginnt jetzt erst zu wirken. Das zweite Jahr wird sich nicht mehr um Aufbau drehen, sondern um Sichtbarkeit. Um das Teilen. Um das Herausgehen. Und vermutlich wird sich erst dann zeigen, was wirklich daraus entstehen kann.
Observer statt Filmmaker
Ein zweiter, sehr entscheidender Punkt dieser Woche war mein Blick auf Videos. Ich habe lange versucht, Videos so zu machen, wie man sie „macht“. Mit mehreren Clips, mit Übergängen, mit Perspektivwechseln. Detailaufnahmen von Gras, Muscheln oder kleinen Elementen, einfach weil ich das bei anderen gesehen habe. Aber ich habe gemerkt, dass sich das für mich nicht richtig anfühlt. Der entscheidende Satz war: Ich filme nicht mehr, was in ein Video gehört – ich filme, was ich sehe. Das hat vieles verändert. Ich habe verstanden, dass ich kein klassischer Storyteller bin. Ich bin eher ein Beobachter. Ich halte Dinge fest, die ich ohnehin wahrnehme – nicht Dinge, die ich konstruiere, damit ein Video funktioniert. Das führt zu einer sehr klaren Regel: Wenn ich es nicht fotografieren würde, filme ich es auch nicht. Und plötzlich wird alles einfacher.
Weniger Material, aber mehr Bedeutung
Am Wochenende in Holland hat sich das ganz konkret gezeigt. Ich war krank, hatte wenig Energie und habe bewusst auf Dinge verzichtet. Ich bin keine Drohne geflogen, obwohl ich es ursprünglich vorhatte. Der Moment hat sich nicht richtig angefühlt. Früher hätte ich wahrscheinlich trotzdem gefilmt, einfach um „Material zu haben“. Jetzt habe ich es gelassen. Und das Interessante ist: Es hat sich richtig angefühlt. Ich habe stattdessen einfach Zeit mit meiner Familie verbracht und nur sehr bewusst fotografiert. Und mir ist klar geworden, dass ich nicht mehr jeden Moment festhalten muss. Ich habe bereits Material. Ich kann Dinge kombinieren. Ich muss nicht alles produzieren. Das ist ein kompletter Perspektivwechsel.
Stil entsteht durch Auswahl, nicht durch Aufwand
Ein weiterer wichtiger Punkt war die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Bildern im Vergleich zu anderen Fotografen. Ich habe Bilder gesehen von zwei Fotografen, die professionell arbeiten und dafür bezahlt werden. Und mein erster Gedanke war: Das, was sie machen, kann ich auch. In manchen Punkten sogar besser. Nicht, weil ich mehr Technik hätte. Sondern weil mein Blick ruhiger ist. Ich arbeite stärker mit Raum, mit Licht und mit Reduktion. Während viele Bilder eher dokumentarisch sind, versuche ich, eine Stimmung zu erzeugen. Das war ein wichtiger Moment für mich. Nicht im Sinne von „besser oder schlechter“, sondern im Sinne von: Ich kann mich ernst nehmen.
Warum weniger oft mehr ist
Eine Erkenntnis, die sich durch die ganze Woche gezogen hat, ist das Thema Reduktion. Viele Inhalte auf Social Media sind darauf ausgelegt, möglichst viel zu zeigen: viele Schnitte, viele Perspektiven, viele Effekte. Das wirkt oft beeindruckend, ist aber gleichzeitig auch austauschbar. Ich merke immer mehr, dass mein Weg ein anderer ist. Ich brauche keine komplexen Videos. Ich brauche keine aufwendigen Geschichten. Ich brauche einen klaren Gedanken und ein Bild, das diesen Gedanken trägt. Das ist schwerer, als es aussieht. Denn weniger zu machen bedeutet nicht, dass es einfacher ist. Es bedeutet, dass jede Entscheidung wichtiger wird.
Zwischen zwei Welten
Diese Woche gab es auch einen Moment im Job, der mich zunächst geärgert hat. Ein Kollege wurde bei bestimmten Themen stärker eingebunden als ich. Im ersten Moment fühlt sich das wie ein Schritt zurück an. Gleichzeitig kam ein anderer Gedanke auf: Vielleicht bin ich innerlich schon einen Schritt weiter draußen. Ich merke, dass ich mich langsam von dieser Rolle löse. Nicht aktiv, nicht bewusst gesteuert – aber es passiert. Und solche Situationen sind vielleicht erste Zeichen davon. Das fühlt sich gleichzeitig ungewohnt und richtig an.
Fortschritt fühlt sich nicht immer wie Fortschritt an
Ein weiteres Thema war meine Erkältung. Ich musste das Training pausieren und hatte kurz das Gefühl, wieder bei Null anzufangen. Natürlich stimmt das nicht. Aber das Gefühl ist trotzdem da. Und genau daran merke ich, dass meine Identität noch stark an Aktivität gekoppelt ist. Daran, etwas zu tun, etwas voranzubringen, besser zu werden. Die eigentliche Entwicklung liegt aber darin, zu verstehen: Fortschritt bedeutet nicht, nie zu stoppen – sondern immer wieder zurückzukommen.
Was bleibt
Wenn ich diese Woche zusammenfasse, dann bleibt vor allem eines: Ich beginne, mir selbst mehr zu vertrauen. Ich muss nicht mehr alles machen, was man „so macht“. Ich muss nicht mehr jedem Trend folgen. Ich muss nicht mehr jedes Bild oder jedes Video rechtfertigen. Ich kann auswählen. Ich kann reduzieren. Ich kann Dinge entstehen lassen. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Unterschied: Ich arbeite nicht mehr darauf hin, dass etwas sofort funktioniert. Ich beginne, etwas aufzubauen, das langfristig Sinn ergibt. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.