Wochenreflexion #41/ KW 19 2026 – Warum ich dachte, Instagram im Griff zu haben

Diese Woche hat mir wieder gezeigt, wie subtil sich Dinge verändern können. Nicht plötzlich oder dramatisch, sondern langsam und fast unbemerkt. Genau das hat mich im Nachhinein eigentlich am meisten fasziniert.

Nach dem Campingtrip kam zuerst einfach nur Erschöpfung. Lange Autofahrt, wenig Schlaf, Kieferschmerzen, wenig Energie. Ich dachte zunächst, ich wäre einfach urlaubsreif oder generell ausgelaugt. Gleichzeitig kamen wieder mehr Zweifel hoch – über meinen Weg, über Instagram, über Reichweite und über die Frage, ob das alles irgendwann wirklich funktionieren kann.

Besonders interessant war für mich dabei, dass ich während des Urlaubs selbst schon leicht unzufrieden war. Nicht unbedingt mit der Zeit als Familie oder mit dem Campingplatz an sich, sondern eher mit dem Gefühl, zu wenig fotografiert zu haben. Zu wenig „rausgeholt“ zu haben. Dabei ist mir später erst bewusst geworden, dass genau darin wahrscheinlich schon die eigentliche Veränderung lag.

Früher hätte ich wahrscheinlich eher gesagt: „Die Woche war anstrengend, ich genieße jetzt einfach die Ruhe.“ Diesmal kamen aber unterschwellig Gedanken wie: „Nebel würde jetzt performen“, „Das wäre guter Content“, „Man müsste eigentlich nochmal los.“ Selbst als ich überlegt habe, morgens um halb sechs aufzustehen, um nochmal Nebel in Heidelberg zu fotografieren, habe ich erst später verstanden, dass das wahrscheinlich weniger echte kreative Lust war, sondern vielmehr dieses unterschwellige Gefühl, eine Gelegenheit nicht verpassen zu dürfen.

Das Verrückte daran: Ich habe Instagram gar nicht exzessiv genutzt. Kein stundenlanges Scrollen. Keine komplette Eskalation. Eher dieses unterschwellige Mitlaufen. Explore Pages. Andere Reisen. Andere Fotografen. Andere Lebensmodelle. Trotzdem kamen plötzlich wieder Gedanken hoch wie: „Müsste ich mehr machen?“, „Sind meine Videos ruhig genug oder zu langweilig?“, „Müsste ich mehr schneiden?“, „Wächst das überhaupt jemals richtig?“ oder sogar ganz grundsätzlich: „Kann dieser Weg wirklich funktionieren?“

Gleichzeitig fiel mir auf, dass ich meine Routinen wieder weniger konsequent gemacht habe. Weniger Meditation. Weniger Journaling. Weniger morgens direkt auf die Matte. Ich dachte die ganze Zeit, ich wäre einfach nur erschöpft oder ausgelaugt. Erst Freitagabend in der Meditation wurde mir plötzlich klar, dass sich da wahrscheinlich über Wochen langsam wieder etwas eingeschlichen hatte.

Das Faszinierende daran: Ich hätte geschätzt, vielleicht 10 oder 15 Minuten am Tag in der App zu sein. Als ich dann auf meine Bildschirmzeit geschaut habe, waren es plötzlich ungefähr eine Stunde täglich. Nicht extrem viel – und trotzdem offenbar genug, um meinen inneren Zustand langsam zu verändern. Weniger Ruhe. Weniger Klarheit. Mehr Grübeln. Mehr das Gefühl, ständig etwas machen oder optimieren zu müssen.

Warum mich ein Kursverkauf mehr beschäftigt hat als Reichweite

Fast gleichzeitig habe ich diese Woche meinen Lightroom-Kurs verkauft. Nicht über Instagram, sondern über Google und meine Webseite. Und genau dieser Moment hat bei mir plötzlich einen Denkprozess ausgelöst.

Mir wurde bewusst, dass jemand aktiv nach etwas gesucht haben muss. Nicht einfach kurz durch einen Feed gescrollt hat, sondern wirklich auf meine Webseite gekommen ist. Vielleicht einen Artikel gelesen hat. Vielleicht mehrere Minuten geblieben ist. Vielleicht verstanden hat, wofür ich eigentlich stehe.

Und plötzlich wurde mir klar, wie unterschiedlich diese Arten von Aufmerksamkeit eigentlich sind.

Ich habe die letzten Wochen wieder stark darüber nachgedacht, wie man Reichweite bekommt, wie viele Menschen vielleicht mein Instagram-Profil besuchen oder ob die Videos gut genug performen. Gleichzeitig habe ich dabei fast vergessen, wie wertvoll eigentlich Menschen sind, die direkt über Google auf meine Webseite kommen. Selbst wenn das vielleicht nur zehn oder fünfzehn Personen im Monat sind, ist das wahrscheinlich qualitativ viel relevanter als tausende flüchtige Impressionen in einem Feed.

Das hat meine Sicht auf Pinterest und die Webseite nochmal stark verändert. Anfangs wollte ich auf Pinterest irgendwie alles gleichzeitig machen: Hotelreferenzen, Wochenreflexionen, einzelne Bilder, Vorher-Nachher-Artikel, Gedanken, persönliche Inhalte. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass dadurch alles etwas diffus wurde.

Jetzt fühlt es sich plötzlich viel klarer an. Pinterest muss für mich eigentlich gar kein soziales Netzwerk sein. Es darf einfach eine visuelle Suchmaschine für meinen Kurs, meinen kostenlosen Guide und meine Stil-Artikel sein. Genau dafür wirken diese neuen Pin-Formate mit den klaren Overlays plötzlich auch viel stimmiger. Nicht als Kunstprojekt, sondern als strukturierter Einstiegspunkt in meine Lightroom- und Stilwelt.

Instagram dagegen fühlt sich inzwischen eher wie eine visuelle Visitenkarte an. Ruhige Bilder. Atmosphärische Reels. Eine klare Ästhetik. Mehr Portfolio als Marketingmaschine. Und die Webseite bleibt der eigentliche Ort für Tiefe, Reflexion und langfristige Sichtbarkeit.

Warum Entwicklung oft viel leiser aussieht als gedacht

Ich glaube, genau das beschäftigt mich gerade generell sehr stark: Dass echte Entwicklung oft viel leiser aussieht, als man denkt.

Im Sport merke ich das genauso. Mein Körper hat sich in den letzten Monaten verändert. Die VO2max entwickelt sich langsam weiter. Muskeln werden definierter. Bewegungen bewusster. Gleichzeitig fühlt es sich im Alltag oft trotzdem so an, als würde man noch gar nicht so weit sein. Und doch erkennt man rückblickend plötzlich, dass sich unglaublich viel verändert hat.

Mit der Fotografie und meinem Weg ist es eigentlich genauso. Vor einem Dreivierteljahr habe ich mein Manifest geschrieben. Damals war vieles noch eher eine Vorstellung oder Hoffnung. Heute gibt es eine echte Webseite, einen veröffentlichten Kurs, regelmäßige Wochenreflexionen, Pinterest-Strukturen, VoiceOver-Ideen, ruhige Videoformate und erste Verkäufe über Google.

Was mich dabei fast am meisten überrascht: Dass ich diese Wochenreflexionen tatsächlich bis heute durchgezogen habe. Anfangs dachte ich wirklich, dass ich das vielleicht ein oder zwei Monate mache und dann wieder verliere. Stattdessen sind sie inzwischen ein wichtiger Teil meines Weges geworden. Nicht als Content, sondern als Möglichkeit, mich selbst bewusster wahrzunehmen und Dinge früher zu erkennen.

Vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Woche: Dass Entwicklung nicht immer darin besteht, schneller zu werden oder mehr zu produzieren. Sondern oft eher darin, bewusster zu merken, was einem eigentlich guttut – und was nicht.

Und vielleicht ist genau das gerade die eigentliche Veränderung: Nicht mehr jeder Plattform oder jedem Impuls hinterherzulaufen, sondern langsam klarer zu verstehen, welche Rolle Dinge im eigenen Leben überhaupt haben sollen. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.

Weiter
Weiter

Wochenreflexion #40/ KW 18 2026 – Wenn Kontrolle plötzlich Zweifel erzeugt