Wochenreflexion #63 KW41 – Heller werden, ohne meinen Stil zu verlieren
Am Ende dieser Woche gefallen mir meine Bilder besser als zu Beginn. Das überrascht mich selbst ein bisschen, denn der Weg dorthin war alles andere als entspannt. Ein Hinweis von außen hat mich zunächst so verunsichert, dass ich zeitweise nicht mehr wusste, ob meine bisherige Bildsprache überhaupt noch zu dem passt, was ich aufbauen möchte. Nach einem ziemlich anstrengenden Tag mit Hunderten neu bearbeiteten Fotos sehe ich es anders: Ich musste meinen Stil nicht aufgeben. Ich musste genauer verstehen, welche Teile davon mir wirklich wichtig sind.
Ein Hotelkontakt, der mehr ausgelöst hat als erwartet
Ich hatte wieder Lust bekommen, Hotels für eine mögliche Zusammenarbeit anzuschreiben. Daraus entstand unter anderem der Kontakt zum Hotel Kindl. Für den angefragten Herbstzeitraum war dort kein Platz, aber es kam ein Vorschlag für eine Kooperation im Winter zurück. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Eine Reise mit meiner Frau und meiner Tochter mit meiner Fotografie zu verbinden, wäre eine schöne Möglichkeit, und die Bilder könnten mein Portfolio erweitern.
Gleichzeitig hat mir dieser Kontakt noch einmal gezeigt, welche Rolle solche Projekte in meinem Leben spielen sollen. Ich möchte gern Hotels fotografieren, wenn mich ein Ort und die Zusammenarbeit ansprechen. Ich muss daraus aber keinen Beruf machen, der künftig mein ganzes Einkommen tragen soll. Mein Interesse an den Kursen, am Schreiben und an dem, was aus Framed Freedom noch entstehen kann, ist weiterhin da. Eine Hotelkooperation darf zu diesem Weg passen, ohne ihn vollständig zu bestimmen.
Dann kam Marta Rückmeldung zur Bildsprache. Das Kindl ist ein Familienhotel und wünscht sich hellere, freundlichere und wärmere Bilder, die trotzdem ruhig und hochwertig wirken. Ich konnte verstehen, was sie meinte. Trotzdem hat mich der Hinweis stärker getroffen, als ich erwartet hatte. Meine dunkleren Bilder gefallen mir schließlich selbst. Ich mag die Tiefe, die gedämpften Farben und diese etwas melancholische Stimmung. Plötzlich fragte ich mich, ob ich für eine Zusammenarbeit etwas verändern müsste, das eigentlich zu mir gehört.
Was ich in meinen alten Bildern übersehen hatte
Ich habe daraufhin angefangen, ältere Serien anders zu bearbeiten und die Versionen nebeneinandergelegt. Anfangs war ich unsicher, ob die helleren Fotos zu gewöhnlich oder zu bunt werden. Ich schaute mir andere Fotografen an, überlegte wieder, ob ich die Farbtöne stärker in Richtung Sand, Creme, Oliv und graues Blau ziehen müsste, und war irgendwann ziemlich erschöpft von den vielen Entscheidungen.
Bei den Bildern für Bad Fallenbach verstand ich dann besser, was mit mehr Helligkeit und „Punch“ gemeint sein könnte. Ich habe die Belichtung bei vielen Fotos deutlich angehoben, teilweise ungefähr um eine Blendenstufe. Gleichzeitig habe ich Schatten und Schwarztöne bewusst tief gehalten. Dadurch wurden die beleuchteten Bereiche klarer und frischer, während die Bilder ihre Tiefe behielten. Auch die Farben habe ich so angepasst, dass sie natürlich und eher zurückhaltend bleiben.
Im Vergleich zu den früheren Bearbeitungen konnte ich auf einmal Details sehen, die vorher beinahe verschwunden waren. Weiße Flächen sahen wieder weiß aus. Räume wurden verständlicher, Essen appetitlicher, Landschaften offener. Gerade bei den Hotelbildern macht das einen Unterschied: Ich möchte eine Atmosphäre zeigen, aber Menschen sollen auch erkennen können, wie ein Ort aussieht und wie es sich anfühlen könnte, dort zu sein.
Ich habe an einem Tag ungefähr 300 Bilder bearbeitet. Das war viel und hat mich auch mitgenommen. Gleichzeitig war es eine gute Übung, weil ich merkte, dass es für die neue Bildsprache keinen festen Reglerwert gibt. Ein dunkler Innenraum mit einzelnen Lichtquellen braucht etwas anderes als eine Schneelandschaft. Mal dürfen die Schatten sehr tief sein, mal müssen sie etwas geöffnet werden. Das Prinzip wurde mir klarer, gerade weil ich es auf so unterschiedliche Motive angewandt habe. Auch bei den Bildern der Ericeira Prime Villas wirkte die hellere Bearbeitung anschließend einladender, ohne dass die ruhigen Farben verschwanden.
Die neue Bad-Fallenbach-Version habe ich dem gemeinsamen Album hinzugefügt. Ob das Hotel darauf reagiert, ist für mich inzwischen weniger wichtig als der Vergleich selbst. Ich sehe darin eine deutliche Verbesserung und fühle mich mit diesen Bildern auch sicherer, wenn ich meine Arbeit einem neuen Hotel zeige.
Ruhig muss für mich nicht verschlossen heißen
Die Auseinandersetzung mit den Fotos ging irgendwann über die Technik hinaus. Meine dunkle Bildsprache hat mich lange angesprochen und tut es in einzelnen Bildern noch immer. Aber beim Vergleich fragte ich mich, ob ich damit manchmal mehr Melancholie und Distanz gezeigt habe, als ich eigentlich ausdrücken möchte.
Ich sehe mich selbst als ruhigen Menschen. Gleichzeitig möchte ich offen, freundlich und warmherzig sein. Vielleicht darf man das meinen Bildern stärker ansehen. Das bedeutet nicht, dass jedes Foto hell sein muss oder dass ich Nebel, dunkle Schatten und stille Momente hinter mir lasse. Es bedeutet eher, dass Dunkelheit nicht automatisch die Antwort sein muss, wenn ich Tiefe erzeugen möchte.
Schon in der vergangenen Woche hatte ich festgestellt, dass mein Stil nicht an ein bestimmtes Motiv gebunden ist. Die Bilder aus dem Zoo fühlten sich genauso nach mir an wie eine Küstenlandschaft. Diese Woche kam eine weitere Frage dazu: Vielleicht ist mein Stil auch nicht an eine bestimmte Helligkeit gebunden. Was ich fotografiere, wie ich einen Ausschnitt wähle und welches Licht mich anzieht, bleibt erkennbar, selbst wenn ich die Bearbeitung verändere.
Nicht jedes Format braucht sofort eine Lösung
Neben den Bildern habe ich weiter an meinen Inhalten gearbeitet. Meine Vorher-Nachher-Reels zeigen mir gerade, dass ein wiederholbares Format funktionieren kann, wenn ich es nicht nach jedem Versuch neu erfinde. Bei den Reflexionsvideos ist das noch schwieriger. Ein Reel mit Talking Head wurde schnell übersprungen und erreichte deutlich weniger Menschen. Das hat mich beschäftigt, weil diese Gedanken für mich mehr sind als ein weiteres Videoformat.
Ich habe deshalb ein neues Voice-over mit dem Einstieg „Ich baue mir gerade ein selbstbestimmteres Leben auf“ aufgenommen und für einen weiteren Versuch vorhandene Clips verwendet. So konnte ich den Einstieg verändern, ohne wieder ein komplettes Video von Grund auf zu produzieren. Das war auch eine praktische Entscheidung: Die Bildbearbeitung hatte bereits so viel Zeit und Energie gekostet, dass für das ursprünglich geplante Wochenreflexionsvideo kaum noch Raum war.
Ob der neue Einstieg besser funktioniert, weiß ich noch nicht. Aber ich muss die Antwort auch nicht in einem einzigen Versuch finden. Bei den Fotoreels habe ich gerade erlebt, was möglich wird, wenn ich bei einer Idee bleibe und gezielt einzelne Dinge verbessere.
Was von dieser Woche bleibt
Die Absage für die Zermatt-Kampagne zu Beginn der Woche war enttäuschend, aber sie hat meinen Weg nicht angehalten. Kurz darauf entstand ein Hotelkontakt, über den ich mich freue, und aus einem zunächst unangenehmen Feedback wurde eine intensive Auseinandersetzung mit meiner Arbeit. Das war kein geradliniger Prozess. Zwischendurch wollte ich fast wieder alles infrage stellen.
Am Ende nehme ich vor allem mit, dass ich Rückmeldungen ernst nehmen kann, ohne sie einfach zu übernehmen. Marta hat mir einen Anstoß gegeben. Ob mir die Veränderung gefällt, konnte ich erst herausfinden, indem ich die Bilder selbst bearbeitet und verglichen habe. Jetzt sehe ich darin nicht nur eine Anpassung an ein mögliches Hotelprojekt, sondern eine Bildsprache, die mir persönlich näherkommt: ruhig und kontrastreich, aber auch klarer, wärmer und zugänglicher.
Vielleicht ist genau das die Entwicklung dieser Woche. Ich kann mich verändern, ohne jedes Mal bei null anfangen zu müssen. Mein Stil ist etwas, das ich durch meine Entscheidungen immer besser verstehe.
Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.
Ein Hinweis zu meiner dunklen Bildsprache hat mich diese Woche stärker beschäftigt als erwartet. Nach Hunderten neu bearbeiteten Fotos wurde mir klar: Meine Bilder können heller und zugänglicher werden und trotzdem nach mir aussehen.