In dieser Woche habe ich gemerkt, wie viel leichter sich mein Alltag anfühlt, wenn ich nicht ständig hinterfrage, ob ich noch mehr machen müsste. Nach der großen Systemumstellung auf der Arbeit war ich zufrieden und motiviert, bei meiner Fotografie haben mir feste Abläufe viele Entscheidungen abgenommen, und am Wochenende konnte ich eine Gelegenheit zum Fotografieren bewusst vorbeiziehen lassen. Gleichzeitig gab es Müdigkeit, Zweifel an meinen Inhalten und den vertrauten Gedanken, ob andere vielleicht etwas wissen, das ich noch nicht verstanden habe. Die Ruhe war also nicht durchgehend da. Aber ich konnte in mehreren Situationen genauer unterscheiden, was ich wirklich möchte und worauf ich gerade nur reagiere.
Die befürchtete Krise ist ausgeblieben
Als ich im August in den Urlaub gegangen bin, hatte ich erwartet, dass die Zeit nach meiner Rückkehr bis Oktober ziemlich heftig werden würde. Wir bereiteten seit Monaten die Umstellung eines zentralen Unternehmenssystems vor, in dem wesentliche Geschäftsprozesse zusammenlaufen. Entsprechend groß waren die Verantwortung und die Unsicherheit, ob nach dem Start alles funktionieren würde.
Nun lag der Go-live hinter uns, und die erste Woche verlief überraschend ruhig. Natürlich kamen viele Tickets und Fragen auf. Aber die Kerngeschäftsprozesse liefen stabil, und die befürchteten großen Krisen blieben aus. Noch am Wochenende hatte ich kaum geschlafen, jetzt konnte ich im laufenden Betrieb sehen, was wir gemeinsam geschafft hatten. Das hat mich die ganze Woche über motiviert. Ich war stolz auf unser Team und auch auf mich selbst, weil ich mit dieser anspruchsvollen Phase so gelassen umgegangen war.
Anspannung war durchaus vorhanden gewesen. Wie viel mir das Projekt bedeutete, hatte ich beim Schreiben der Nachricht an die Key User gemerkt. Trotzdem hatte ich mich in den Wochen davor nicht dauerhaft so gestresst gefühlt, wie ich es im August erwartet hatte. Meine Morgenroutine, die ruhigen Minuten am Abend und der Sport haben mir aus meiner Sicht dabei geholfen, einen verlässlichen Alltag beizubehalten. Sie waren auch in dieser Zeit ein fester Bestandteil meines Tages.
Dazu kam etwas, das ich mir vor einigen Wochen bewusst erlaubt hatte: Ich darf meinen Beruf mögen, während ich mir mit Fotografie und meinen anderen Ideen etwas Eigenes aufbaue. Seitdem habe ich deutlich weniger darüber nachgedacht, wann sich endlich alles verändern muss. Diese Woche konnte ich die Freude über meine Arbeit einfach zulassen.
Auch eine gute Woche kostet Kraft
Trotz dieser Zufriedenheit habe ich die Erschöpfung vom Wochenende gespürt. In Terminen zu anderen Themen fiel es mir teilweise schwer, mich richtig zu konzentrieren. Ich konnte mich grundsätzlich energiereich fühlen und gleichzeitig merken, dass mein Kopf noch nicht wieder vollständig erholt war.
Beim Training hatte ich deshalb schon am Samstag bewusst etwas zurückgenommen. Auch am Dienstag wollte ich mich bewegen, ohne mich komplett zu verausgaben: erst 30 Minuten locker auf dem Crosstrainer, danach Krafttraining mit einem ordentlichen Reiz. Am nächsten Morgen war ich noch zufrieden damit, wie gut ich die Belastung gesteuert hatte. Im Laufe des Nachmittags wurde ich dann ziemlich schlapp, und der Muskelkater nahm deutlich zu.
Das hat meine erste Einschätzung etwas relativiert. Offenbar war die Einheit doch anstrengender gewesen, als sie sich währenddessen angefühlt hatte. Ich kenne dieses Muster auch von anderen härteren Krafteinheiten, nach denen mir am nächsten Tag Energie fehlt. Diesmal kam die intensive berufliche Phase noch dazu. Woran die Müdigkeit im Einzelnen lag, konnte ich nicht sicher auseinanderhalten.
Bis Freitag fühlte ich mich wieder deutlich besser und freute mich auf drei freie Tage. Für mich blieb die Erkenntnis, Belastung früher mitzudenken, auch wenn ich mich zunächst fit fühle. Gleichzeitig muss ich weiter herausfinden, welche Trainingsdosis mir neben meinem übrigen Alltag tatsächlich guttut. Dass ich bewusster darauf achte, bedeutet noch nicht, dass ich es jedes Mal richtig einschätze.
Feste Formate schaffen Ruhe im Kopf
Bei meinen Veröffentlichungen hat sich dagegen eine Routine entwickelt, die mich gerade spürbar entlastet. Die Wochenreflexion schreiben, einen Gedanken für ein Carousel auswählen, Bilder veröffentlichen und meinen Bearbeitungsworkflow zeigen: Ich muss nicht mehr jedes Mal neu überlegen, was ich überhaupt machen könnte. Ich schaue kaum nach Trends oder passenden Audios, sondern arbeite mit meinen eigenen Inhalten und Formaten weiter.
Die Produktion braucht weiterhin Zeit, besonders wenn ich für ein Reflexionsvideo passende Clips zusammenstelle. Aber ein großer Teil des ständigen Entscheidens fällt weg. Auch Material wiederzuverwenden oder auf dem Aufbau der Vorwoche aufzusetzen, empfinde ich inzwischen als praktisch. Dazu haben wir die Cover für meine Videos überarbeitet und damit einen weiteren Teil der Veröffentlichung vorbereitet.
Ein schwächeres Vorher-Nachher-Reel beschäftigt mich trotzdem noch. Ich habe über das Motiv und die Wirkung meines Talking Heads nachgedacht und ihn neu aufgenommen. Ich bin also nicht plötzlich völlig unabhängig von den Ergebnissen. Der Unterschied ist eher, dass ich deshalb nicht mehr sofort meinen gesamten Ansatz infrage stelle. Der nächste Beitrag hat bereits seinen Platz, und ich kann gezielt etwas ausprobieren, ohne jedes Mal alles neu aufzubauen.
Nicht jede gute Geschichte wird sofort gelesen
Am Wochenende bin ich auf eine Fotografin mit einer großen Followerschaft aufmerksam geworden. In einem langen Carousel schrieb sie persönliche Gedanken, die mich an meine eigenen Reflexionen erinnerten. Trotzdem fiel es mir schwer, alle zwanzig Slides zu lesen. Ich musste mich regelrecht dazu bringen, weiterzulesen, und wusste zwischendurch gar nicht, ob ich das gerade überhaupt wollte.
Das war ein hilfreicher Blick auf mein eigenes Verhalten. Ich interessiere mich für solche Themen und bringe trotzdem nicht in jedem Moment die Aufmerksamkeit dafür auf. Warum sollte ich dann von anderen erwarten, dass sie meine Gedanken immer vollständig lesen?
Daraus folgt für mich nicht, dass meine Texte niemanden interessieren. Aber ich möchte ihren Wert weniger daran festmachen, wie viel unmittelbar nach der Veröffentlichung passiert. Die Wochenreflexionen helfen mir selbst, meine Erfahrungen zu verstehen, und halten eine Entwicklung fest, die sonst in vielen kleinen Alltagssituationen verschwinden würde. Daraus kann später auch Material für ein Buch entstehen. Dafür müsste ich auswählen, verdichten und einen Zusammenhang schaffen. Es wäre etwas anderes, als die Texte einfach aneinanderzureihen. Trotzdem bleibt das Schreiben heute schon sinnvoll, ohne dass diese spätere Form feststehen muss.
Die Person hinter der Bildbearbeitung zeigen
Ein Workshop über den Aufbau eines Online-Business hat mich zusätzlich darüber nachdenken lassen, für wen ich eigentlich veröffentliche. Bei solchen Angeboten werde ich schnell neugierig, weil ich mich frage, ob ich etwas übersehe oder noch einen entscheidenden Hebel finden könnte. Gleichzeitig versuche ich genauer hinzuschauen, welche jahrelange Arbeit hinter den beworbenen Ergebnissen steckt und was davon überhaupt zu meinem eigenen Vorhaben passt.
Ein Gedanke war für mich besonders relevant: Viele Menschen entdecken mich vermutlich über meine Lightroom-Inhalte und die Vorher-Nachher-Bearbeitungen. Wenn ich anschließend sehr allgemeine Coaching-Botschaften veröffentliche, ist die Verbindung zu dem, weshalb sie mir folgen, nicht automatisch verständlich.
Wir hatten meine persönlichen Erkenntnisse zuletzt stark in allgemeine Aussagen für Zuschauer übersetzt. Dabei kann ein Teil meiner eigenen Erfahrung verloren gehen. Künftig möchte ich wieder konkreter erzählen, was ich selbst beim Fotografieren, Veröffentlichen oder beim Aufbau neben meinem Beruf bemerke. Ein einzelner Gedanke, den andere nachvollziehen können, ohne meine gesamte Geschichte kennen zu müssen.
Parallel können aus meinen vorhandenen Lightroom-Artikeln hilfreiche Carousels entstehen. So bekommen Menschen, die wegen der Bildbearbeitung kommen, weitere fachliche Inhalte und können zugleich die Person dahinter kennenlernen. Mein Interesse an Coaching und einem späteren Buch bleibt bestehen. Es muss nur nicht jede Veröffentlichung bestimmen.
Eine Gelegenheit bewusst vorbeiziehen lassen
Im Kurzurlaub bei Memmingen wurde dieser Gedanke an das eigene Tempo noch einmal sehr konkret. Neuschwanstein und der Plansee waren ungefähr eine Stunde entfernt, und mit den Herbstfarben war die Versuchung groß, doch noch hinzufahren. Das mögliche Bild hatte ich bereits im Kopf.
Gleichzeitig wollte ich diesmal hier kreativ sein und den Ort erst einmal auf mich wirken lassen. Ich merkte, wie schnell eine schöne fotografische Gelegenheit wieder zu etwas wird, das ich unbedingt nutzen müsste, weil es sich für Instagram eignen könnte. Also entschied ich mich, den Ausflug sein zu lassen, obwohl der Reiz blieb.
Das war keine große Entscheidung. Aber sie hat für mich etwas von dieser Woche zusammengebracht: Ich kann Freude an meiner Arbeit haben, meine Fotografie ernst nehmen und an meinen Ideen weiterarbeiten, ohne jede freie Stunde und jede Gelegenheit dafür einzusetzen. Im Moment möchte ich die Abläufe weiterführen, die mir helfen, und genauer darauf achten, wann ich aus eigener Lust handle und wann aus der Sorge, sonst etwas zu verpassen. Dass sich dabei mehr Ruhe einstellt, möchte ich erst einmal genießen.
Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.
Nach einer intensiven beruflichen Phase erlebe ich, wie viel Ruhe verlässliche Routinen schaffen können. Gleichzeitig hinterfrage ich meine Erwartungen an Instagram und entscheide mich im Kurzurlaub bewusst gegen ein naheliegendes Fotomotiv. Eine Woche über die Freude am Weitergehen, ohne ständig mehr machen zu müssen.