Lightroom Editing: Before and After - indoor hotel scene (Kopie)
Lightroom · Vorher und Nachher
Lightroom-Bearbeitung im Vorher-Nachher-Vergleich: eine ruhige Hotelszene
Dieses Foto entstand im Bad Fallenbach, einem ruhigen Hotel in Südtirol, in dem Essen, Licht und Atmosphäre ganz selbstverständlich zusammenpassen. Die Szene lebt nicht von einer perfekten Inszenierung für die Kamera. Sie zeigt einen stillen Moment vor der Ankunft der Gäste: Die Desserts stehen bereit, das Obst ist angerichtet und der Raum strahlt eine ruhige, fast vertraute Wärme aus.
Der direkte Vergleich
Von der RAW-Datei zur fertigen Bearbeitung.
Die unbearbeitete Aufnahme hatte bereits eine gute Grundlage. Das Licht fiel weich und gerichtet in den Raum, die verschiedenen Oberflächen waren gut erkennbar und die Bildkomposition wirkte ausgeglichen. Trotzdem fehlte mir noch die Atmosphäre, die ich vor Ort wahrgenommen hatte. Die warmen Farben waren zu dominant, die Schatten etwas schwer und das Foto wirkte eher dokumentarisch. Mein Ziel war deshalb nicht, die Szene schöner zu machen, sondern ihre ruhige und einladende Stimmung deutlicher herauszuarbeiten.


Schritt 01
Belichtung und Grundeinstellungen
Die Belichtung habe ich nahezu unverändert gelassen und nur leicht angehoben (+0,05), damit das Bild offen und natürlich wirkt. Die Lichter habe ich deutlich reduziert (–93), um die Zeichnung in den hellen Tellern und reflektierenden Oberflächen zu bewahren. Gleichzeitig öffnen die leicht angehobenen Tiefen (+31) die dunkleren Bereiche, ohne sie flach wirken zu lassen.

Was dieser Schritt verändert
Den Weißwert habe ich angehoben (+28), damit die hellen Elemente wie Porzellan und Obst klarer hervortreten. Der ebenfalls leicht angehobene Schwarzwert (+7) reduziert dagegen den harten Kontrast. Gerade bei einer Innenaufnahme wie dieser war mir wichtig, dass die Atmosphäre einladend und nicht unnötig dramatisch wirkt.
Weniger Struktur (–24) und Klarheit (–21) nehmen den feinen Details etwas von ihrer digitalen Schärfe. Kuchen, Obst und Steinoberflächen müssen hier nicht besonders scharf wirken, sondern sich ruhig in die Szene einfügen. Den Regler „Dunst entfernen“ habe ich deshalb bei 0 belassen, um die natürliche Tiefe des Raumes zu bewahren und keinen künstlichen Kontrast zu erzeugen.
Schritt 02
Gradationskurve – sanfte Tiefe aufbauen
Die Gradationskurve folgt keiner ausgeprägten S-Form, sondern einem weichen, leicht angehobenen Verlauf. Die Schatten werden etwas geöffnet und die Lichter vorsichtig angehoben. Dadurch bleibt das Bild klar lesbar, ohne zu stark inszeniert zu wirken. Es entsteht gerade genug Trennung zwischen den Bereichen, um den Blick zu führen, während die ruhige Gesamtstimmung erhalten bleibt.

Was dieser Schritt verändert
Die Kurve gibt dem Bild mehr Tiefe, ohne einzelne Elemente zu stark hervorzuheben. In den Schatten bleiben Details sichtbar und auch die helleren Bereiche fügen sich in denselben ruhigen Bildeindruck ein.
Schritt 03
HSL-Anpassungen – dominante Farben reduzieren
Die Kontrolle der einzelnen Farben war bei dieser Bearbeitung besonders wichtig. Gerade in Innenräumen können warme Farbtöne schnell so dominant werden, dass sie die eigentliche Atmosphäre überlagern. Deshalb habe ich nicht versucht, alle Farben zu verstärken, sondern die Palette gezielt beruhigt.
Farbton
Mit den Farbtonreglern habe ich die einzelnen Farben so aufeinander abgestimmt, dass sich Obst, Desserts und Steinoberflächen natürlicher in die Szene einfügen. Die Farbtöne sollen den Blick nicht auf sich ziehen, sondern gemeinsam eine ruhige Grundlage bilden.
Sättigung
Rot (+33) und Orange (+13) geben dem Obst und den Desserts etwas mehr Leben, ohne zu kräftig zu wirken. Gelb (+5) bleibt bewusst zurückhaltend, damit die Steinoberfläche keinen sichtbaren Gelbstich bekommt.
Luminanz
Bei der Luminanz habe ich Rot (–38) und Orange (–28) leicht abgedunkelt, um den warmen Farben mehr Tiefe zu geben. Das hellere Gelb (+21) hält die Balance und verhindert, dass die gesamte Szene zu schwer wirkt.
Die kühleren Farben habe ich deutlich reduziert. Grün (–46), Aquamarin (–95) und Blau (–56) treten dadurch in den Hintergrund und lenken nicht mehr von der eigentlichen Szene ab. Lila und Magenta wurden vollständig entsättigt (–100), um unerwünschte Farbstiche in den Schatten zu entfernen.
Auch bei der Luminanz bleiben die kühlen Töne dunkler, damit sie nicht mit der Wärme des Raumes konkurrieren. So entsteht eine kontrollierte, ruhige Farbpalette: warm, ohne nostalgisch zu wirken, und klar, ohne steril zu werden.
Schritt 04
Color Grading – Wärme ausbalancieren
Das Color Grading ist bewusst dezent gehalten. Es soll keinen sichtbaren Farblook über das Bild legen, sondern die vorhandene Wärme ausgleichen und die einzelnen Helligkeitsbereiche miteinander verbinden.
Schatten
Ein sanfter warmer Ton in den Schatten (Farbton 45 / Sättigung 5) unterstützt die einladende Wirkung des Raumes. Die geringe Sättigung sorgt dafür, dass die Veränderung spürbar bleibt, ohne als eigener Farbton aufzufallen.
Mitteltöne
Die Mitteltöne erhalten einen leicht kühlen Gegenpol (Farbton 201 / Sättigung 10). Dadurch driftet die Aufnahme nicht zu stark in Orange ab und die warmen Elemente bleiben voneinander unterscheidbar.
Lichter
Auch in den Lichtern bleibt der kühle Ton zurückhaltend (Farbton 194 / Sättigung 7). Reflektierende Oberflächen wirken dadurch ruhig und natürlich. Gemeinsam schaffen diese Einstellungen eine warme, aber ausgeglichene Atmosphäre im Innenraum.
Schritt 05
Fazit
Bei diesem Foto geht es für mich weder um klassische Foodfotografie noch darum, den Innenraum möglichst perfekt zu zeigen. Entscheidend ist die Sorgfalt, die in der Vorbereitung, dem Licht und der gesamten Atmosphäre des Hotels spürbar war.
Durch den weicheren Kontrast, die zurückhaltenden Farben und die reduzierten Details treten die einzelnen Gegenstände etwas in den Hintergrund. Stattdessen wird die ruhige Stimmung des Raumes stärker sichtbar und der Blick findet von selbst zu den wesentlichen Elementen.
Die Bearbeitung soll deshalb nicht durch einen starken Effekt beeindrucken. Sie soll dabei helfen, dass die Atmosphäre des Moments im Bild erhalten bleibt.
Die Entwicklung der Bearbeitung
Eine ruhigere und natürlichere Farbbalance
In einer früheren Version dieses Bildes hatte ich mich vor allem darauf konzentriert, die Farben hell und kräftig wirken zu lassen. Das Obst, die Kuchen und die verschiedenen Oberflächen auf dem Tisch bekamen mehr Sättigung. Dadurch wirkte das Bild lebendig und farbenreich.


Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass kräftigere Farben die natürliche Atmosphäre einer Szene auch überlagern können.
In der aktuellen Version habe ich die gesamte Helligkeit leicht reduziert und die dunkleren Töne des Tisches und des Hintergrunds bewahrt. Dadurch wird der Blick klarer zum Zentrum des Bildes geführt.
Auch die Farben sind etwas zurückhaltender. Statt alle Elemente gleichermaßen zu betonen, bestimmen nun die Komposition und das vorhandene Licht die Stimmung des Bildes.
Für mich wirkt diese Bearbeitung ausgeglichener und kommt der tatsächlichen Atmosphäre des Moments deutlich näher.