Lightroom Vorher-Nachher: Eibsee in Deutschland
RAW Photo. Lightroom Edit is shown below at the end of the article.
Die Ausgangssituation
Dieses Foto entstand an einem klaren Tag am Eibsee. Im Hintergrund erhebt sich das Zugspitzmassiv, während das ruhige Wasser die kleinen bewaldeten Inseln umgibt.
Aus der Luft besaß die Szene bereits eine starke Komposition: dunkles Wasser im Vordergrund, mehrere Ebenen aus Wald in der Bildmitte und helle Berggipfel unter einem klaren Himmel.
Die unbearbeitete Aufnahme wirkte jedoch etwas unausgewogen. Die hellen Bereiche im Himmel zogen zu viel Aufmerksamkeit auf sich, dem Wasser fehlte es an Tiefe und der Wald erschien flacher, als ich ihn vor Ort wahrgenommen hatte.
Mein Ziel war deshalb nicht, das Bild dramatischer wirken zu lassen. Ich wollte eine ruhige und natürliche Alpenstimmung herausarbeiten, die tief und zeitlos wirkt, ohne offensichtlich bearbeitet auszusehen.
Belichtung und grundlegende Anpassungen
Grundlegende Anpassungen in Lightroom
Zunächst habe ich die allgemeine Belichtung und die Verteilung der Tonwerte ausbalanciert.
Die Belichtung wurde leicht erhöht (+0,40), um das gesamte Bild etwas anzuheben, ohne es sichtbar heller wirken zu lassen. Gleichzeitig habe ich die Lichter deutlich reduziert (−85). Dadurch kamen mehr Strukturen im Himmel zurück und die schneebedeckten Berggipfel wirkten weniger hart.
Die Tiefen wurden angehoben (+68), um mehr Details im Wald und in den dunkleren Bereichen des Wassers sichtbar zu machen.
Die Weißtöne habe ich erhöht (+51), damit die hellsten Bereiche mehr Klarheit erhalten. Gleichzeitig wurden die Schwarztöne abgesenkt (−40), um dem Bild eine stabile Grundlage zu geben und mehr Tiefe im See zu erzeugen.
Zusätzlich habe ich Textur (−24) und Klarheit (−21) reduziert, damit die Szene weich und natürlich bleibt.
Dunst entfernen blieb bei 0. Die Atmosphäre war bereits klar genug. Eine zusätzliche Erhöhung hätte das Bild aus meiner Sicht zu scharf und technisch wirken lassen.
Gradationskurve in Lightroom
Gradationskurve – Tiefe ohne starken Kontrast erzeugen
Die Gradationskurve folgt einer weichen und zurückhaltenden S-Form.
Die Schatten sind leicht angehoben, damit die dunklen Bereiche nicht vollständig zulaufen. Gleichzeitig habe ich die Mitteltöne etwas erhöht, wodurch der Wald mehr Volumen erhält und sich seine einzelnen Ebenen besser voneinander unterscheiden lassen.
Die Lichter bleiben bewusst kontrolliert, damit der Übergang vom blauen Himmel zu den helleren Bereichen am Horizont weich und natürlich wirkt.
Mit dieser Kurve wollte ich weder besonders kräftige Farben noch einen starken Kontrast erzeugen. Stattdessen entsteht ein ruhiger visueller Verlauf: vom dunklen Wasser im Vordergrund über den Wald bis hinauf zu den Bergen.
Dadurch kann sich der Blick auf natürliche Weise durch das Bild bewegen.
HSL-Anpassungen – Natürliche alpine Farben formen
Bei den HSL-Anpassungen lag mein Fokus auf Natürlichkeit und Balance, nicht auf auffälligen Farbverschiebungen.
Im Bereich Farbton habe ich die Grüntöne leicht verschoben (−22), damit sie weniger künstlich erscheinen. Die Aquatöne wurden stärker angepasst (+38), wodurch die flacheren Bereiche des Wassers klarer und sauberer wirken. Blau habe ich dagegen nur minimal verändert (−6), damit See und Himmel farblich miteinander verbunden bleiben.
Die Sättigung wurde sehr gezielt gesteuert:
Rot: −81
Orange: +56
Aqua: −26
Blau: −24
Die starke Reduzierung der Rottöne entfernt störende Farbabweichungen. Gleichzeitig bringen die verstärkten Orangetöne etwas Wärme in den Wald zurück.
Aqua und Blau habe ich leicht entsättigt, damit das Wasser tief und natürlich wirkt, anstatt einen zu kräftigen oder beinahe tropischen Farbeindruck zu bekommen.
Auch die Helligkeit einzelner Farbbereiche spielt eine wichtige Rolle. Die Grüntöne wurden aufgehellt (+27), wodurch der Wald mehr Struktur und räumliche Tiefe erhält. Die Blautöne habe ich dagegen deutlich abgedunkelt (−48), um dem Wasser mehr Gewicht zu geben.
Lila (−42) und Magenta (−17) wurden ebenfalls reduziert, damit die Farbpalette ruhig bleibt und keine unerwünschten Farbtöne vom eigentlichen Motiv ablenken.
Color Grading – Wärme und Ruhe ausbalancieren
Mit dem Color Grading habe ich die abschließende emotionale Wirkung des Bildes geformt.
Die Schatten erhielten einen leicht kühlen Farbton (Farbton 200 / Sättigung 5). Dadurch wirkt der See tiefer und die ruhige alpine Atmosphäre wird zusätzlich unterstützt.
Die Mitteltöne habe ich dezent in einen warmen Grünbereich verschoben (Farbton 74 / Sättigung 8). Das unterstützt die natürlichen Farben des Waldes, ohne sie zu intensiv erscheinen zu lassen.
Die Lichter wurden leicht erwärmt (Farbton 47 / Sättigung 13). Dadurch erhalten die Berge und der Himmel ein sanftes, natürliches Leuchten.
Diese Kombination hält die einzelnen Bildbereiche in Balance: kühles Wasser, natürliche Waldtöne und warme Lichter. Kein Bereich drängt sich dabei unnötig in den Vordergrund.
Das fertige Ergebnis
Bei dieser Bearbeitung ging es vor allem um Zurückhaltung. Der Eibsee benötigt weder starke Kontraste noch zusätzliche Dramatik, um beeindruckend zu wirken.
Durch eine ausgewogene Belichtung, gezielt gesteuerte Farben und weiche Strukturen bleibt das Bild der Ruhe und Klarheit des Ortes treu. Das Wasser wirkt tief, der Wald erhält mehrere sichtbare Ebenen und die Berge bleiben zurückhaltend, aber dennoch präsent.
Die Aufnahme erinnert mich daran, dass Landschaftsfotografie durch die Bearbeitung nicht lauter werden muss. Manchmal geht es lediglich darum, dem Bild genügend Raum zum Atmen zu geben.
Weitere Vorher-Nachher-Artikel mit detaillierten Bearbeitungsschritten findest du hier.
Das Bild in meinem heutigen Stil bearbeiten
Als ich dieses Foto ursprünglich bearbeitet habe, wollte ich vor allem die kräftigen Farben des Sees und die beeindruckende Berglandschaft hervorheben. Das türkise Wasser und die von der Sonne beleuchteten Inseln erzeugten einen starken visuellen Kontrast, der gut zu einer klassischen Reisefotografie passte.
Mit der Zeit hat sich mein Bearbeitungsstil etwas stärker in Richtung einer ruhigeren und natürlicheren Interpretation entwickelt.
Bei meiner aktuellen Bearbeitung habe ich deshalb die Intensität der Farben im Wasser reduziert und den dunkleren Tonwerten der Landschaft mehr Raum gegeben. Das Ergebnis setzt weniger auf unmittelbare visuelle Wirkung und stärker auf Atmosphäre und Tiefe.
Beide Versionen funktionieren in ihrem jeweiligen Kontext. Die neuere Bearbeitung entspricht jedoch stärker der Art, wie ich Landschaftsfotos heute betrachte und bearbeite.
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Wenn Fotografen über Atmosphäre sprechen, geht es häufig zuerst um Farben: warme Sonnenuntergänge, filmische Farbtöne und ein dramatisches Color Grading, das einem Bild Stimmung und Emotion verleihen soll. Trotzdem wirken einige der atmosphärischsten Fotos bereits besonders, bevor überhaupt eine Bearbeitung stattgefunden hat.
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