Lightroom Vorher-Nachher: Sonnenuntergang an der Santa Maria della Salute in Venedig

RAW Photo. Lightroom Edit is shown below at the end of the article.

Die Ausgangssituation

Dieses Foto entstand bei Sonnenuntergang in Venedig, direkt vor der Basilica di Santa Maria della Salute.

Die Sonne stand bereits tief und schien über die Lagune direkt in das Objektiv. Vor der Kirche glitt langsam eine Gondel durch das Bild, während sich das Licht golden auf der Wasseroberfläche spiegelte.

Vor Ort fühlte sich die Atmosphäre ruhig und beinahe magisch an. Die unbearbeitete Aufnahme konnte diese Stimmung jedoch noch nicht wiedergeben.

Die Lichter waren vollständig ausgebrannt, der Himmel wirkte flach und fast weiß und die Kirche verschwand beinahe im hellen Gegenlicht. Dem Wasser fehlte es an Tiefe und die Gondel hob sich nicht klar genug vom Hintergrund ab. Anstatt warmes Abendlicht zu zeigen, wirkte das Foto einfach nur überbelichtet.

Mein Ziel bestand nicht darin, das Licht zu „korrigieren“, sondern es gezielt zu formen. Die Szene sollte filmisch und geerdet wirken: mit tiefen Schatten, warmen Spiegelungen, weichen Kontrasten und einer ruhigen Stimmung zum Ende des Tages.


Belichtung und grundlegende Anpassungen

Grundlegende Anpassungen in Lightroom

Im ersten Schritt habe ich die allgemeine Helligkeit deutlich reduziert. Dafür senkte ich die Belichtung um −1,65. Allein dadurch kamen bereits mehr Strukturen im Himmel zurück und das Licht wirkte dichter und atmosphärischer.

Die Lichter habe ich stark reduziert (−91), um mehr Details im Himmel und in den Reflexionen zurückzuholen. Gleichzeitig wurden die Tiefen leicht angehoben (+25), damit die Gondel und einzelne Details der Architektur nicht vollständig verloren gehen.

Die Schwarztöne habe ich abgesenkt (−27), um dem Bild eine stärkere Basis zu geben und den Silhouetten mehr Gewicht zu verleihen. Die Weißtöne blieben unverändert (0), damit kein künstlich wirkender Kontrast entsteht.

Zusätzlich habe ich das Bild etwas weicher gestaltet:

  • Textur: −24

  • Klarheit: −21

Dadurch verliert die Aufnahme etwas von ihrer digitalen Härte und das Licht wirkt natürlicher und filmischer. Gerade bei Szenen mit starkem Gegenlicht ist das aus meiner Sicht besonders wichtig.

Dunst entfernen blieb bei 0. Der leichte Dunst des Sonnenlichts gehört zur Atmosphäre und sollte deshalb nicht entfernt werden. Auch Dynamik und Sättigung blieben zunächst unverändert. Die Farben wollte ich erst später gezielt formen, anstatt sie bereits an dieser Stelle zu verstärken.


Gradationskurve in Lightroom

Gradationskurve – Tiefe und Gewicht erzeugen

Mit der Gradationskurve habe ich die Schatten leicht abgesenkt, damit Gondel und Wasser mehr Tiefe erhalten. Gleichzeitig wurden die Mitteltöne behutsam angehoben, sodass die Kirche weiterhin erkennbar bleibt, ohne zu hell zu wirken. Die Lichter blieben kontrolliert, um den verwaschenen Eindruck der ursprünglichen Aufnahme zu vermeiden.

Dieser Schritt schafft eine klarere Trennung zwischen den einzelnen Ebenen:

Wasser → Gondel → Kirche → Himmel

Anstatt im weißen Gegenlicht miteinander zu verschmelzen, erhält jeder Bereich seinen eigenen Raum. Dadurch wirkt die Szene räumlicher und gleichzeitig ruhiger.


HSL-Anpassungen – Farben behutsam verfeinern

Bei den HSL-Anpassungen ging es vor allem darum, die Farbpalette zu bereinigen und die warme Abendstimmung zu unterstützen.

Im Bereich Farbton habe ich Grün (−20) und Blau (−13) leicht verschoben, damit die kühleren Farben natürlicher und weniger digital erscheinen. Das Wasser in Venedig kann schnell zu türkis wirken. Durch diese kleine Anpassung bewegt es sich stärker in Richtung eines tieferen, filmischeren Blaus.

Die eigentliche Formung der Farben erfolgte über die Sättigung.

Die Rottöne habe ich reduziert (−37), damit einzelne warme Bereiche nicht unnötig ablenken. Grün (−61) und Aqua (−77) wurden deutlich entsättigt, um störende Farben im Wasser und im Hintergrund zu entfernen. Auch die Blautöne habe ich etwas zurückgenommen (−29), damit die Lagune ruhig und nicht zu intensiv wirkt.

Gleichzeitig durften die warmen Farbtöne etwas mehr Präsenz erhalten:

  • Orange: +29

  • Gelb: +17

Dadurch bleiben die goldenen Spiegelungen des Sonnenuntergangs sichtbar, ohne künstlich zu wirken.

Bei der Helligkeit habe ich die warmen Töne leicht angehoben und die kühleren Bereiche etwas dunkler gehalten. So leuchten die goldenen Reflexionen stärker, während das Wasser seine Tiefe und sein Gewicht behält.

Das Ergebnis ist eine klare Harmonie aus zwei Farbbereichen: warmes Licht und kühle Schatten. Mehr benötigt die Szene nicht.


Color Grading – Die filmische Abendstimmung formen

Das Color Grading gibt dem Bild seinen abschließenden emotionalen Charakter.

Die Schatten erhielten einen dezenten warmen Braunton (Farbton 29 / Sättigung 12). Dadurch wirken die dunklen Bereiche etwas schwerer und filmischer, anstatt in ein neutrales oder kühles Grau überzugehen.

In den Mitteltönen sorgt ein leicht kühler Farbton (Farbton 200 / Sättigung 5) für Balance. Das hält das Wasser und die Architektur neutraler und verhindert, dass die gesamte Aufnahme zu orange wirkt.

Die Lichter bekamen einen sanften goldgelben Farbton (Farbton 70 / Sättigung 13). Dadurch wird das Leuchten des Sonnenuntergangs verstärkt und die Spiegelungen auf dem Wasser wirken warm und natürlich.

Zusammen erzeugen diese Farbtöne einen Kontrast, ohne miteinander zu konkurrieren: warmes Licht in den helleren Bereichen und tiefere, ruhigere Farben darunter.

Das Bild wirkt dadurch nicht unnötig dramatisch, sondern wie das ruhige Ende eines Tages.


Das fertige Ergebnis

Diese Bearbeitung zeigt gut, dass starkes Licht nicht noch mehr Helligkeit benötigt, sondern vor allem Kontrolle.

Indem ich zunächst die Belichtung reduziert und anschließend Tonwerte und Farben gezielt geformt habe, wirkt die Aufnahme geerdeter und atmosphärischer. Die Gondel hebt sich deutlicher von ihrer Umgebung ab, die Kirche gewinnt wieder an Präsenz und die Spiegelungen erscheinen kräftig, anstatt ausgewaschen zu wirken.

Die Szene brauchte weder intensivere Farben noch einen besonders starken Kontrast. Ihr fehlte lediglich eine ausgewogene Balance.

Genau darin liegt häufig der Unterschied zwischen einem einfachen Schnappschuss und einem Foto, das die Stimmung eines Moments wirklich vermittelt.

Weitere Vorher-Nachher-Artikel mit detaillierten Bearbeitungsschritten findest du hier.

Den natürlichen Kontrast der Szene erhalten

Bei meiner früheren Bearbeitung dieses Bildes versuchte ich, das starke Gegenlicht der Sonne auszugleichen, indem ich die dunkleren Bereiche der Szene aufhellte. Dadurch wurden die Architektur und die Gondel besser sichtbar. Gleichzeitig schwächte ich jedoch auch die besondere Lichtstimmung ab, die in diesem Moment tatsächlich vorhanden war.

Wenn ich das Bild heute betrachte, bevorzuge ich eine andere Interpretation.

In der aktuellen Version darf die Szene mehr von ihrem natürlichen Kontrast behalten. Die Sonne bleibt sehr hell, während die Gondel und die Gebäude deutlich dunkler sind und beinahe zu Silhouetten werden.

Dadurch liegt der visuelle Fokus stärker auf den leuchtenden Spiegelungen im Wasser und dem warmen Abendlicht, das auf die Kanten der Architektur trifft.

Anstatt jedes Detail sichtbar zu machen, vertraut das Bild heute stärker auf die Atmosphäre des Moments: die tief stehende Sonne, das glitzernde Wasser und die ruhige Bewegung der Gondel.

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Florian Kirschbaum

Florian Kirschbaum ist Fotograf für Reise-, Hotel- und Landschaftsfotografie mit Sitz in Mannheim. Auf diesem Blog schreibt er über Bildbearbeitung in Lightroom, Stilentwicklung und seinen Weg vom IT-Direktor zum Fotografen. Er bietet einen Lightroom-Kurs zur Stilfindung an — auf Deutsch und Englisch. In einem kostenfreien Bildstilanalyse-Tool können Fotografen ihren Bearbeitungsstil prüfen.

https://www.florian-kirschbaum.com
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