Warum die meisten Lightroom-Presets nicht funktionieren
Irgendwann beginnen die meisten Fotografen mit der Suche nach dem perfekten Preset. Mir ging es genauso. Vielleicht hattest du auch schon Gedanken wie diese:
„Wenn ich nur das richtige Preset finden würde, würden meine Fotos endlich konsistent aussehen.“
„Warum funktioniert dieses Preset bei den Bildern dieses Fotografen so gut, aber bei meinen überhaupt nicht?“
„Vielleicht habe ich einfach noch nicht den richtigen Bearbeitungsstil gefunden.“
Auf den ersten Blick erscheint das logisch. Du entdeckst einen Fotografen, dessen Arbeit dich begeistert. Die Farben wirken wunderschön, alle Bilder passen zusammen und die Bearbeitung sieht beinahe mühelos aus.
Dann kaufst du das Preset, wendest es auf dein eigenes Foto an und irgendwie funktioniert es nicht. Die Farben wirken falsch, die Stimmung ist eine andere und das Ergebnis entspricht noch immer nicht deiner Vorstellung.
Also probierst du ein weiteres Preset aus – und danach noch eines.
Das Versprechen von Presets
Presets sind so attraktiv, weil sie eine Abkürzung versprechen. Anstatt zu verstehen, wie Bildbearbeitung funktioniert, soll sich ein bestimmter Look mit nur einem Klick anwenden lassen.
Manchmal kann ein Preset ein Bild tatsächlich verbessern. Allerdings kann es immer nur die Informationen verändern, die bereits im Foto vorhanden sind.
Es kann nicht das Licht austauschen, das während der Aufnahme herrschte. Es kann keine Atmosphäre erzeugen, wenn diese in der ursprünglichen Szene nicht vorhanden war. Und es kann hartes Mittagslicht nicht in einen ruhigen Sonnenaufgang verwandeln.
Trotzdem erwarten viele Fotografen genau das. Eigentlich kaufen sie nicht nur ein Preset. Sie kaufen das Gefühl, das sie beim Betrachten der Bilder des Fotografen empfunden haben.
Warum dasselbe Preset bei jedem Foto anders aussieht
An diesem Punkt entsteht häufig Frust. Ein Preset, das bei einem Foto wunderschön aussieht, kann beim nächsten vollkommen unpassend wirken.
Das liegt nicht unbedingt daran, dass das Preset schlecht ist. Jedes Foto beginnt lediglich mit anderen Voraussetzungen.
Vielleicht hat ein Fotograf sein Preset für eine Aufnahme entwickelt, die morgens auf einer Klippe bei weichem Nebel entstanden ist. Du wendest dasselbe Preset dagegen auf ein Bild an, das an einem hellen Sommernachmittag am Strand aufgenommen wurde.
Das Preset ist identisch, das Licht jedoch nicht.
Das erste Bild beginnt mit sanften Übergängen und zurückhaltenden Farben. Das zweite besitzt bereits in der RAW-Datei hartes Sonnenlicht, dunkle Schatten und starke Kontraste.
Von beiden Aufnahmen nach der Bearbeitung dieselbe Wirkung zu erwarten, ist ein wenig so, als würde man dasselbe Rezept mit vollkommen unterschiedlichen Zutaten zubereiten.
Das Preset erschafft die Atmosphäre nicht. Es reagiert lediglich auf das Bild, das bereits vorhanden ist.
Was Fotografen mit einem konsistenten Stil tatsächlich tun
Wenn wir einen Fotografen mit einer wiedererkennbaren Bildsprache entdecken, gehen wir häufig davon aus, dass diese Konsistenz durch Presets entsteht. Das habe ich früher ebenfalls gedacht. Heute sehe ich es eher umgekehrt.
Fotografen mit einem konsistenten Stil treffen meist schon lange vor der eigentlichen Bearbeitung ähnliche Entscheidungen. Sie fühlen sich von bestimmten Lichtstimmungen angezogen, fotografieren ähnliche Atmosphären und wählen vergleichbare Kompositionen. Auch bestimmte Farben, Motive und Umgebungen tauchen in ihrer Arbeit immer wieder auf.
Die Bearbeitung verstärkt anschließend lediglich die Entscheidungen, die bereits während des kreativen Prozesses getroffen wurden. Das Preset ist häufig nur der kleinste Teil davon.
Das eigentliche Problem ist nicht das Preset
Je länger ich meine Bilder bearbeitete, desto deutlicher wurde mir, dass ich nie wirklich nach einem Preset gesucht hatte. Was ich eigentlich wollte, war Sicherheit.
Ich wollte verstehen, warum sich manche Bilder nach meinen eigenen anfühlten und andere nicht. Ich wollte mehr Konsistenz und einen Stil entwickeln, den man wiedererkennt.
Ein Preset wirkte zunächst wie die passende Lösung, weil es etwas Greifbares war. Ich konnte es herunterladen, anwenden und das Ergebnis direkt vergleichen.
Ein eigener Stil funktioniert jedoch anders. Man kann ihn nicht installieren. Man muss ihn mit der Zeit entwickeln.
Was mir stärker geholfen hat als jedes Preset
Die wichtigste Veränderung begann, als ich aufhörte, mich zu fragen:
„Welches Preset soll ich verwenden?“
Stattdessen stellte ich mir eine andere Frage:
„Warum gefällt mir dieses Bild?“
Diese einfache Frage veränderte meinen gesamten Ansatz. Anstatt nach bestimmten Farbrezepten zu suchen, begann ich, meine eigenen Vorlieben genauer zu betrachten.
Dabei fiel mir auf, dass ich mich immer wieder von ruhigen Szenen, sanften Übergängen, atmosphärischem Licht und ausgewogenen Farben angesprochen fühlte. Diese Muster waren bereits lange vorhanden, bevor ich den ersten Regler in Lightroom bewegte.
Mit der Zeit wurde meine Bearbeitung dadurch einfacher, weil meine Entscheidungen klarer wurden.
Presets können hilfreich sein – aber sie sind nicht dein Stil
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Presets. Sie können Zeit sparen, einen guten Ausgangspunkt bieten oder dabei helfen, den Bearbeitungsansatz eines anderen Fotografen zu analysieren.
Sie können jedoch kein echtes Verständnis ersetzen und keinen persönlichen Stil für dich entwickeln.
Die Fotografen, deren Arbeit besonders authentisch wirkt, sind meistens nicht diejenigen mit den besten Presets. Es sind diejenigen, die verstanden haben, was sie mit ihren Bildern ausdrücken möchten.
Am Ende ist ein Preset lediglich eine Sammlung gespeicherter Einstellungen. Ein Stil entsteht dagegen aus einer Reihe bewusster Entscheidungen.
Und genau dieser Unterschied verändert alles.
Wenn Fotografen über Atmosphäre sprechen, geht es häufig zuerst um Farben: warme Sonnenuntergänge, filmische Farbtöne und ein dramatisches Color Grading, das einem Bild Stimmung und Emotion verleihen soll. Trotzdem wirken einige der atmosphärischsten Fotos bereits besonders, bevor überhaupt eine Bearbeitung stattgefunden hat.
In diesem Artikel beschäftige ich mich mit der Frage, warum Atmosphäre häufig mit dem Licht beginnt, wie die Bildbearbeitung sie gezielt verstärken kann und weshalb das Verständnis für dieses Zusammenspiel meine Art zu fotografieren und meine Bilder zu bearbeiten grundlegend verändert hat.