Lightroom Vorher-Nachher: Surfer im morgendlichen Licht in Portugal

RAW Foto. Lightroom Bearbeitung findest du am Ende des Artikels.

Dieses Bild entstand früh am Morgen in Ericeira in Portugal. Ein Surfer stand im weichen Licht, das Meer war noch ruhig und eine dünne Nebelschicht lag in der Luft. Die Atmosphäre war bereits vor Ort vorhanden, doch die RAW-Datei konnte sie noch nicht vollständig wiedergeben.

Technisch war die Belichtung in Ordnung. Es gab keinen offensichtlichen Fehler. Trotzdem wirkte das Bild etwas flach. Der Himmel war zu hell, dem Wasser fehlte es an Struktur und der Surfer hob sich nicht klar genug von seiner Umgebung ab.

Bei der Bearbeitung ging es deshalb nicht darum, das Bild künstlich zu dramatisieren. Mein Ziel war es, mehr Tiefe und eine klarere Blickführung zu schaffen, ohne die ruhige Stimmung des Moments zu verlieren.

Die Ausgangssituation – Weich, aber ohne Tiefe

Auf den ersten Blick wirkte die RAW-Datei ausgewogen. Allerdings bewegten sich fast alle Bildbereiche auf einem ähnlichen Tonwertniveau. Besonders der Himmel war sehr hell und teilweise ausgewaschen, während es den Mitteltönen an Definition fehlte. Der Surfer war zwar deutlich zu erkennen, verschmolz optisch aber noch zu stark mit dem Hintergrund.

Dem Bild fehlte eine klare Hierarchie. Deshalb wollte ich mehr Trennung zwischen Motiv und Umgebung schaffen – nicht durch starken Kontrast, sondern durch eine gezielte Steuerung des Lichts.


Belichtung – Das Licht kontrollieren, statt mehr davon hinzuzufügen

Grundlegende Anpassungen in Lightroom

Die Belichtung habe ich insgesamt leicht erhöht. Die eigentliche Veränderung entstand jedoch dadurch, dass ich die Lichter deutlich reduziert und die Schwarztöne abgesenkt habe.

Durch das Reduzieren der Lichter wurden im Himmel wieder mehr Details sichtbar und er zog nicht mehr zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Die dunkleren Schwarztöne geben dem Wasser mehr Gewicht und sorgen gleichzeitig dafür, dass sich die Silhouette des Surfers klarer von der Umgebung abhebt.

Die Tiefen habe ich bewusst nicht zu stark angehoben. Dunkle Bildbereiche dürfen in dieser Aufnahme auch dunkel bleiben. Genau diese Entscheidung verleiht dem Bild mehr Tiefe und lässt die helleren Bereiche gezielt gesetzt wirken, anstatt zufällig zu erscheinen.


Gradationskurve – Kontrast gezielt formen

Gradationskurve in Lightroom

Die Gradationskurve folgt einer sanften S-Kurve. Die Schatten habe ich leicht abgesenkt, die Mitteltöne behutsam angehoben und die Lichter weiterhin kontrolliert.

Diese Anpassung ist dezent, spielt für die Wirkung des Bildes aber eine wichtige Rolle. Sie schafft eine klarere Trennung zwischen der Wasseroberfläche, dem Schaum der Wellen und dem Horizont im Hintergrund, ohne das Bild hart wirken zu lassen.

Der Kontrast ist vorhanden, drängt sich aber nicht in den Vordergrund. Dadurch behält die Aufnahme ihre ruhige und natürliche Atmosphäre.


HSL – Farben bewusst steuern

Bei den Farben ging es mir nicht darum, die Sättigung deutlich zu erhöhen. Stattdessen wollte ich eine klarere und ausgewogenere Farbwirkung schaffen.

Die Aquatöne habe ich leicht verschoben, damit das Wasser sauberer und klarer wirkt. Gleichzeitig habe ich die Sättigung der Blautöne etwas reduziert, um die ruhige und natürliche Wirkung des Meeres zu bewahren. Die Orangetöne wurden dagegen leicht verstärkt, sodass der Surfer einen Hauch mehr Wärme erhält und sich farblich dezent von seiner Umgebung abhebt.

Das Ziel war nicht, mehr Farbe in das Bild zu bringen, sondern die vorhandenen Farben besser aufeinander abzustimmen.

Helligkeit einzelner Farben – Das Wasser formen

Mit kleinen Anpassungen an der Helligkeit einzelner Farbbereiche habe ich die Szene weiter geformt. Indem bestimmte Farben heller oder dunkler erscheinen, erhalten die Wellen mehr Struktur und die einzelnen Bereiche des Wassers lassen sich klarer voneinander unterscheiden.

Das Meer wirkt dadurch tiefer, der Schaum der Wellen wird sichtbarer und der Surfer hebt sich deutlicher von der bewegten Wasseroberfläche ab. An diesem Punkt beginnt das Licht, den Blick gezielt durch das Bild zu führen.

Es geht dabei weniger um eine allgemeine Aufhellung als um eine bewusste Blickführung.


Color Grading – Warme Lichter auf einer kühlen Basis

Für die abschließende Bildstimmung habe ich den Schatten und Mitteltönen einen dezenten kühlen Farbton gegeben, während die Lichter leicht warm bleiben durften.

Dieses Zusammenspiel aus warmen und kühlen Farbtönen erzeugt eine natürliche Spannung. Das Meer wirkt frisch und ruhig, während das warme Sonnenlicht weiterhin spürbar bleibt, ohne das Bild zu dominieren. So entsteht eine ausgewogene und atmosphärische Farbwirkung, die weder künstlich filmisch noch übertrieben erscheint.

Das Bild wirkt ruhig, ohne dabei flach zu sein.


Color Grading – Warme Lichter auf einer kühlen Basis

Für die abschließende Bildstimmung habe ich den Schatten und Mitteltönen einen dezenten kühlen Farbton gegeben, während die Lichter leicht warm bleiben durften.

Dieses Zusammenspiel aus warmen und kühlen Farbtönen erzeugt eine natürliche Spannung. Das Meer wirkt frisch und ruhig, während das warme Sonnenlicht weiterhin spürbar bleibt, ohne das Bild zu dominieren. So entsteht eine ausgewogene und atmosphärische Farbwirkung, die weder künstlich filmisch noch übertrieben erscheint.

Das Bild wirkt ruhig, ohne dabei flach zu sein.

Das fertige Ergebnis – Klarheit statt Überbearbeitung

Vor der Bearbeitung war das Bild weich und gleichmäßig belichtet, allerdings fehlten ihm Struktur und eine klare visuelle Hierarchie. Nach der Bearbeitung besitzt die Aufnahme deutlich mehr Tiefe. Der Surfer hebt sich klarer von seiner Umgebung ab, die Wellen haben mehr Struktur und der Himmel unterstützt die Szene, anstatt zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Dabei wurde keine Anpassung unnötig weit getrieben. Jeder Bearbeitungsschritt erfüllt eine konkrete Aufgabe und trägt zur gewünschten Bildwirkung bei.

Warum das wichtig ist

Viele Bearbeitungen versuchen, durch starken Kontrast, viel Dunst entfernen oder eine intensive Sättigung mehr Wirkung zu erzeugen. Das kann funktionieren, führt aber häufig dazu, dass die natürliche Atmosphäre eines Moments verloren geht.

Mein Ansatz ist ein anderer. Zuerst reduziere ich alles, was unnötig vom Motiv ablenkt. Anschließend arbeite ich die vorhandene Struktur behutsam heraus. So entsteht eine klarere Trennung zwischen dem Surfer und seiner Umgebung, ohne die weiche Stimmung der Aufnahme zu zerstören.

Genau diesen Ansatz vermittle ich auch in meinem Lightroom-Kurs. Es geht nicht nur darum, einzelne Regler zu bewegen, sondern zu verstehen, wie Licht, Struktur und Balance die Wirkung eines Fotos beeinflussen.

Für mich bedeutet Framed Freedom, Klarheit zu schaffen, ohne dabei die Atmosphäre eines Bildes zu verlieren.

Weitere Vorher-Nachher-Artikel mit detaillierten Bearbeitungsschritten findest du hier.

Entwickle deinen eigenen Lightroom-Workflow

Wenn du deinen eigenen Lightroom-Workflow Schritt für Schritt entwickeln möchtest – nicht auf Grundlage von Presets, sondern durch ein bewusstes Verständnis für Licht, Farben und Bildstimmung – könnte mein Kurs genau das Richtige für dich sein.

Im Kurs zeige ich dir, wie ich Entscheidungen bei der Bildbearbeitung treffe und wie du nach und nach deinen eigenen visuellen Stil entwickeln kannst. Mein kostenloses Bearbeitungsstiltool hilft dir, deinen Bearbeitungsstil zu analysieren.

Florian Kirschbaum

Florian Kirschbaum ist Fotograf für Reise-, Hotel- und Landschaftsfotografie mit Sitz in Mannheim. Auf diesem Blog schreibt er über Bildbearbeitung in Lightroom, Stilentwicklung und seinen Weg vom IT-Direktor zum Fotografen. Er bietet einen Lightroom-Kurs zur Stilfindung an — auf Deutsch und Englisch. In einem kostenfreien Bildstilanalyse-Tool können Fotografen ihren Bearbeitungsstil prüfen.

https://www.florian-kirschbaum.com
Zurück
Zurück

Der Unterschied zwischen einer Bearbeitung für Aufmerksamkeit und einer Bearbeitung für Atmosphäre

Weiter
Weiter

Warum ich meine Lightroom-Bearbeitung in Schwarz-Weiß beginne