Lightroom Vorher-Nachher: Die Westküste der Algarve in PortugaL
Lightroom · Vorher und Nachher
Lightroom Vorher-Nachher: Die Westküste der Algarve in Portugal
Dieses Bild entstand an der wilden Küste der westlichen Algarve. Aus der Luft bilden die Klippen, der schmale Strand und der Atlantik eine kraftvolle Komposition. Die Formen waren bereits klar und auch das Licht war an diesem Abend wunderschön.
Der direkte Vergleich
Vom RAW zum fertigen Bild.
Die unbearbeitete Aufnahme wirkte jedoch zu offen und insgesamt zu hell. Der Sand reflektierte sehr viel Sonnenlicht, dem Himmel fehlte es an Gewicht und die Klippen besaßen noch nicht die Tiefe, die ich während des Drohnenflugs wahrgenommen hatte.


Mein Ziel war nicht, die Landschaft künstlich dramatischer wirken zu lassen. Ich wollte ihr mehr Stabilität geben: weniger grelle Lichtbereiche, mehr Struktur und eine klarere Trennung zwischen Wasser, Felsen und Landschaft.
Schritt 01
Belichtung und grundlegende Anpassungen – Das Licht korrigieren
Der erste Schritt bestand darin, die Helligkeit der Aufnahme zu beruhigen. Dafür habe ich die Belichtung reduziert (−1,05), um die Szene wieder näher an die tatsächliche Abendstimmung heranzuführen. Die Lichter wurden stark abgesenkt (−100), damit die hellen Bereiche im Sand und im Wasser nicht länger unkontrolliert leuchten.

Die Wirkung dieses Schritts
Gleichzeitig habe ich die Tiefen deutlich angehoben (+78), um die Details in den dunkleren Felsformationen zu erhalten. Die Weißtöne (+35) sorgen dafür, dass das Bild trotz der reduzierten Belichtung lebendig bleibt. Durch das Absenken der Schwarztöne (−31) erhält die Aufnahme gleichzeitig eine stabilere Grundlage.
Wie bei vielen meiner Bearbeitungen habe ich Textur (−24) und Klarheit (−21) reduziert. Die Luft an der Küste sollte weich wirken und nicht durch einen zu starken Mikrokontrast unnötig hart erscheinen. Den Regler „Dunst entfernen“ habe ich unverändert bei 0 gelassen, da die Klarheit in diesem Bild über die Tonwerte entsteht und nicht durch künstlich verstärkten Kontrast.
Schritt 02
Gradationskurve – Den Blick durch die Landschaft führen
Die Gradationskurve folgt einer sanften S-Kurve. Die Mitteltöne werden leicht angehoben, damit die Klippen auch nach der reduzierten Belichtung gut erkennbar bleiben. Die Schatten behalten ihre Tiefe, besonders im Wasser und in den Felswänden. Gleichzeitig steigen die Lichter weich an, ohne zu dominant zu werden.

Die Wirkung dieses Schritts
Dadurch entsteht eine natürliche Blickführung vom Vordergrund über die Klippen und den Strand bis zur Landschaft im Hintergrund. Der Blick kann sich ohne harte Unterbrechungen durch das Bild bewegen.
Schritt 03
HSL-Anpassungen – Ruhe in die vielen Farben bringen
Die Algarve besitzt eine große Vielfalt an Farben: warme Felsen, grüne Vegetation, blaues Wasser und heller Schaum auf den Wellen. Ohne eine gezielte Abstimmung beginnen diese Farben schnell miteinander zu konkurrieren. Deshalb habe ich keine zusätzlichen Farben hinzugefügt, sondern die vorhandene Farbpalette vereinfacht.
Farbton
Die Algarve besitzt eine große Vielfalt an Farben: warme Felsen, grüne Vegetation, blaues Wasser und heller Schaum auf den Wellen. Ohne eine gezielte Abstimmung beginnen diese Farben schnell miteinander zu konkurrieren. Deshalb habe ich keine zusätzlichen Farben hinzugefügt, sondern die vorhandene Farbpalette vereinfacht.
Sättigung
Die Sättigung der Rottöne habe ich deutlich reduziert (−75), da sie vor allem im Boden und in kleinen Details auftauchten, die von der Gesamtwirkung ablenkten. Auch die Grüntöne wurden leicht entsättigt (−12), damit die Vegetation natürlich bleibt und nicht zu kräftig erscheint.
Luminanz
Die Aqua- und Blautöne habe ich ebenfalls etwas zurückgenommen (−11 beziehungsweise −12). Der Atlantik sollte tief und ruhig wirken und keine tropische Farbwirkung bekommen.
Zusätzlich helfen Anpassungen an der Helligkeit einzelner Farben dabei, die verschiedenen Bereiche der Landschaft voneinander zu trennen. Die Gelbtöne wurden aufgehellt (+28), sodass das Sonnenlicht auf den Klippen besser sichtbar wird. Auch die Blautöne habe ich leicht angehoben (+21), um mehr Struktur im Wasser zu erhalten.
Jede dieser Veränderungen ist für sich genommen sehr dezent. Zusammengenommen sorgen sie jedoch für eine ruhigere und harmonischere Farbpalette.
Schritt 04
Color Grading – Die Temperatur des Abends gestalten
Mit dem Color Grading habe ich die abschließende Stimmung der Aufnahme geformt. Die Schatten erhielten einen kühlen Blauton (Farbton 201 / Sättigung 10). Diese kühle Basis gleicht das warme Sonnenlicht aus und verhindert, dass das gesamte Bild zu orange wirkt.
Schatten
Mit dem Color Grading habe ich die abschließende Stimmung der Aufnahme geformt. Die Schatten erhielten einen kühlen Blauton (Farbton 201 / Sättigung 10). Diese kühle Basis gleicht das warme Sonnenlicht aus und verhindert, dass das gesamte Bild zu orange wirkt.
Mitteltöne
Die Mitteltöne habe ich leicht erwärmt (Farbton 33 / Sättigung 7). Da sich ein großer Teil der Klippen in diesem Tonwertbereich befindet, wird das goldene Licht sichtbar, ohne die Landschaft zu dominieren.
Lichter
Die Lichter erhielten ebenfalls einen warmen Farbton (Farbton 50 / Sättigung 9). Die Anpassung ist bewusst zurückhaltend und gerade stark genug, um das letzte Licht des Tages spürbar zu machen.
Das Zusammenspiel aus kühlen Schatten und warmen Lichtern sorgt für eine ausgewogene, leicht filmische Wirkung. Kein Farbton drängt sich in den Vordergrund und die Aufnahme behält ihre ruhige Atmosphäre.
Schritt 05
Das fertige Ergebnis
An dieser Bearbeitung gefällt mir besonders, dass sie die natürliche Kraft dieses Ortes respektiert. Die Algarve braucht keine künstliche Übertreibung, sondern vor allem eine ausgewogene Darstellung.
Durch die reduzierte Helligkeit, die vereinfachte Farbpalette und die gezielte Balance zwischen warmen und kühlen Farbtönen gewinnt die Landschaft an Tiefe und Ruhe. Die Höhe der Klippen, der Wind und das späte Sonnenlicht bleiben spürbar, ohne den Betrachter mit zu vielen visuellen Reizen zu überfordern.
Diese Bearbeitung ist ein gutes Beispiel für meine grundsätzliche Herangehensweise: Zuerst Kontrolle, dann Atmosphäre und zuletzt die Farben.
Die Entwicklung des Bildstils
Der Landschaft ihre natürliche Tiefe lassen
Bei meiner früheren Bearbeitung dieses Bildes lag der Fokus vor allem darauf, die Szene heller und etwas farbintensiver wirken zu lassen. Die Küste, die Klippen und das Meer wurden dadurch insgesamt gleichmäßiger ausgeleuchtet. Das Bild war klar und einfach zu erfassen.


Mit der Zeit erkannte ich jedoch, dass diese Herangehensweise einer Landschaft auch einen Teil ihrer natürlichen Tiefe nehmen kann.
In meiner aktuellen Bearbeitung lasse ich die Schatten in den Klippen und die dunkleren Tonwerte im Wasser bewusst stärker stehen. Dadurch entsteht eine klarere Trennung zwischen Licht und Schatten und die Größenverhältnisse der Landschaft werden besser spürbar.
Die Lichter der tief stehenden Sonne sind weiterhin vorhanden. Sie fallen jetzt jedoch stärker auf, weil die umliegenden Bereiche dunkler und näher an ihrer natürlichen Wirkung bleiben.
Für mich entspricht diese Version stärker der Stimmung, die ich vor Ort erlebt habe: warmes Licht auf den Klippen, während das Meer und die Täler dazwischen deutlich dunkler und zurückhaltender blieben.