Wochenreflexion #29/ KW 7 2026 – Wenn Größe plötzlich alles infrage stellt
Ein großer Moment in meiner Rolle als Führungskraft
Die vergangene Woche hatte einen dieser Momente, die man im ersten Augenblick einfach als beruflichen Erfolg verbucht – und erst später merkt, dass sie innerlich viel mehr auslösen.
Am Freitag habe ich vor den wichtigsten Stakeholdern unseres Unternehmens präsentiert. Es ging um ein großes Projekt, um Verantwortung, um Entscheidungen mit einem erheblichen finanziellen Rahmen. Ich stand vorne, habe durch die Inhalte geführt, argumentiert, eingeordnet und Fragen beantwortet. Währenddessen merkte ich, wie aufmerksam der Raum wurde. Die Diskussion war konstruktiv, die Rückmeldungen danach positiv, teilweise sehr wertschätzend. Es war deutlich zu spüren, dass Vertrauen da ist und dass mir zugetraut wird, solche Themen zu tragen.
Ich bin an diesem Tag mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen. Vielleicht sogar mit einer gewissen Form von Stolz, weil ich wusste, dass ich in genau dieser Rolle funktionieren kann.
Warum Erfolg plötzlich Zweifel auslösen kann
Am Abend, als es ruhiger wurde, veränderte sich die Perspektive.
Ich saß auf der Couch und dachte darüber nach, wie selbstverständlich ich mich inzwischen in einer Welt bewege, in der über Millionenbudgets gesprochen wird, in der strategische Entscheidungen vorbereitet werden und in der Worte Gewicht haben. Und fast automatisch begann ich, das mit meinem fotografischen Weg zu vergleichen – mit meiner Webseite, mit dem Kurs, mit Pinterest und mit der Idee, mir parallel etwas Eigenes aufzubauen.
Neben dieser beruflichen Größe wirkte das alles auf einmal sehr klein. Fast wie ein Nebenprojekt, vielleicht sogar wie eine zu idealistische Vorstellung. Für einen Moment kam der Zweifel, ob es realistisch ist zu glauben, dass daraus einmal mehr entstehen kann.
Es war kein dramatischer Gedanke, eher ein leiser, aber ehrlicher.
Hat der große Termin meine Richtung verändert?
Neu war diesmal, was danach passierte.
Ich habe nicht versucht, mich zu beruhigen oder den Zweifel sofort wegzuschieben. Stattdessen habe ich mir eine einfache Frage gestellt: Hat dieser Termin am Freitag irgendetwas an meiner Richtung verändert?
Die Antwort war klar: nein.
Er hat gezeigt, dass ich Verantwortung übernehmen kann. Dass ich vor wichtigen Menschen sprechen und komplexe Inhalte vermitteln kann. Aber er hat nichts daran geändert, was ich mir langfristig aufbauen möchte. Der Vergleich zwischen beiden Welten war schlicht unfair. Natürlich wirkt etwas klein, wenn man es neben Entscheidungen in Millionenhöhe stellt. Doch Größe entsteht nicht durch den Vergleich, sondern durch Konsequenz und Zeit.
Positionierung statt Rechtfertigung
Aus diesem Gedanken heraus entstand etwas Produktives.
Wenn mein eigenes Projekt im Vergleich klein wirkt, dann hilft es nicht, es größer zu reden. Was ich tun kann, ist, es klarer zu zeigen. Klarer in der Struktur, klarer in der Sprache, klarer in dem, wofür ich stehen möchte.
Ich habe deshalb begonnen, meine Webseite zu überarbeiten. Ich habe Themen reduziert, Bereiche neu sortiert und alles entfernt, was mehr erklärt als führt. Die entscheidenden Fragen waren plötzlich sehr einfach: Wer bin ich, wenn jemand zum ersten Mal hier landet? Und was soll diese Person innerhalb weniger Sekunden verstehen?
Was die Präsentation mit meiner Marke zu tun hat
Während ich daran arbeitete, fiel mir etwas auf, das ich fast schon amüsant fand.
Im Grunde hatte ich am Freitag in der Präsentation genau dasselbe getan. Ich habe nicht darüber gesprochen, dass ich kompetent bin. Ich habe nicht versucht, jemanden zu überzeugen. Ich habe meine Inhalte klar strukturiert präsentiert – und dadurch entstand der Respekt ganz von allein.
Zwei Tage später habe ich begonnen, diese Haltung auf meine eigene Marke zu übertragen. Weniger erklären, mehr zeigen. Weniger bemühen, mehr stehen lassen.
Warum ich nichts mehr beweisen muss
Vielleicht ist genau das der eigentliche Fortschritt dieser Woche.
Nicht der erfolgreiche Termin. Nicht das positive Feedback. Sondern die Erkenntnis, dass ich nichts mehr beweisen muss. Ich darf anfangen, meine Arbeit für sich sprechen zu lassen – so wie ich es in meinem beruflichen Umfeld längst tue.
Der Unterschied zu früher: Heute steht Substanz hinter den Bildern
Und noch etwas wurde mir bewusst: Wenn ich heute wieder Bilder veröffentliche, mag das oberflächlich betrachtet aussehen wie früher. Ein Fotograf, der Landschaften zeigt und unterwegs ist. Der Unterschied liegt inzwischen jedoch unter der Oberfläche. Hinter den Bildern stehen heute Struktur, Wissen, Erfahrung und eine wachsende Tiefe, die es vor einiger Zeit in dieser Form noch nicht gab.
Der Zweifel am Abend war deshalb kein Rückschritt. Er war der Hinweis, noch präziser zu werden.
Eine intensive Woche also. Ein großer beruflicher Moment – und daraus ist erneut Klarheit für meinen eigenen Weg entstanden. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.