Wochenreflexion #34/ KW 12 2026 – Wenn der Körper Signale sendet, bevor der Kopf sie versteht

Diese Woche hat sich in vielen Momenten wie ein Spiegel angefühlt – nicht nur für meinen Körper, sondern auch für die Art, wie ich mit mir selbst umgehe.

Alles begann eigentlich recht unscheinbar. Verklebte Augen am Morgen, eine gereizte Nase, dieses diffuse Gefühl, dass sich etwas anbahnt. Nichts Dramatisches, aber genug, um es nicht komplett zu ignorieren. Und gleichzeitig war da sofort dieser Impuls im Kopf: Was ist es eigentlich? Erkältung? Allergie? Habe ich mich angesteckt?

Ich habe gemerkt, wie schnell man versucht, eine klare Antwort zu finden. Eine Einordnung, die Sicherheit gibt. Aber genau das hat in diesem Moment nicht funktioniert – weil mein Körper keine eindeutige Antwort hatte.

Zwischen Erkältung, Allergie und Stress – warum nicht alles eindeutig ist

Je mehr Zeit verging, desto klarer wurde: Es lässt sich nicht sauber trennen.

Mal fühlte es sich besser an, dann wieder schlechter. Draußen war die Nase frei, im Raum plötzlich wieder gereizt. Ein leichtes Jucken, das eher für Allergie spricht – und dann wieder Phasen mit gelblichem Schleim, die eher nach Infekt klingen.

Rückblickend ergibt das Bild erst Sinn: Es war kein Entweder-oder, sondern ein Zusammenspiel. Und genau das hat es so schwer gemacht, es sofort zu verstehen.

Wie mentale Belastung sich körperlich bemerkbar macht

Gleichzeitig lief im Hintergrund ein intensiver Workshop, den ich moderiert habe. Den ganzen Tag präsent sein, strukturieren, führen, Energie geben. Und dazu ein Raum, der sich trocken und schwer angefühlt hat. Schon währenddessen habe ich gemerkt, dass etwas nicht ganz rund läuft. Die Nase war nicht klassisch verstopft, sondern eher angeschwollen. Die Augen wurden müde, gereizt. Dieses Gefühl, dass der Körper leise anfängt zu reagieren.

Und trotzdem lief der Tag weiter. Was sich diesmal aber verändert hat, war nicht die Situation – sondern meine Wahrnehmung davon.

Warum kleine Entscheidungen große Wirkung haben können

Ein Moment ist mir dabei besonders hängen geblieben. In den kurzen Pausen greifen viele automatisch zum Laptop, checken Mails, erledigen schnell noch etwas nebenbei. Genau das hätte ich früher auch gemacht. Diesmal habe ich bewusst entschieden, es nicht zu tun.

Nicht aus Disziplin, sondern weil ich gemerkt habe: Noch mehr Input würde mein System nur weiter kaputt machen und destabilisieren. Also habe ich es gelassen. Eine kleine Entscheidung – aber sie hat etwas verändert. Ich war plötzlich wirklich da, statt mich wieder aufzuteilen.

Was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr „liefern“ muss

Am nächsten Tag war ich dann Teilnehmer. Kein Moderieren, kein Führen, kein permanentes Mitdenken für andere. Und genau in diesem Kontrast habe ich gespürt, wie viel Energie diese Rolle am Vortag eigentlich kostet.

Ich habe zugehört, mich weniger eingebracht – und es war ruhig. Nicht, weil ich nichts zu sagen hatte, sondern weil ich nicht musste. Und genau in dieser Ruhe wurde mir klar, dass sich das „krank fühlen“ nicht nur körperlich erklären lässt.

Warum weniger Gewicht manchmal der bessere Reiz ist

Parallel dazu lief mein Training weiter. Am Trainingstag vor dem Workshop hatte ich bewusst weniger Gewicht genommen, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht bei 100 % bin. Früher hätte ich das ignoriert und versucht, trotzdem meine üblichen Gewichte zu bewegen. Diesmal habe ich mich dagegen entschieden. Und trotzdem kam der Muskelkater – deutlich stärker als erwartet. In den Beinen, im Po, im Rücken. Das hat mich kurz irritiert, weil es nicht zu meinem bisherigen Verständnis gepasst hat. Normal dachte ich, Muskelkater entsteht nur bei zusätzlichen Gewichten.

Aber genau da wurde etwas klar: Der Reiz entsteht nicht nur durch mehr Gewicht, sondern durch das, was im Körper tatsächlich ankommt. Und wenn der Körper geschwächt ist, werden andere Muskelfaszien trainiert als gewöhnlich.

Warum eine Woche Pause kein Rückschritt ist

Mit der Zeit wurde dann auch körperlich deutlicher, dass ein leichter Infekt dabei war. Gelblicher Schleim, unruhiger Schlaf, weniger Energie. Nichts Dramatisches, aber genug, um zu merken, dass der Körper arbeitet. Und auch hier habe ich anders reagiert als früher. Ich habe das Training pausiert. Eine Woche. Früher hätte sich das wie verlorene Zeit angefühlt. Jetzt fühlt es sich eher wie ein notwendiger Teil des Prozesses an, ich habe es direkt akzeptiert. Ich freue mich dadurch wieder aufs Training. Nicht aus Zwang, sondern weil ich merke, dass mein Körper bereit ist.

Wenn nicht die Arbeit, sondern die Reibung Energie kostet

Parallel dazu liefen im Job wieder Themen, die Energie ziehen. Diskussionen ohne echtes unternehmerisches Denken, Zahlen im Raum ohne Kontext und ohne kritisches Hinterfragen. Dabei habe ich gemerkt: Es ist oft nicht die Arbeit selbst, die anstrengend ist – sondern die Reibung die mit Kollegen entsteht aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen. Und auch hier verändert sich gerade etwas. Ich nehme es wahr, ich reagiere darauf – aber ich verliere mich nicht mehr komplett darin.

Zwischen Sicherheit und Veränderung – ein unangenehmer Zwischenraum

Trotzdem gibt es diese Gedanken. Dieses Gefühl, manchmal festzustecken. Zu wissen, dass ein Jobwechsel gerade nicht der richtige Schritt ist – und gleichzeitig zu spüren, dass da noch etwas anderes ist, wo ich hin will. Hin zu Fotografie, Kreativität und mehr Selbstbestimmung. Dieser Zwischenraum ist gerade nicht immer angenehm. Aber er gehört offenbar dazu.

Was passiert, wenn der Druck verschwindet und Kreativität zurückkommt

Ein besonderer Moment war der Anruf eines alten Freundes. Musiker. Er hat erzählt, dass er den Druck rausgenommen. Nicht mehr „erfolgreich sein müssen“, nicht mehr diesem Bild des Starmuskiers hinterherlaufen. Und plötzlich entstehen wieder Dinge. Als er mich fragte, ob ich Fotos für ihn machen möchte, hat sich das nicht wie ein Auftrag angefühlt – sondern wie eine Verbindung.

Warum Fortschritt nicht nur durch mehr Einsatz entsteht

Wenn ich diese Woche zusammenfasse, dann vielleicht so: Ich habe lange gedacht, Fortschritt entsteht durch mehr Einsatz. Mehr Disziplin. Mehr Durchziehen. Aber gerade wird wieder mal etwas anderes klar. Fortschritt entsteht oft dann, wenn man rechtzeitig loslässt.

Vom Kontrollieren zum Vertrauen

Ich habe diese Woche gelernt, früher hinzuhören. Klarer zu entscheiden. Und nicht alles auszureizen, nur weil ich es kann. Vielleicht ist genau das der nächste Schritt.Nicht mehr Kontrolle üben, sondern Vertrauen führen. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.

Weiter
Weiter

Wochenreflexion #33/ KW 11 2026 – Zwischen Corporate Karriere und eigener Vision