Wochenreflexion #50/ KW 28 2026 – der Körper zeigt dir seine grenzen
Eine Nachtfahrt, die länger nachwirkte als erwartet
Die Woche begann mit der Fahrt nach Holland und damit eigentlich schon unter Bedingungen, von denen ich wusste, dass sie meinem Körper nicht guttun würden. Ich stand gegen zwei Uhr nachts auf und fuhr anschließend bis ungefähr acht Uhr morgens. Um wach zu bleiben, trank ich zwei Red Bull und noch einen halben Espresso. Gleichzeitig nahm ich während der Fahrt viel zu wenig Wasser zu mir. In dem Moment ging es vor allem darum, sicher anzukommen und die Müdigkeit irgendwie zu überbrücken. Erst später wurde deutlich, wie stark diese Kombination aus Schlafmangel, Koffein, langem Sitzen und fehlender Flüssigkeit meinen gesamten Körper belastet hatte.
Schon während der Fahrt und in der Zeit danach meldete sich wieder der Bereich um meinen wurzelbehandelten Zahn. Es war kein völlig neuer Schmerz, sondern dieses bekannte Ziehen und Pochen, das bei mir immer wieder in Phasen auftaucht, in denen Stress, Verspannung und schlechte Erholung zusammenkommen. Gerade weil der Schmerz nicht konstant blieb, sondern sich durch Schlaf, Wasser, Essen und Entspannung beeinflussen ließ, hatte ich erneut den Eindruck, dass nicht nur der Zahn selbst eine Rolle spielte. Auch die Muskulatur im Nacken, in der Schulter und rund um den Kiefer war nach der Fahrt deutlich angespannt.
Besonders auffällig war, dass sich der Schmerz teilweise reduzierte, sobald ich meine Schulter massierte oder allgemein etwas zur Ruhe kam. Das zeigt mir noch einmal, wie eng die verschiedenen Bereiche bei mir offenbar miteinander verbunden sind. Die lange Haltung am Steuer, die Müdigkeit und das Koffein sorgten nicht nur dafür, dass ich mich erschöpft fühlte. Mein Körper blieb vermutlich über Stunden in einer angespannten Position, und genau diese Spannung setzte sich bis in den Kiefer fort.
Flüssigkeit ist nicht nur eine Zahl
Während der Fahrt hatte ich kaum getrunken. Erst später begann ich, den Flüssigkeitsmangel auszugleichen, aß etwas und nahm Magnesium und Zink. Danach wurde es langsam besser. Noch deutlicher war der Unterschied nach einer langen Nacht Schlaf. Nachdem ich ungefähr von 23 bis 8 Uhr geschlafen hatte, war der Schmerz nahezu verschwunden.
Das war erneut eine Erinnerung daran, dass mein Körper Belastungen zwar erstaunlich lange kompensieren kann, die Rechnung aber häufig erst etwas später stellt. Während der Fahrt funktioniert man noch, weil man funktionieren muss. Erst wenn man angekommen ist und die äußere Anspannung nachlässt, werden die Folgen spürbar. In diesem Fall waren es der Zahn, die Muskulatur, die allgemeine Erschöpfung und vermutlich auch das Gefühl, innerlich nicht richtig herunterfahren zu können. Ich habe außerdem gemerkt, dass es nicht ausreicht, erst dann viel zu trinken, wenn der Körper bereits deutlich im Defizit ist. Zwei Liter Wasser nach einer solchen Fahrt helfen natürlich, aber sie können die Stunden davor nicht vollständig ungeschehen machen. Gerade in Verbindung mit viel Koffein und wenig Schlaf wäre es sinnvoller gewesen, bereits unterwegs regelmäßig zu trinken und nicht nur zu versuchen, die Müdigkeit mit weiteren Stimulanzien zu überdecken. Das bedeutet nicht, dass ich auf solchen Fahrten nie wieder Koffein trinken darf. Zwei Red Bull und zusätzlich Espresso waren in dieser Situation aber offensichtlich zu viel, vor allem ohne ausreichendes Wasser. Mein Körper hat mir dafür ein ziemlich klares Signal gegeben.
Die Entscheidung gegen das perfekte Foto
In Holland hatte ich eigentlich die Möglichkeit, morgens sehr früh an den Strand von Groede zu fahren und dort zu fotografieren. Unter anderen Umständen wäre das genau die Art von Gelegenheit gewesen, bei der ich mich trotz Müdigkeit aus dem Bett gezwungen hätte. Das Licht am frühen Morgen, ein beinahe leerer Strand und die Chance auf besondere Bilder hätten früher wahrscheinlich ausgereicht, um den Wecker auf 5:30 Uhr zu stellen.
Dieses Mal entschied ich mich dagegen. Das war zunächst keine besonders befriedigende Entscheidung. Gerade wenn ich verreise, entsteht schnell das Gefühl, jede fotografische Gelegenheit nutzen zu müssen. Schließlich bin ich nicht ständig an solchen Orten, und niemand weiß, ob das Licht am nächsten Tag genauso sein wird. Gleichzeitig war meine Trainingsbereitschaft niedrig, der HRV-Trend entwickelte sich negativ, die Nachtfahrt steckte mir noch in den Knochen und auch die Beschwerden im Kiefer und in der Muskulatur zeigten, dass mein Körper bereits genug zu verarbeiten hatte. Die Entscheidung, liegen zu bleiben, war deshalb kein Zeichen mangelnder Motivation. Sie war eine Entscheidung gegen den alten Reflex, aus jeder Gelegenheit das Maximum herausholen zu müssen. Ein Sonnenaufgangsfoto wäre möglicherweise schön geworden. Wahrscheinlich hätte es mich körperlich aber noch weiter zurückgeworfen und den restlichen Aufenthalt stärker belastet. Vielleicht ist das eine Form von Fortschritt, die man auf keinem Foto und in keiner Statistik sieht. Nicht jede Möglichkeit zu nutzen, nur weil sie existiert, sondern zu erkennen, wann der Preis dafür zu hoch ist.
Was Garmin sichtbar machte
Auch die Werte meiner Garmin-Uhr bestätigten, dass die Belastung nicht nur ein subjektives Gefühl war. Die Trainingsbereitschaft lag während des Campings bei ungefähr 50, und der siebentägige HRV-Trend zeigte nach unten. Solche Werte sind kein medizinisches Urteil und sollten nicht jeden Tag darüber entscheiden, was ich tun darf. In dieser Woche passten sie aber sehr genau zu meinem eigenen Empfinden. Die Kombination aus Nachtfahrt, ungewohnter Schlafumgebung, Hitze, wenig Flüssigkeit und muskulärer Belastung hatte meinen Körper deutlich beansprucht. Früher hätte ich solche Signale vielleicht eher ignoriert und versucht, den Plan trotzdem durchzuziehen. Inzwischen beginne ich besser zu verstehen, dass Erholung selbst ein Bestandteil des Plans sein muss.
Interessant war auch, wie schnell sich die Situation wieder veränderte. Nach der Rückkehr, einer langen Nacht und etwas mehr Ruhe verbesserte sich mein Zustand deutlich. Die Beschwerden wurden geringer und auch mein allgemeines Körpergefühl stabilisierte sich wieder. Das zeigt, dass eine schlechte Phase nicht automatisch bedeutet, dass der gesamte Fortschritt verloren ist. Der Körper brauchte in diesem Moment keine weitere Belastung, sondern die Möglichkeit, die vorhandene erst einmal zu verarbeiten.
Der Körper reguliert vieles, aber nicht alles
Die Beschwerden am Zahn waren in dieser Woche ein gutes Beispiel dafür, wie stark Schlaf, Stress, Flüssigkeit und muskuläre Spannung mein Empfinden beeinflussen. Nach der Nachtfahrt war der Schmerz deutlich vorhanden. Nach ausreichend Schlaf verschwand er fast vollständig. Das macht verständlich, weshalb ich solche Beschwerden lange als etwas wahrgenommen habe, das hauptsächlich aus dem Kiefer, dem Nacken oder einer allgemeinen Überlastung entsteht.
Gleichzeitig sollte die Tatsache, dass sich ein Symptom herunterregulieren lässt, nicht automatisch bedeuten, dass die Ursache damit geklärt ist. Der Körper kann vieles kompensieren und Beschwerden über lange Zeit in einem erträglichen Rahmen halten. Genau darin liegt aber auch die Gefahr, Probleme immer wieder nur zu beruhigen, ohne sie genauer untersuchen zu lassen. Die Woche hat mir deshalb zwei scheinbar widersprüchliche Dinge gezeigt. Auf der einen Seite besitzt mein Körper eine erstaunliche Fähigkeit, sich zu erholen, sobald ich ihm Schlaf, Wasser und Ruhe gebe. Auf der anderen Seite darf ich nicht jedes wiederkehrende Signal ausschließlich mit Stress erklären, nur weil Stress den Schmerz verstärkt. Es geht nicht darum, bei jedem Ziehen sofort vom Schlimmsten auszugehen. Es geht eher darum, meinen Körper ernst zu nehmen, ohne mich von jedem einzelnen Symptom verunsichern zu lassen.
Weniger erzwingen, früher reagieren
Wenn ich auf KW28 zurückblicke, ging es weniger um eine einzelne große Erkenntnis als um mehrere kleine Situationen, die alle auf dasselbe Thema hinausliefen. Ich hatte versucht, Müdigkeit mit Koffein zu überdecken, obwohl mein Körper eigentlich Schlaf gebraucht hätte. Ich hatte zu wenig getrunken und musste den Mangel später mühsam ausgleichen. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, morgens für ein Foto erneut sehr früh aufzustehen, entschied mich aber erstmals bewusst dagegen. Und ich musste akzeptieren, dass Belastbarkeit nicht nur daraus entsteht, immer weiterzumachen, sondern genauso daraus, dem Körper rechtzeitig Zeit zur Erholung zu geben.
Vielleicht neige ich noch immer dazu, Fortschritt vor allem mit Aktivität zu verbinden. Mehr trainieren, mehr erleben, früher aufstehen, jede Gelegenheit nutzen. Diese Woche hat mir gezeigt, dass Fortschritt manchmal genau in der entgegengesetzten Entscheidung liegt. Nicht noch mehr Kaffee zu trinken. Nicht noch eine Belastung hineinzupressen. Nicht für jedes mögliche Foto aufzustehen. Nicht so lange zu warten, bis der Körper mich zu einer Pause zwingt. Das fühlt sich zunächst weniger ambitioniert an. In Wirklichkeit könnte es aber die Voraussetzung dafür sein, langfristig ambitioniert bleiben zu können.
Eine Woche, die nicht perfekt sein musste
KW28 war keine perfekte Woche und auch keine Reise, bei der ich jede fotografische Möglichkeit ausgeschöpft habe. Die Nachtfahrt brachte meinen Körper aus dem Gleichgewicht, die Werte meiner Uhr verschlechterten sich und der Zahn meldete sich erneut. Trotzdem war die Woche kein Rückschritt. Ich habe mich nach der Belastung wieder erholt. Ich habe eine fotografische Gelegenheit ausgelassen, ohne daraus einen grundsätzlichen Zweifel an meiner Motivation entstehen zu lassen. Vor allem habe ich besser verstanden, dass ein nachhaltiger Weg nicht daraus besteht, jede Woche und jede Gelegenheit maximal auszunutzen.
Vielleicht wird der Fortschritt in Zukunft weniger daran zu erkennen sein, dass ich immer mehr aushalte. Vielleicht zeigt er sich darin, dass ich früher bemerke, wann genug ist, und dadurch schneller wieder in meinen Rhythmus zurückfinde. Die wichtigste Erkenntnis dieser Woche lautet deshalb nicht, dass ich mich stärker zusammenreißen muss. Sie lautet, dass mein Körper längst mit mir kommuniziert und ich langsam lerne, ihm früher zuzuhören. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.
Was sich zunächst wie eine Reaktion auf Stress, Schlafmangel und Verspannung anfühlte, bekam plötzlich eine klare medizinische Ursache. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie Fortschritt trotz Unterbrechungen entsteht und warum Zweifel oft genau dann auftauchen, wenn ein Weg besonders langsam wirkt.