Lightroom Vorher-Nachher: Ein ruhiger Frühlingswald in Deutschland
RAW-Foto – Die fertige Lightroom-Bearbeitung findest du am Ende des Artikels.
Die Ausgangssituation
Manche Fotos sind laut: weite Landschaften, intensive Sonnenuntergänge oder dramatische Himmel.
Andere Bilder sind genau das Gegenteil.
Sie versuchen nicht, uns zu beeindrucken, sondern wirken einfach ruhig. Dieses Foto entstand bei einem Spaziergang durch einen Wald in der Nähe von Mannheim im frühen Frühling. Frische grüne Blätter, weiches Licht und ein schmaler Weg, der durch die Bäume führt. Aus der Luft betrachtet wirkt die Szene beinahe abstrakt. Man erkennt vor allem Formen, Strukturen und einen einzelnen Menschen in der Mitte des Bildes.
Als ich die RAW-Datei zum ersten Mal öffnete, war die Stimmung bereits vorhanden. Das Bild wirkte jedoch zu dunkel und flach. Der Wald verschluckte viele Details.
Mein Ziel bestand deshalb nicht darin, aus der Szene etwas Spektakuläres zu machen. Ich wollte lediglich sichtbar machen, was bereits vorhanden war.
Belichtung und grundlegende Anpassungen – Das Licht korrigieren
Grundlegende Anpassungen in Lightroom
Die ursprüngliche Aufnahme war deutlich unterbelichtet. Die meisten Schatten wirkten zu schwer, die Grüntöne etwas schlammig und der Weg verschwand beinahe vollständig in der Dunkelheit. Dadurch fühlte sich die Szene eingeengt an, als würde sich der Wald immer weiter schließen, anstatt sich zu öffnen.
Gerade bei einer Drohnenaufnahme ist das wichtig. Wenn die Schatten zu dunkel sind, geht die Struktur der Baumkronen verloren. Ohne diese Struktur fehlt dem Bild wiederum die räumliche Tiefe.
Wie immer beginne ich deshalb ausschließlich mit der Belichtung. Noch keine Farben und kein bestimmter Look – zunächst geht es nur um das Licht.
Ich habe die Aufnahme vorsichtig aufgehellt und die Tiefen angehoben, um wieder mehr Details in den Blättern und auf dem Waldboden sichtbar zu machen.
Grundlegende Anpassungen:
Belichtung: +1,30
Lichter: −90
Tiefen: +88
Weiß: +39
Schwarz: −38
Allein diese Veränderungen hatten bereits eine große Wirkung. Plötzlich wurden unterschiedliche Ebenen innerhalb der Bäume sichtbar. Der Weg trennte sich deutlicher vom Wald und die Szene begann, räumlicher zu wirken.
Zusätzlich habe ich den Mikrokontrast reduziert, um die weiche Stimmung zu erhalten:
Textur: −24
Klarheit: −21
Dunst entfernen: 0
Zu viel Klarheit hätte den Wald hart und überschärft erscheinen lassen. Das Licht eines Frühlingstages darf sich jedoch weich anfühlen und muss nicht aggressiv wirken.
Gradationskurve in Lightroom
Gradationskurve – Den Kontrast formen
Anstatt den allgemeinen Kontrastregler deutlich zu erhöhen, habe ich mit der Gradationskurve gearbeitet. Dafür nutzte ich eine sanfte S-Kurve mit leicht angehobenen Schatten, einem dezenten Kontrast in den Mitteltönen und kontrollierten Lichtern.
So erhält das Bild mehr Tiefe, ohne seine ruhige Atmosphäre zu verlieren. Für mich geht es bei diesem Schritt immer um die richtige Balance: genügend Kontrast, um die einzelnen Bereiche voneinander zu trennen, aber nicht so viel, dass das Bild unnötig dramatisch wirkt.
HSL-Anpassungen – Die Grüntöne gezielt steuern
Waldaufnahmen sind bei der Bearbeitung häufig etwas schwierig. Wenn man lediglich die Sättigung erhöht, wirken die Grüntöne sehr schnell grell und künstlich. Das Bild bekommt dann leicht einen übertriebenen HDR-Look – genau das Gegenteil von dem, was ich erreichen möchte.
Anstatt die Farben einfach zu verstärken, forme ich sie deshalb Schritt für Schritt und sehr bewusst.
Zunächst habe ich die Farbtöne nur leicht verändert. Die Grüntöne blieben weitgehend natürlich, während ich Blau etwas in Richtung Türkis verschoben habe (−13). Dadurch wirken vor allem die dunkleren Bereiche zwischen den Bäumen etwas kühler und tiefer. Eine kleine Anpassung der Rottöne (+9) erwärmt gleichzeitig die erdigen Farben des Weges und die Blätter, auf die das Licht fällt.
Anschließend habe ich die Sättigung sehr gezielt angepasst.
Statt die Grüntöne zu verstärken, reduzierte ich vor allem die kühleren Farbkanäle. Aqua (−77) und Blau (−29) habe ich deutlich entsättigt, damit in den Schatten kein verwaschener, digitaler Farbeindruck entsteht. Lila und Magenta wurden vollständig entfernt (jeweils −100), um die Farbpalette sauber zu halten.
Gleichzeitig durften die wärmeren Farbtöne etwas mehr Präsenz erhalten. Orange (+92) und Gelb (+52) bringen mehr Leben in die vom Licht getroffenen Blätter und den Waldboden. Dadurch wirkt der Wald weniger flach und einfarbig.
Zum Abschluss habe ich über die Helligkeit der einzelnen Farben mehr Tiefe geschaffen. Die Grüntöne wurden leicht abgedunkelt (−33), damit der Wald dichter wirkt. Die Blautöne habe ich dagegen aufgehellt (+57), um den Weg stärker von seiner Umgebung zu trennen. Eine höhere Helligkeit der Gelbtöne (+24) sorgt außerdem dafür, dass die helleren Bildbereiche weicher und offener erscheinen.
Jede dieser Veränderungen ist für sich genommen nur klein. Zusammengenommen verwandeln sie den Wald jedoch von einer einzigen grünen Fläche in eine Szene mit unterschiedlichen Ebenen und mehr Tiefe.
Das Bild wird dadurch nicht einfach nur heller, sondern vor allem klarer.
Color Grading – Eine dezente Farbstimmung
Ganz am Ende habe ich ein zurückhaltendes Color Grading ergänzt. Dabei ging es nicht um einen auffälligen Look, sondern lediglich um kleine Verschiebungen in der Farbstimmung.
Schatten: kühles Blau (Farbton 201 / Sättigung 11)
Mitteltöne: dezenter kühler Farbton (Farbton 199 / Sättigung 5)
Lichter: warmes Sonnenlicht (Farbton 56 / Sättigung 7)
So entsteht ein ruhiger Kontrast zwischen dem kühlen Wald und dem wärmeren Weg. Die Veränderung ist kaum bewusst wahrnehmbar, verleiht dem Bild aber mehr Leben und eine harmonischere Atmosphäre.
Das fertige Ergebnis
Nach der Bearbeitung wirkt das Bild heller, offener und weniger schwer, ohne seine Ruhe zu verlieren. Kein Element drängt sich unnötig in den Vordergrund.
Der Wald bildet einen natürlichen Rahmen, der Weg führt als klare Linie durch das Bild und die Person dient als kleiner visueller Ankerpunkt.
Genau solche Aufnahmen mag ich besonders. Sie müssen weder dramatisch noch perfekt sein. Entscheidend ist für mich, dass sie sich ehrlich und ruhig anfühlen.
Bei der Bildbearbeitung geht es deshalb nicht immer darum, etwas hinzuzufügen. Manchmal reicht es, einem Foto etwas von seiner Schwere zu nehmen, damit es wieder atmen kann.
Weitere Vorher-Nachher-Artikel mit detaillierten Bearbeitungsschritten findest du hier.
Eine ruhigere Interpretation von Farbe und Licht
Als ich dieses Bild ursprünglich bearbeitet habe, lag mein Fokus vor allem darauf, die kräftigen Grüntöne des Waldes herauszuarbeiten. Die Blätter und Pflanzen erhielten mehr Sättigung und der Weg wurde heller. Dadurch wirkte die Aufnahme frisch und fiel visuell stärker auf.
Mit der Zeit hat sich mein Bearbeitungsstil jedoch verändert.
In meiner aktuellen Version dürfen die dunkleren Tonwerte des Waldes tiefer bleiben. Gleichzeitig habe ich die Intensität der Grüntöne etwas reduziert. Dadurch entsteht eine natürlichere Balance zwischen dem Weg, der Vegetation und der Person innerhalb der Szene.
Die dunkleren Bereiche lenken den Blick außerdem gezielter in die Mitte des Bildes. Der Weg wird zu einer stärkeren visuellen Linie durch den Wald, während die umliegenden Bäume ruhiger wirken und weniger um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Anstatt die leuchtenden Farben hervorzuheben, konzentriere ich mich heute stärker auf Atmosphäre und Tiefe. Aus meiner Sicht entspricht diese Interpretation der ruhigen Stimmung des Waldes wesentlich besser als meine frühere Bearbeitung.
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Wenn Fotografen über Atmosphäre sprechen, geht es häufig zuerst um Farben: warme Sonnenuntergänge, filmische Farbtöne und ein dramatisches Color Grading, das einem Bild Stimmung und Emotion verleihen soll. Trotzdem wirken einige der atmosphärischsten Fotos bereits besonders, bevor überhaupt eine Bearbeitung stattgefunden hat.
In diesem Artikel beschäftige ich mich mit der Frage, warum Atmosphäre häufig mit dem Licht beginnt, wie die Bildbearbeitung sie gezielt verstärken kann und weshalb das Verständnis für dieses Zusammenspiel meine Art zu fotografieren und meine Bilder zu bearbeiten grundlegend verändert hat.