Lightroom Vorher-Nachher: Natürliches Porträt im weichen Dünenlicht
Lightroom · Vorher und Nachher
Lightroom Vorher-Nachher: Natürliches Porträt im weichen Dünenlicht
Dieses Porträt entstand in den Dünen unter einem bewölkten Himmel. Das weiche, diffuse Licht war ideal für natürliche Hauttöne und sorgte für eine angenehme Stimmung. Die RAW-Datei wirkte jedoch etwas flach. Der helle Himmel zog viel Aufmerksamkeit auf sich, die Jacke hob sich kaum vom Hintergrund ab und insgesamt fehlte eine klare Trennung der Tonwerte. Technisch war das Bild völlig in Ordnung. Dennoch fehlte ihm Struktur.
Der direkte Vergleich
Vom RAW zum fertigen Bild.
Das Ziel dieser Bearbeitung war deshalb nicht, mehr Dramatik zu erzeugen. Es ging vielmehr darum, eine klare Bildhierarchie zu schaffen.


Das Originalfoto war ausgewogen belichtet, allerdings bewegten sich nahezu alle Bildbereiche auf einem ähnlichen Helligkeitsniveau. Die Dünen, der Himmel und die Jacke hatten ein vergleichbares Tonwertgewicht. Das sorgt zwar für einen weichen Gesamteindruck, lässt das Bild aber gleichzeitig etwas eintönig wirken.
Das Motiv war zwar deutlich zu erkennen, stand jedoch nicht klar genug im Mittelpunkt.
Die Bearbeitung sollte deshalb mehr Trennung zwischen den einzelnen Bildbereichen schaffen, ohne die ruhige und natürliche Atmosphäre der Szene zu verlieren.
Schritt 01
Belichtung – Das Licht neu ausbalancieren
Zunächst habe ich die Belichtung leicht reduziert (–0,20) und die Lichter deutlich abgesenkt (–99). Dadurch erhielt der bewölkte Himmel sofort wieder mehr Struktur und lenkte nicht länger zu viel Aufmerksamkeit auf sich.

Die Wirkung dieses Schritts
Gleichzeitig habe ich die Tiefen angehoben (+53) und die Weißtöne erhöht (+57). Diese Kombination sorgt dafür, dass der Sand offener wirkt und das Gesicht dezent aufgehellt wird, während die dunkleren Bildbereiche ihre Tiefe behalten.
Die Schwarztöne habe ich nur minimal angepasst (–6). Mir ging es nicht darum, starken Kontrast zu erzeugen, sondern dem Bild eine natürliche Grundlage zu geben.
Das Ergebnis wirkt deutlich strukturierter und räumlicher, ohne die weiche Lichtstimmung der Aufnahme zu verlieren.
Schritt 02
Gradationskurve – Kontrast gezielt formen
Die Gradationskurve folgt einer sanften S-Kurve. Die Schatten werden leicht verankert, die Mitteltöne behutsam angehoben und die Lichter bleiben bewusst kontrolliert.

Die Wirkung dieses Schritts
Dadurch gewinnt die Jacke an Struktur und auch die Dünen erhalten etwas mehr Definition. Gleichzeitig bleiben die Übergänge in der Haut und im Himmel angenehm weich.
So entsteht Kontrast, ohne dass er sich in den Vordergrund drängt. Genau diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass das Bild natürlich und ruhig wirkt.
Schritt 03
HSL – Farben bewusst steuern
Die Farbanpassungen spielen bei diesem Bild eine entscheidende Rolle. Die Sättigung der Grün- (–34) und Gelbtöne (–39) habe ich reduziert, damit die Dünen ruhiger wirken und nicht mit dem Motiv konkurrieren. Die Aquatöne wurden sogar vollständig entsättigt (–100), um störende kühle Farbstiche zu entfernen.
Farbton
Die Farbanpassungen spielen bei diesem Bild eine entscheidende Rolle. Die Sättigung der Grün- (–34) und Gelbtöne (–39) habe ich reduziert, damit die Dünen ruhiger wirken und nicht mit dem Motiv konkurrieren. Die Aquatöne wurden sogar vollständig entsättigt (–100), um störende kühle Farbstiche zu entfernen.
Luminanz
Die Blautöne habe ich dagegen leicht verstärkt (+33). Dadurch erhält der Himmel etwas mehr Präsenz und wirkt klarer, ohne unnatürlich zu erscheinen.
Luminanz
Für die Hauttöne habe ich die Helligkeit der Orangetöne angehoben (+25) und die Rottöne minimal abgedunkelt (–6). Das lässt das Gesicht dezent heller erscheinen und sorgt gleichzeitig für einen natürlichen Hautton.
Insgesamt wirkt die Farbpalette dadurch deutlich harmonischer und bewusster abgestimmt.
Im letzten Schritt habe ich die Helligkeit einzelner Farbbereiche angepasst. Die Blautöne wurden abgedunkelt (–33), wodurch der Himmel mehr Tiefe erhält. Gleichzeitig habe ich die Helligkeit der Grüntöne reduziert (–22), damit die Dünen eine stärkere Basis bilden und nicht zu hell wirken.
Die erhöhte Helligkeit der Orangetöne sorgt gleichzeitig dafür, dass das Motiv optisch etwas weiter nach vorne rückt.
So entsteht eine klare Trennung zwischen Person und Hintergrund – ganz ohne künstliche Masken oder übertriebene Effekte.
Schritt 04
Color Grading – Warme und kühle Farbtöne in Balance bringen
Zum Abschluss habe ich das Bild mit einem sehr dezenten Color Grading abgerundet. Die Schatten erhielten einen kühlen Farbton (Farbton 201 / Sättigung 11), während die Mitteltöne leicht erwärmt wurden (Farbton 36 / Sättigung 7). Die Lichter bekamen ebenfalls einen Hauch kühler Farbe (Farbton 201 / Sättigung 8), allerdings so zurückhaltend, dass der Effekt kaum bewusst wahrgenommen wird.
Schatten
Zum Abschluss habe ich das Bild mit einem sehr dezenten Color Grading abgerundet. Die Schatten erhielten einen kühlen Farbton (Farbton 201 / Sättigung 11), während die Mitteltöne leicht erwärmt wurden (Farbton 36 / Sättigung 7). Die Lichter bekamen ebenfalls einen Hauch kühler Farbe (Farbton 201 / Sättigung 8), allerdings so zurückhaltend, dass der Effekt kaum bewusst wahrgenommen wird.
Mitteltöne
Durch dieses Zusammenspiel warmer und kühler Farbtöne entsteht eine natürliche Balance zwischen Jacke, Himmel und Haut. Das Bild wirkt harmonischer und stimmungsvoller, ohne einen künstlichen Look zu bekommen. Die ruhige Atmosphäre der Aufnahme bleibt vollständig erhalten.
Lichter
Schritt 05
Das fertige Ergebnis – Klarheit statt Überbearbeitung
Vor der Bearbeitung war das Porträt gleichmäßig ausgeleuchtet, wirkte insgesamt jedoch etwas flach. Nach der Bearbeitung hebt sich das Motiv deutlich besser vom Hintergrund ab. Der Himmel zeigt wieder mehr Struktur, die Dünen wirken ruhiger und treten optisch etwas in den Hintergrund.
Dabei wurde nichts künstlich dramatisiert. Die Bearbeitung schafft lediglich mehr Trennung zwischen den einzelnen Bildelementen und lenkt den Blick gezielt auf das Wesentliche.
Weiches Licht verleitet oft dazu, den Kontrast stark zu erhöhen oder ein intensives Color Grading einzusetzen. Genau dadurch geht jedoch häufig die ruhige Stimmung verloren, die solche Aufnahmen eigentlich auszeichnet.
Mein Ansatz ist deshalb ein anderer: Bevor ich Kontrast hinzufüge, reduziere ich zunächst alles, was unnötig vom Motiv ablenkt. Erst danach arbeite ich Schritt für Schritt mehr Struktur heraus – über Licht, Tonwerte und eine bewusste Farbgestaltung.
Genau diesen Ansatz vermittle ich auch in meinem Lightroom-Kurs. Es geht nicht darum, Bilder spektakulärer wirken zu lassen, sondern ihre eigentliche Wirkung gezielt herauszuarbeiten.
Für mich bedeutet Framed Freedom, einem Bild Struktur zu geben, ohne dabei seine Atmosphäre zu verlieren.
Die Entwicklung des Bildstils
Eine natürlichere Balance aus Licht und Schatten
Als ich dieses Bild ursprünglich bearbeitet habe, lag mein Fokus vor allem darauf, die Szene insgesamt etwas heller wirken zu lassen und mehr Details im Sand und im Himmel sichtbar zu machen. Dadurch entstand ein offenes, freundliches Porträt mit einer insgesamt helleren Bildwirkung.


Wenn ich das Foto heute erneut bearbeite, gehe ich etwas anders vor.
In der aktuellen Version dürfen die dunkleren Tonwerte im Himmel und in der Landschaft bewusst erhalten bleiben. Dadurch entsteht eine stärkere Trennung zwischen dem Motiv und seiner Umgebung, während das Licht im Gesicht weiterhin weich und natürlich wirkt.
Auch die Farben sind etwas zurückhaltender. Das lässt das Porträt ruhiger und weniger bearbeitet erscheinen. Anstatt die gesamte Szene aufzuhellen, vertraut die Bearbeitung stärker auf das natürliche Zusammenspiel von Licht und Schatten.
Für mich kommt diese Version der Stimmung vor Ort näher. Der Himmel war an diesem Tag deutlich dunkler und das Licht wesentlich weicher, als es meine ursprüngliche Bearbeitung vermittelt hat.