Wochenreflexion #23/ KW 1 2026 – Wenn sich Identität, Rhythmus und Arbeit neu sortieren

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meine erste Wochenreflexion 2026

Diese erste Kalenderwoche des neuen Jahres fühlt sich nicht wie ein klassischer Neustart an. Eher wie ein Zusammenlaufen vieler Fäden, die sich über Wochen – vielleicht sogar Monate – aufgebaut haben.

Auch wenn dieser gedankliche Prozess bereits Ende des letzten Jahres begonnen hat, gehört er genau hierher. In diese Woche. Nicht, weil etwas völlig Neues entstanden ist, sondern weil sich vieles gesetzt hat. Es war eine Woche, in der äußerlich gar nicht so viel passiert ist – und innerlich sehr viel.

Kein Neuanfang, sondern ein Ankommen

Zwischen den Jahren habe ich gemerkt, dass ich keinen harten Schnitt brauche. Kein „ab jetzt wird alles anders“. Was ich gerade erlebe, fühlt sich eher an wie ein Einrasten. Als würde etwas, das lange lose war, seinen Platz finden. Ich beginne zu verstehen, dass mein Weg nicht darin liegt, Dinge immer weiter zu beschleunigen – weder im Sport, noch in der Fotografie, noch im Aufbau meiner Sichtbarkeit. Sondern darin, stimmig zu werden. Und Stimmigkeit braucht Zeit.

Sichtbarkeit, Systeme und das Loslassen von Kontrolle

Ein zentrales Thema dieser Woche war erneut die Frage der Sichtbarkeit: Blog, Pinterest, Google, Indexierung, Reichweite. Alles Dinge, die messbar sind – und die lange Zeit auch stark mit meinem inneren Sicherheitsgefühl verknüpft waren. In den letzten Monaten habe ich viel aufgebaut: Inhalte geschrieben, Vorher-Nachher-Artikel  für meinen Bearbeitungskurs veröffentlicht, meine Seite strukturiert und technisch sauber aufgestellt. Die Indexierung ist deutlich gestiegen, Pinterest beginnt zeitversetzt zu reagieren. Erste Peaks, erste Bewegungen. Und trotzdem – oder gerade deshalb – wurde mir klar: Kontrolle gibt mir keine Sicherheit mehr.

Im Urlaub habe ich Analytics regelmäßig geprüft. Nicht zwanghaft, eher neugierig. Mit dieser leisen Hoffnung: Greift es jetzt endlich?
Jetzt, mit dem Wiedereinstieg in den Alltag, merke ich sehr deutlich: Ich brauche einen anderen Umgang damit.

Ab dieser Woche prüfe ich Analytics bewusst nur noch einmal pro Woche. Nicht als Verzicht, sondern als Entscheidung. Systeme wirken genau dann, wenn man ihnen Raum lässt. Das zu akzeptieren ist für mich ein wichtiger Schritt.

Kontrolle, Aktionismus und das bewusste Nicht-Tun

Mir ist in dieser Woche noch etwas sehr Konkretes klar geworden. Loslassen zeigt sich nicht nur darin, weniger zu kontrollieren – sondern vor allem darin, bestimmte Dinge bewusst nicht zu tun, obwohl man sie tun könnte. Und genau deswegen ist Kontrolle nicht immer gleich Sicherheit.

Früher hätte ein innerer Impuls schnell so ausgesehen: Wenn ich unsicher bin, muss ich etwas nachschieben. Etwas leisten. Mehr Inhalte, mehr Seiten, mehr Aktivität – einfach, um das Gefühl zu haben, wieder Einfluss zu nehmen. Heute merke ich, dass genau das nicht mehr passiert.
Nicht, weil ich es mir verbiete, sondern weil es sich nicht mehr stimmig anfühlt.

Ich baue nicht plötzlich hundert neue Webseiten, nur um das System anzuschieben. Ich produziere keine YouTube Shorts auf Teufel komm raus, nur um Followerzahlen zu erhöhen. Ich verändere meine Arbeit nicht, nur um schneller messbare Ergebnisse zu sehen. Nicht, weil diese Dinge per se falsch wären – sondern weil sie in meinem Fall nicht aus Klarheit entstehen würden, sondern aus einem Bedürfnis nach kurzfristiger Beruhigung. Diese Erkenntnis war für mich wichtig: Kontrolle kann Information liefern, aber sie erzeugt keine echte Sicherheit.
Sicherheit entsteht für mich gerade dort, wo ich meinem System vertraue, auch wenn ich es nicht permanent antreibe.

Videoarbeit als Spiegel meiner Haltung

Parallel dazu hat diese Woche meine Arbeit im Bereich Video eine zentrale Rolle gespielt. Ich habe zwei Videos für das Hotel Bad Fallenbach fertiggestellt – und damit nicht nur ein Projekt abgeschlossen, sondern eine innere Frage geklärt: Was ist Video für mich eigentlich?

Das erste Video ist ein ruhiger Weihnachtsfilm. Kerzenlicht, Klaviermusik, Wärme, Stille. Keine Effekte, keine erklärenden Texte. Einfach Atmosphäre. Das zweite Video zeigt einen Wintertag im Hotel: Ankommen, Ausflug, Spa und Sauna, Abendessen. Etwas mehr Rhythmus, gezielt eingesetzte Soundeffekte, vereinzelt Cross Dissolves, um Übergänge weicher zu machen.

Beide Videos sind bewusst nicht für Social Media gebaut. Sie sollen nicht performen. Sie sollen eine einfache Frage beantworten: Wie fühlt es sich dort an?

Beim Schneiden habe ich gemerkt, wie intensiv dieser Prozess ist. Nicht stressig – aber mental sehr offen. Entscheidungen über Rhythmus, Übergänge, Stille, Musik. Insgesamt habe ich etwa acht bis neun Stunden investiert. In diesem Moment wurde mir klar: Video ist kein Nebenprodukt. Es ist konzentrierte Arbeit – und hat eine eigene Wertigkeit. Beim nächsten Projekt wird Video nicht mehr „mitlaufen“, sondern bewusst angeboten – und bezahlt.

Was „cinematic“ für mich bedeutet

In diesem Zusammenhang kam immer wieder der Begriff cinematic auf. Ein Begriff den man in der Foto-und Videografie oft liest. Und ich musste ihn für mich neu definieren. Cinematic bedeutet für mich nicht Effekte, LUTs oder epische Dramaturgie. Cinematic bedeutet, Zeit ernst zu nehmen.

Bilder dürfen atmen. Übergänge dürfen ruhig sein. Stille darf Teil der Geschichte sein. Atmosphäre steht über Aktion. Ein cinematic Video erklärt nicht – es lässt Raum. Es vertraut darauf, dass Wahrnehmung entsteht, ohne geführt zu werden. Cinematic heißt nicht beeindrucken. Cinematic heißt, Raum, Zeit und Stimmung ernst zu nehmen.

YouTube Shorts und die Akzeptanz von Realität

Die Videos habe ich testweise als YouTube Shorts veröffentlicht. Sie performen kaum. Und das ist in Ordnung. Short-Formate belohnen Erklärungen, VoiceOver, klare Hooks. Meine Hotelvideos sind bewusst still. Das hat mir geholfen, klar zu trennen: Hotel- und Ortsvideos sind Referenz. Eigene Videos dürfen Sprache tragen und damit erfolgreicher auf Plattformen sein. Nicht jedes Video braucht meine Stimme.
Aber meine Stimme und was ich ausdrücken will braucht ihre eigenen Videos.

Körper, Training und das Loslassen von Zahlen

In der Woche war ich das erste Mal im Fitnessstudio seit vier Wochen. Dazwischen lagen Krankheit und ein intensiver Hotelauftrag. Ich habe sauber trainiert – und danach meinem Körper etwas erlaubt, das früher schwergefallen wäre: Zeit. 6 Tage Pause. Wahrscheinlich eine ganze Woche, bevor ich wieder einsteige. Vor einem Monat hätte ich gedacht, es müsse noch eine Einheit her, um die Fitnesswerte auf der Uhr in den Trainingsoptimalen Bereich zu bringen. Diese Erkenntnis, meinem Körper mehr Bedeutung zu geben als einer Zahl, ist riesig für mich. Pausen nicht mehr als Stillstand zu sehen, sondern als Teil von Wachstum, fühlt sich wie ein Wendepunkt an.

Vollmond, Neumond und mein energetischer Rhythmus

Rückblickend habe ich festgestellt, dass Phasen innerer Unruhe oder Schlappheit sehr oft mit dem Vollmond zusammenfielen. Beim Neumond hingegen fühle ich mich meist klarer, fokussierter, energiegeladener. Die Wirkung ist nicht für alle gleich.
Menschen, die ihre Energie stark aus Aktivität, Interaktion und Kommunikation beziehen, erleben den Vollmond oft als aktivierend statt erschöpfend.
Menschen, die sensibler wahrnehmen und Energie aus Struktur und Ruhe ziehen, erleben ihn eher als Überstimulation – und den Neumond als sammelnd.

Heute, am fünften Januar, nimmt der Vollmond bereits wieder ab. Ich spüre, wie meine Energie zurückkehrt. In Neumond-Phasen darf ich aufbauen und entscheiden. In Vollmond-Phasen nehme ich Intensität heraus. Nicht aus Esoterik. Sondern aus Selbstkenntnis.

Identität statt Dauerdruck

Vielleicht ist das der Kern dieser Woche. Ich beginne, meine Identität neu zu bauen – weg von Zahlen, Messwerten und Beweisen, hin zu Rhythmus, Pausen und Vertrauen. Im Sport gelingt mir das bereits besser. In der Fotografie darf ich es jetzt nachhaltig verankern. Diese Woche war kein Startschuss. Sie war ein Ankommen und innere Ordnung. Vielleicht war genau das das fehlende Puzzlestück. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.

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Lightroom Editing: Before and After - indoor hotel scene

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Wochenreflexion #22/ KW 52 – Warum sich Fotografieren plötzlich leicht angefühlt hat