Wochenreflexion #22/ KW 52 – Warum sich Fotografieren plötzlich leicht angefühlt hat
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Wenn der Druck verschwindet, bleibt der Blick
Diese Woche war ich im Passeiertal im Hotel Bad Fallenbach und das war mehr als ein Aufenthalt. Die Woche war eine Art Spiegel. Nicht nur dafür, was ich fotografiere – sondern wie und warum.
Ich habe die Kamera einfach immer dabei gehabt. Ohne festen Plan. Ohne Shotlist. Ohne das Gefühl, etwas produzieren zu müssen. Ich habe fotografiert, was ich gesehen habe – in den Momenten, in denen es da war. Und das Erstaunliche: Es fühlte sich leicht an. Ruhig. Selbstverständlich.
Ein Unterschied zu letztem Jahr
Letztes Jahr waren wir im gleichen Hotel für einen Auftrag im Herbst. Ich war zu dem Zeitpunkt zwar schon ein oder zwei Monate raus aus Instagram, aber innerlich war ich es noch nicht. Da war immer noch dieses Gefühl:
Du musst jetzt etwas Besonderes machen.
Etwas, das auffällt.
Etwas, das zeigt, dass du es kannst.
Dieses Gefühl war dieses Mal nicht mehr da. Ich habe keine „Banger“ gesucht. Ich habe keine Bilder forciert. Ich habe nicht überlegt, was gut ankommen könnte. Ich habe einfach beobachtet. Und genau das hat etwas verändert.
Bilder, die nicht laut sind – aber tragen
Im Laufe der Woche ist mir immer klarer geworden, welche Bilder eigentlich meine sind. Es sind nicht die perfekten Inszenierungen. Nicht die Bilder mit Models, die etwas darstellen. Nicht die Aufnahmen, die auf Teufel komm raus zeigen wollen, wie toll etwas ist.
Meine Bilder funktionieren dann am besten, wenn der Ort selbst einfach wirken kann, Menschen höchstens gelegentlich auftauchen und Licht, Schatten und Raum wichtiger sind als Handlung. Leere Räume, Übergänge, Details aus der Natur, Eis, Wasser, Holz – all das sind keine „Füllbilder“. Sie sind Pausen. Atemzüge. Verbindungselemente. Ich erzähle keine Geschichten über Menschen. Ich erzähle Geschichten über Orte – und darüber, wie sie wirken. Ob das jetzt Hotels oder Städte sind spielt keine Rolle.
Warum mich manche Wellnesshotels nicht abholen
Ein spannender Gedanke in dieser Woche war auch: Warum sich manche Wellnesshotels für mich richtig anfühlen – und andere überhaupt nicht. Ich recherchierte nach alternativen Hotels in der Gegend, einfach mal um zu sehen, was die so haben. Und wenn man sich die Seiten genauer anschaut, stellt man fest, dass manche subtil einen anderen Stil verfolgen und für eine andere Haltung stehen.
Es liegt nicht an der Qualität. Nicht an der Größe der Bilder. Nicht einmal an der Fotografie, sondern echt nur an der Haltung. Häuser, die stark mit Models arbeiten, mit Programmen, mit perfekten Szenen, erzählen eine andere Geschichte:
Schau, was du hier alles erleben kannst.
Orte wie Bad Fallenbach erzählen etwas anderes:
Komm an. Lass los. Sei da.
Und ich habe gemerkt: Nur Letzteres passt wirklich zu mir – als Fotograf und als Mensch.
Bearbeitung: Ruhe ja – Leblosigkeit nein
Auch mein Bearbeitungsstil war diese Woche immer wieder Thema. Ich frage mich öfters, ob mein Bearbeitungsstil besonders ist oder vielleicht sogar zu bunt ist. Doch mich ziehen auch viele andere Bilder von Fotografen an, die mehr mit Entsättigung arbeiten. Ich mag Entsättigung. Ich mag Zurückhaltung. Ich mag ruhige Farben. Aber beim Anschauen der Bilder habe ich eben auch gemerkt:
Zu viel Reduktion nimmt den Bildern manchmal die Atmung und erzeugt ein schwereres Gefühl. Es geht für mich nicht darum, Farbe wegzunehmen, sondern sie gezielt einzusetzen. Nicht alles grau machen – sondern Raum für Stimmung schaffen, auch wenn es gräulicher vielleicht cooler aussieht.
Abends bearbeiten – und warum das Druck genommen hat
Während des Aufenthalts habe ich jeden Abend 30–45 Minuten im Zimmer gesessen und die Bilder bearbeitet. Am Anfang war ich skeptisch, ob mir das den Aufenthalt kaputtmacht, da es zu viel Arbeit vor Ort ist. Das Gegenteil war der Fall.
Es hat mir Ruhe gegeben. Ich wusste immer, was ich schon habe, wie sich alles zusammenfügt, dass ich auf Kurs bin. Ich musste nichts im Kopf mit mir herumschleppen. Kein Rechnen. Kein Hoffen. Kein inneres Antreiben. Und am Ende habe ich das vereinbarte Ziel nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen.
Eine klare Erkenntnis
Diese Woche hat mir sehr deutlich gezeigt:
Ich möchte als Fotograf arbeiten.
Nicht als jemand, der ständig liefert. Nicht als jemand, der sich beweisen muss. Sondern als jemand, der präsent ist, sieht, beobachtet und gestaltet. Es hat sich nicht wie Arbeit angefühlt. Es hat sich angefühlt wie im Element sein und es ist mein Traum, diesem Element täglich nachzugehen.
Und ja: Es darf bezahlt sein
So ehrlich muss ich auch sein: Der Gegenwert dieses Aufenthalts war hoch. Sechs Nächte in einer Suite mit All-Inclusive, kurz vor Weihnachten, inklusive der Feiertage. Und auch wenn sich alles stimmig angefühlt hat, nehme ich aus dieser Woche eine klare Entscheidung mit:
In Zukunft möchte ich für solche Projekte bezahlt werden und keine Tauschdeals.
Nebenbei geht der andere Weg weiter
Währenddessen läuft auch der Aufbau im Hintergrund weiter: Google indexiert meine Seiten, Schritt für Schritt. Sichtbar ist davon noch nicht viel. Aber es bewegt sich etwas.
Und vielleicht passt genau das gerade gut zu allem anderen: ruhig, leise, nachhaltig.
Fazit dieser Woche
Weniger Druck hat meinen Blick geschärft. Weniger Erwartung hat bessere Bilder entstehen lassen. Und das, was sich leicht angefühlt hat, war vielleicht genau das, was ich ernst nehmen sollte. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.