Wochenreflexion #26/ KW 4 2026 – RHYTHMUS, LOSLASSEN UND INNERE KLARHEIT

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Die vergangene Woche war nach außen betrachtet ruhig. Es gab keine großen Ankündigungen, keine neuen Projekte, kein sichtbares Vorankommen im klassischen Sinn. Und genau das hat sie so wertvoll gemacht. Sie war geprägt von innerer Bewegung, von Sortieren, Loslassen und dem bewussten Zulassen von Pausen. Ich hatte mehrere Tage im Homeoffice, weniger äußere Reize, weniger Termine, mehr Raum. Dieser Raum hat mir erlaubt, wieder stärker bei mir anzukommen – körperlich, kreativ und mental.

Immer deutlicher wird mir, dass Entwicklung für mich inzwischen weniger mit Intensität zu tun hat, sondern mit Rhythmus. Mit dem richtigen Maß. Und mit dem Vertrauen, dass nicht jede Woche laut sein muss, um wirksam zu sein.

Der innere Widerstand gegen Pausen

Eine der klarsten Erkenntnisse dieser Woche kam – wie so oft – über den Sport. Nach mehreren intensiveren Krafttrainingseinheiten mit viel Gewichtserhöhungen hatte ich mir vorgenommen, bewusst eine regenerative Einheit einzulegen. Nur Crosstrainer, kein Krafttraining, keine zusätzlichen Gewichte. Schon in dem Moment, in dem diese Entscheidung gefallen ist, hat sich ein alter Gedanke gemeldet: Das ist doch nur ein halbes Training. Dieses vertraute Gefühl, dass etwas nur dann wirklich zählt, wenn es anstrengend war, wenn es messbar war, wenn es sichtbar wehgetan hat.

Ich bin trotzdem dabei geblieben. 50 Minuten Crosstrainer, moderat, gleichmäßig, ohne Steigerung. Währenddessen habe ich gemerkt, dass der Körper durchaus unter Spannung steht, dass das Bein und das Knie leicht verspannt sind. Und gleichzeitig war da diese Klarheit: Mehr wäre jetzt nicht klug. Als der Trainingsload meiner Uhr danach kaum gestiegen ist, kam der alte Impuls noch einmal hoch. Dieses innere Ziehen, doch noch etwas draufzusetzen, damit eine Zahl stimmt und im grünen Bereich liegt. Zum ersten Mal habe ich diesen Impuls bewusst wahrgenommen – und nicht weiterverfolgt.

Am nächsten Morgen war die Antwort eindeutig. Deutlich weniger Verspannung, freiere Bewegungen, ein gutes Gefühl in den Sonnengrüßen. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich nicht zu wenig gemacht hatte, sondern genau das Richtige. Nicht jede Einheit muss maximal sein. Im Gegenteil: Der Körper braucht Phasen, in denen er verarbeiten und integrieren kann.

Rhythmus statt Daueranspannung

Aus dieser Erfahrung heraus hat sich eine neue Trainingsstruktur fast von selbst ergeben. Unter der Woche trainiere ich bewusst ab jetzt ruhiger, sauber, kontrolliert mit weniger Intensität und forciere keine Leistungssteigerungen. Am Wochenende, wenn Erholung da ist, gehe ich gezielt ans Limit. So muss der Körper nur einmal pro Woche maximal reagieren und hat dazwischen Zeit, sich anzupassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich meine gewünschte VO₂max auf diesem Weg nachhaltiger steigern werde, als wenn ich jede Einheit zu einem Beweis mache.

Diese Logik fühlt sich erstaunlich rund an. Und sie hat sich nahezu nahtlos auf andere Lebensbereiche übertragen.

Loslassen als aktiver Prozess in der Fotografie

In der Fotografie habe ich diese Woche sehr viel losgelassen. Ich habe alte relevanten Festplatten durchgearbeitet, tausende Fotos (ja, wirklich tausende) aus den letzten Jahren gesichtet, bearbeitet, neu bewertet und gelöscht. Radikal, klar, ohne großes Zögern. Früher war dieser Prozess immer von Angst begleitet. Die Angst, etwas zu verlieren. Etwas später noch zu brauchen. Diese Woche war diese Angst kaum noch da.

Nicht, weil mir die Bilder egal sind, sondern weil ich heute sehr klar weiß, wofür ich stehen will – und wofür nicht mehr. Viele der Bilder stammen aus meiner Instagram-Zeit, in der ich mich selbst verloren hatte. Damals ging es darum, Material zu sammeln, präsent zu sein, aktiv zu wirken. Heute sehe ich sie als das, was sie waren: Übungsmaterial, Lernschritte, Zwischenstationen. Und genau das dürfen sie bleiben.

Dasselbe gilt für alte Video-Clips, bei denen Framerate, Belichtungszeit oder Bewegung nicht stimmig sind. Auch das war Lernen. Aber ich möchte meine Zeit heute nicht mehr mit Material verbringen, bei dem ich innerlich schon weiß, dass es meine Handschrift nicht trägt. Neue Bilder und neue Clips werden entstehen – und sie werden klarer sein, weil ich es heute auch bin.

Wenn Farbe irritiert – und genau deshalb stimmt

Ein Punkt hat mich in diesem Prozess besonders beschäftigt. Meine neu bearbeiteten Bilder sind deutlich farbiger geworden. Das hat mich zunächst irritiert. Ich mag entsättigte Bilder sehr – bei anderen. Bei meinen eigenen wirken sie heute oft zu schwer, zu trist, fast leblos. Mein erster Impuls war Skepsis. Ist das noch mein Stil? Wirkt das nicht zu viel?

Ich habe kurz darüber nachgedacht, wieder stärker zu entsättigen, so wie früher. Und genau in diesem Moment wurde mir klar, dass diese Bewegung nicht aus einem ästhetischen Bedürfnis kam, sondern aus Gewohnheit. Aus dem alten Wunsch mit Bildern zu gefallen, um stimmig zu wirken. Beim genaueren Hinschauen habe ich verstanden, was mich eigentlich irritiert hat: nicht die Farben, sondern der Kontrast zu früher.

Mein Bearbeitungsstil ist kein Look, den ich festlege. Er ist Ausdruck meines inneren Zustands. Früher waren viele meiner Bilder kühl, dunkel, stark kontrolliert. Rückblickend wirken manche davon auf mich heute fast depressiv. Damals habe ich versucht, einen eigenen Look zu etablieren – oft für Instagram, oft gegen mein eigentliches Empfinden. Heute ist das anders. Wenn meine Bilder bunter sind, dann nicht aus Absicht, sondern weil es mir besser geht. Farbe ist kein Effekt mehr, sondern Spiegel. Und das fühlt sich stimmig an.

Vom Look zur Haltung

Ich habe akzeptiert, dass mein Bearbeitungsstil immer ausdrücken wird, wie ich mich fühle. Das ist nichts, was ich kontrollieren oder ändern möchte. Im Gegenteil: Es ist vermutlich das Ehrlichste an meiner Arbeit. Meine Klammer ist nicht mehr visuelle Kohärenz, sondern Haltung. Ruhe, Klarheit, Präsenz. Der Ausdruck darf sich verändern, solange die Haltung bleibt.

Zahlen als Orientierung, nicht als Steuerung

Auch im Umgang mit Zahlen hat sich etwas verschoben. Ich prüfe Analytics nur noch einmal pro Woche, montags. Natürlich gibt es zwischendurch Impulse, kurz reinzuschauen. Aber sie sind schwach geworden. Kurz da, dann wieder weg. Zahlen sind für mich kein emotionaler Trigger mehr, sondern ein Werkzeug. Orientierung, nicht Steuerung. Allein das senkt enorm viel inneren Druck.

Warum Reflexion erst durch Integration wirkt

Ein großer Teil dieser Entwicklung hängt direkt mit meinen Wochenreflexionen zusammen. Nicht mit dem reinen Journaling, sondern mit dem Weiterdenken. Mit dem Spiegeln, dem Einordnen, dem bewussten Ableiten von Konsequenzen. Gedanken aufzuschreiben ist ein Anfang, aber keine Lösung. Erst das wiederholte Hinschauen, das Prüfen im Alltag und das Anpassen von Verhalten haben dafür gesorgt, dass sich wirklich etwas bewegt hat.

Ich merke sehr klar, wie mich dieser Prozess ruhiger gemacht hat. Klarer. Unabhängiger von äußeren Erwartungen.

Ein neuer Rhythmus entsteht

Wenn ich diese Woche zusammenfasse, dann war sie ein weiterer leiser, aber bedeutender Schritt. Ich trainiere mit mehr Vertrauen. Ich fotografiere mit mehr Ehrlichkeit. Ich lösche ohne Angst. Ich halte Pausen aus. Ich lasse Kontrolle los. Mein Rhythmus entsteht nicht mehr aus Druck, sondern aus Zustand. Und genau so fühlt es sich richtig an.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Reflexion für mich wirksam geworden ist: nicht in der Geschwindigkeit, nicht in der Menge, sondern im Raum dazwischen. Nicht alles sofort auflösen zu wollen, sondern Gedanken wirken zu lassen und zu beobachten, was sich im Alltag wirklich verändert. Entwicklung braucht manchmal weniger Aktion – und mehr Ehrlichkeit. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.

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Wenn sich dein Bearbeitungsstil verändert – und du beginnst zu zweifeln

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Lightroom Editing: Before and After - Eibsee, Germany