Wochenreflexion #28/ KW 6 2026 – Ein Jahr abstand
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Wochenreflexion – Ein Jahr Abstand
Diese Woche war intensiv. Viele Gespräche, viel Verantwortung als IT Direktor und Führungskraft, einige Momente, in denen ich bewusst ruhig bleiben musste, obwohl innerlich einiges gearbeitet hat. Und genau diese Spannung hat mich dazu gebracht, mein altes Journal wieder aufzuschlagen.
Ich wollte wissen, wo ich vor einem Jahr stand. Nicht ungefähr. Sondern ehrlich. Habe ich mich verändert? Bin ich wirlich weiter gekommen?
Und was ich dort gelesen habe, fühlte sich an wie der Blick auf eine frühere Version von mir – vertraut, aber gleichzeitig weit entfernt.
Der Winter, in dem nichts klar war
Vor einem Jahr hatte ich Instagram gerade vom Handy gelöscht. Der endgültige Schritt kam später, aber emotional war ich längst mitten im Entzug. Ich dachte ständig daran, wer postet, wer wächst, wer vielleicht gerade die Möglichkeiten bekommt, die ich aufgebe.
Gleichzeitig wusste ich: Wenn ich zurückgehe, lande ich wieder im gleichen Druck. Also blieb ich draußen – und fühlte mich trotzdem nicht frei.
Über Weihnachten war ich drei Wochen zu Hause. Kein Trip, keine Motive, keine Bühne. Ich hatte geglaubt, dass Ruhe einkehren würde. Stattdessen tauchte eine andere Frage auf, viel unbequemer:
Wenn niemand meine Bilder sieht – warum mache ich sie dann überhaupt?
Ich wusste theoretisch, dass diese Frage gefährlich ist. Aber emotional hatte ich keine bessere Antwort.
In meinem Journal steht damals der Satz:
„Fotografie macht keinen Sinn.“
Heute verstehe ich ihn anders. Ich hatte nicht die Fotografie verloren – ich hatte den Rahmen verloren, der ihr Bedeutung gab.
Schreiben, um mich irgendwie festzuhalten
Ich begann jeden Abend zu schreiben. Nicht, weil ich Klarheit hatte, sondern weil ich hoffte, dass sie irgendwann entsteht. Zehn Minuten Meditation, viele offene Enden.
Ich suchte noch immer nach Anerkennung. Ich googelte Alternativen, dachte über diverse Social Media Plattformen nach, merkte aber gleichzeitig, wie abhängig ich davon war. Feedback fühlte sich damals wirklich wie Sauerstoff an. Als es weg war, entstand eine Form von innerer Panik.
Ich wollte unabhängig sein. Aber ich wollte auch gesehen werden.
Wenn ich meine ersten Artikel heute lese
… sehe ich weniger einen Fotografen, sondern einen Menschen, der versucht, sich selbst zu stabilisieren.
Im ersten Beitrag schrieb ich über Befreiung und einen Neuanfang. Aber wenn ich ehrlich bin, war dieser Text vor allem Hoffnung. Ich wollte glauben, dass ich gerade etwas Mutiges tue und nicht einfach nur etwas verliere.
Im zweiten Artikel zerlegte ich meine Vergangenheit. Presets, Vorbilder, Farben, Phasen. Ich suchte nach Beweisen, dass irgendwo unter all den Einflüssen etwas Eigenes existiert. Ich hatte wirklich Angst, am Ende festzustellen, dass ich vielleicht nur kopiert habe.
Diese Texte waren keine Anleitungen. Sie waren Selbstvergewisserung.
Ich war fleißig – aber innerlich nicht ruhig
Ich machte 3-5 Mal Sport die Woche, veröffentlichte die ersten beiden Artikel auf dieser Seite, plante. Aber vieles davon hatte einen anderen Motor: Ich wollte verhindern, wieder zurückzufallen. Produktivität war Beruhigung.
Wenn ich heute lese, dass fünfzehn Minuten schmerzfreies Laufen damals ein riesiger Sieg waren, berührt mich das. Ich weiß noch, wie unmöglich mir alles darüber hinaus vorkam.
Ich wollte Gewissheit
Was mich beim Lesen am meisten trifft: Ich wollte ständig wissen, ob mein neuer Weg funktioniert. Ob ich Erfolg haben werde. Ob ich irgendwann ankomme. Dieses Nicht-Wissen war schwer auszuhalten. Ein großer Teil meiner Motivation war damals der Wunsch, jemand zu werden. Vielleicht ein Fotograf mit Klarheit, Anerkennung, Sichtbarkeit? Vielleicht ein Muskelmann? Oder CIO?
Ich glaubte, dieses Ankommen würde mir endlich Ruhe bringen. Gleichzeitig hatte ich Angst vor der Leere. Was bleibt, wenn ich nicht ständig etwas leiste und aktiv bin?
Vielleicht war der Kern von allem: Ich wusste nicht, ob ich mir selbst vertrauen kann.
Und heute, ein Jahr später
Ich lese das alles und sehe keinen Versager. Ich sehe jemanden, der angefangen hat, ehrlich hinzuschauen. Und genau dort begann etwas Neues. Heute brauche ich weniger Rückmeldung von außen. Ich kann arbeiten, ohne dass sofort jemand klatscht. Ich erkenne schneller, wann mein Körper müde ist. Ich weiß, dass Hunger meine Stimmung beeinflusst. Ich weiß, dass Bewegung hilft. Ich weiß, dass Struktur trägt. Ich habe nicht plötzlich alles erreicht. Aber ich habe gelernt, wie ich mit mir arbeite.
Der vielleicht größte Unterschied
Damals habe ich ständig geschaut, wo andere stehen. Heute schaue ich, wo ich stand. Ich vergleiche mich mit dem Mann, der glaubte, ohne Plattform gäbe es keinen Sinn. Mit dem, der Angst hatte, keinen eigenen Stil zu haben. Mit dem, der fünfzehn Minuten Laufen gefeiert hat wie einen Marathon.
Und dadurch wird Fortschritt sichtbar. Nicht, weil ich besser bin als andere. Sondern weil ich weiter bin als früher. Dieser Vergleich ist fair. Und er bringt Ruhe.
Diese Woche war der Beweis
Der Job war laut. Erwartungen waren da. Verantwortung auch. Aber ich bin geblieben. Ich habe weiter an meinen Dingen gearbeitet. Ein bisschen jeden Tag. Ohne Flucht in alte Muster. Früher hätte ich das als Stillstand empfunden. Heute erkenne ich darin Stabilität.
Wenn ich nach vorne schaue
Ich kann mir kaum vorstellen, wie ich in einem Jahr sein werde. Vor zwölf Monaten hätte ich mir meinen heutigen Zustand schließlich auch nicht vorstellen können. Aber ich weiß etwas anderes:
Damals war ich hoffnungslos.
Heute habe ich einen Plan. Und das ist vielleicht das größte Fundament, das ich mir bauen konnte. Ich weiß nicht, wo ich landen werde. Aber ich weiß, dass ich weitergehe. Und diesmal vertraue ich mir dabei. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.