Wochenreflexion #59 KW37 – Loslassen, ohne den eigenen Traum aufzugeben
Ich habe in dieser Woche gemerkt, dass ich inzwischen ziemlich gut darin geworden bin, einzelne Dinge loszulassen. Ich kann abends auf der Couch liegen, obwohl ich eigentlich noch ein Video schneiden wollte. Ich kann ein Krafttraining ausfallen lassen, wenn mein Körper mir zeigt, dass die Belastung gerade zu hoch ist. Ich kann akzeptieren, dass in einer Woche vielleicht nur ein Video entsteht.
Was ich allerdings noch nicht gut loslassen kann, ist das Ergebnis.
Ich möchte weiterhin, dass aus Framed Freedom mehr wird als ein Projekt, das ich neben meinem eigentlichen Beruf betreibe. Ich möchte als Fotograf und Videograf arbeiten, Menschen mit meinem Lightroom-Kurs helfen und irgendwann mit meinem Buch andere dazu ermutigen, ihrem eigenen Weg zu folgen. Und genau deshalb fällt es mir schwer, wenn ich auf Instagram, YouTube und meiner Website kaum Wachstum sehe. Das Spannende daran: In meinem beruflichen Leben scheint gerade das Gegenteil zu passieren.
Anerkennung auf einem Weg, den ich innerlich losgelassen habe
In dieser Woche bekam ich beruflich eine unerwartete Bestätigung und die Aussicht, künftig noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich habe mich darüber mehr gefreut, als ich zunächst erwartet hatte. Vielleicht, weil dadurch sichtbar wird, was ich in den vergangenen Jahren aufgebaut habe. Ich komme ursprünglich aus einem sehr klar definierten fachlichen Bereich. Inzwischen führe ich Teams und Themen, die weit außerhalb dieser ursprünglichen Heimat liegen. Dabei habe ich gelernt, nicht überall selbst der größte Experte sein zu müssen. Meine Aufgabe ist zunehmend, Strukturen zu schaffen, Zusammenhänge zu erkennen und Menschen so zu führen, dass sie ihre Arbeit gut machen können.
Passend dazu bekam ich in dieser Woche mehrfach das Feedback, wie ruhig ich selbst in einer kritischen Projektphase wirke. Darüber hatte ich bisher kaum nachgedacht. Für mich fühlt es sich nicht so an, als würde ich etwas Besonderes machen. Gleichzeitig merke ich, dass diese Ruhe offenbar bei anderen ankommt. Das heißt nicht, dass ich Konflikten aus dem Weg gehe. Im Gegenteil: Ich musste meinem Team noch einmal sehr deutlich vermitteln, welches Maß an Eigeninitiative und Verbindlichkeit ich erwarte. Ruhige Führung bedeutet nicht, alles durchgehen zu lassen. Vielleicht besteht meine Entwicklung gerade darin, beides miteinander zu verbinden: gelassen zu bleiben und trotzdem klare Grenzen zu setzen. Das Paradoxe ist, dass mir meine berufliche Karriere lange nicht mehr so wichtig ist wie früher. Trotzdem bin ich offenbar besser in meinem Job geworden und bekomme weitere Möglichkeiten.
Bei dem Weg, den ich wirklich unbedingt gehen möchte, passiert dagegen scheinbar kaum etwas.
Eine freie Woche, in der ich nicht alles ausnutzen musste
Meine Frau und meine Tochter waren in dieser Woche im Urlaub. Ursprünglich dachte ich, dass ich die freie Zeit maximal produktiv nutzen würde. Ich wollte mehrere Videos schneiden, Inhalte für Hotels erstellen und vielleicht sogar ältere Wochenreflexionen nachholen. Am Ende habe ich vor allem meine normalen Routinen beibehalten. Ich habe die Reflexion der vergangenen Woche veröffentlicht, an meiner Website gearbeitet und einzelne Inhalte für Instagram erstellt. Aber ich saß auch abends auf der Couch, schaute Fernsehen und ging früher ins Bett. Mehrmals begann ich noch mit einem Video und merkte dann: Mein Kopf ist müde. Vor einem oder anderthalb Jahren hätte ich wahrscheinlich trotzdem weitergemacht. In dieser Woche konnte ich aufhören, ohne mich dafür fertigzumachen.
Das war auch deshalb eine interessante Erkenntnis, weil ich nun weiß, dass nicht meine Familie der Grund dafür ist, wenn ich abends kein Video mehr schneide. Selbst wenn niemand zu Hause auf mich wartet, bin ich nach einem langen Arbeitstag oft einfach erschöpft. Wenn ich also künftig meine Tochter ins Bett bringe und es etwas länger dauert, verpasse ich dadurch wahrscheinlich gar keine hochproduktive Phase. Auch beim Training habe ich rechtzeitig aufgehört. Meine Trainingsbelastung lag deutlich über dem empfohlenen Bereich. Nach dem Crosstrainer verzichtete ich deshalb auf das geplante Krafttraining. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist für mich aber ein weiteres Zeichen dafür, dass ich meinen Körper inzwischen ernster nehme.
Routinen schaffen keinen starren Alltag, sondern Freiraum
Obwohl am Freitag kaum jemand im Büro war, bin ich trotzdem hingefahren. Zu Hause zu bleiben, hätte sich merkwürdig angefühlt. In den vergangenen Wochen ist ein fester Ablauf entstanden: morgens aus dem Haus gehen, meine Tochter zum Kindergarten bringen, ins Büro fahren, zu einem Bistro auf dem Gelände laufen, einen Kaffee holen und anschließend mit der Arbeit beginnen. Früher hätte ich möglicherweise gedacht, dass solche Routinen mich unbeweglich machen. Mittlerweile erkenne ich, dass sie genau das Gegenteil bewirken. Sie nehmen mir unzählige kleine Entscheidungen ab. Ich muss nicht überlegen, wann ich anfange, wo ich meinen Kaffee trinke oder wie ich meinen Arbeitstag strukturiere. Dadurch bleibt mehr Platz im Kopf für die Entscheidungen, die ich in meinem Beruf ohnehin ständig treffen muss.
Ähnlich geht es mir im Urlaub. Die ersten Tage an einem neuen Ort sind häufig anstrengend, weil alles entschieden werden muss: Wo gehen wir frühstücken? Welches Restaurant probieren wir aus? Wie gestalten wir den Tag? Sobald wir einen eigenen Rhythmus gefunden haben, entsteht Ruhe. Nicht weil jeder Tag identisch ist, sondern weil wir nicht mehr über jede Kleinigkeit nachdenken müssen. Routinen begrenzen mich nicht. Sie schaffen den Freiraum, den ich für wichtigere Dinge brauche.
Wenn fehlende Resonanz das Loslassen schwer macht
Während ich meinen Alltag inzwischen besser annehmen kann, fällt mir der gelassene Umgang mit meinem Nebenprojekt deutlich schwerer. Ein Hotel hat eines meiner Reels veröffentlicht und sehr wertschätzend geteilt. Nach einigen Stunden hatte das Video ungefähr 1.200 Aufrufe und 45 Likes. Gemessen an meiner kleinen Anzahl an Followern war das grundsätzlich ein gutes Ergebnis. Gleichzeitig sehe ich, dass Inhalte mit bekannten Audios häufig deutlich mehr Reichweite bekommen. Trotzdem möchte ich nicht ständig nach Musik suchen, die gerade im Trend liegt. Viele dieser Titel begegnen einem irgendwann unter Tausenden nahezu identischen Videos. Das passt weder zu mir noch zu dem, was ich langfristig aufbauen möchte. Hinzu kommen mögliche Fragen zu Lizenzen und Nutzungsrechten.
Ich möchte deshalb weiterhin überwiegend mit eigenem Audio, Voiceover oder den natürlichen Geräuschen eines Ortes arbeiten. Das macht den Weg möglicherweise langsamer. Dafür entsteht etwas, das langfristig wirklich zu mir gehört. Was mich daran frustriert, ist weniger die Leistung eines einzelnen Videos. Es ist das Gefühl, seit einem Jahr aufzubauen und trotzdem noch immer am Anfang zu stehen. Ich habe mehr als 50 Wochenreflexionen geschrieben, eine Website aufgebaut, Fotos gemacht, einen Lightroom-Kurs entwickelt und viele Gedanken für ein mögliches Buch gesammelt. Nun wollte ich endlich in die Sichtbarkeit gehen – und merke, dass auch Sichtbarkeit zunächst wieder Aufbauarbeit bedeutet.
Was Tennis und mein Beruf gemeinsam haben
Dieses Muster kenne ich bereits aus anderen Bereichen meines Lebens. Mit ungefähr 24 Jahren begann ich wieder intensiv Tennis zu spielen. Ich nahm Trainerstunden, filmte mich bei meinen Aufschlägen, schaute Videos und versuchte, meine Technik zu verbessern. Ich wollte ein bestimmtes Niveau und eine entsprechende Leistungsklasse erreichen. Trotzdem bekam ich meinen Aufschlag lange nicht in den Griff. Auch Vorhand und Rückhand entwickelten sich nicht so, wie ich es mir vorstellte. Irgendwann sagte ich mir: Ich habe keine Lust mehr. Ich gebe auf. Ich hörte nicht vollständig mit dem Tennis auf. Ich spielte lediglich keine Medenrunde mehr und nahm den Druck aus dem Ergebnis. Seitdem spiele ich regelmäßig mit einem meiner besten Freunde – und habe mittlerweile ein Niveau erreicht, mit dem ich sehr zufrieden bin.
Ähnlich war es in meinem Beruf. Als ich 2018 bei meinem heutigen Arbeitgeber anfing, hatte ich früh ein klares Ziel vor Augen. Ich wollte Teamleiter und später Director werden. Zunächst arbeitete ich sehr bewusst auf dieses Ergebnis hin. Irgendwann verlor das Ziel jedoch seine Dringlichkeit. Ich machte meine Arbeit weiterhin ernsthaft, aber mein Selbstwert hing nicht mehr von der nächsten Position ab. Später wurde ich trotzdem zum Director befördert. Vielleicht ist das keine mystische Folge des Loslassens. Wahrscheinlich hatte ich zu beiden Zeitpunkten längst wichtige Grundlagen geschaffen. Der Unterschied bestand darin, dass ich weiterhin handelte, ohne täglich zu prüfen, ob das gewünschte Ergebnis endlich da war.
Genau das muss ich nun vermutlich auch bei Framed Freedom lernen.
Für mich ist es das zweite Jahr – für andere erst der Anfang
Für mich fühlt sich Framed Freedom an wie ein Projekt, an dem ich bereits ein ganzes Jahr intensiv arbeite. Aus Sicht eines Menschen, der mir heute zum ersten Mal auf Instagram begegnet, existiere ich dort jedoch erst seit wenigen Wochen wirklich regelmäßig.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Wochenreflexionen, meine Fotos, die Website, der Lightroom-Kurs und meine bisherigen Erfahrungen sind keine verlorene Vorarbeit. Sie bilden die Substanz hinter den Inhalten, mit denen ich nun sichtbarer werden möchte. Aber diese Substanz ersetzt nicht die Zeit, die Menschen brauchen, um mich zu entdecken und Vertrauen aufzubauen. Vielleicht ist genau das meine nächste Herausforderung: ein weiteres Jahr regelmäßig zu veröffentlichen, ohne jedes Video als Abstimmung über meine gesamte Zukunft zu betrachten.
Wenn ich jede Woche eine Reflexion und ein Vorher-Nachher-Reel veröffentliche, entstehen innerhalb eines Jahres mehr als 100 Inhalte. Selbst wenn ich dieses Ziel nicht in jeder Woche vollständig erreiche, wird daraus etwas wachsen. Vielleicht keine riesige Reichweite. Aber ein sichtbares Portfolio, eine klarere Stimme und genügend Material, um Inhalte später neu zu verwenden.
Mein Manifest bleibt eine Richtung, keine wöchentliche Bewertung
Mein Wunsch hat sich nicht verändert. Ich möchte weiterhin als Fotograf und Videograf für Menschen und Orte arbeiten, die Ruhe ausstrahlen und sich gleichzeitig weiterentwickeln wollen. Ich möchte Menschen mit meinem Lightroom-Kurs helfen, ihren eigenen Stil zu finden. Mit meinem Buch möchte ich zeigen, dass es in keiner Lebensphase zu spät ist, etwas zu verändern. Und irgendwann würde ich gerne in Portugal leben. Vielleicht muss ich dieses Bild jedoch nicht jeden Tag mit meinen aktuellen Zahlen vergleichen. Mein Beruf in der IT finanziert heute unser Leben. Er gibt meiner Familie Sicherheit und ermöglicht mir, Framed Freedom ohne existenziellen Druck aufzubauen. Dafür kann ich dankbar sein, ohne mir versprechen zu müssen, für immer in der IT zu bleiben. Ob ich in einem Jahr noch dort arbeite, weiß ich nicht.
Ob aus meinem Nebenprojekt ein neues berufliches Leben entsteht, weiß ich ebenfalls nicht. Ich weiß nur, dass ich viele Voraussetzungen dafür geschaffen habe, dass es erfolgreich werden kann. Ich habe Erfahrung, Inhalte, eine eigene Perspektive und inzwischen Routinen, mit denen ich langfristig weitermachen kann. Was mir noch fehlt, sind Reichweite, Vertrauen und Distribution. Und genau diese Dinge lassen sich nicht vollständig erzwingen.
Loslassen bedeutet für mich deshalb nicht, meinen Traum zu begraben. Es bedeutet, ihn nicht mehr jeden Abend beweisen zu müssen. Ich darf heute in der IT arbeiten und trotzdem Fotograf werden wollen. Ich darf mein Projekt ernst nehmen, ohne zu wissen, wohin es führt. Und ich darf nach einem langen Tag auf der Couch liegen, obwohl theoretisch noch ein Video geschnitten werden könnte. Meine Richtung bleibt bestehen. Aber meine Zukunft muss ich nicht jeden Tag neu lösen. Wie sich mein Weg vom IT Director zum Fotografen weiterentwickelt, kannst du in meinen kommenden Wochenreflexionen verfolgen.
Ausgerechnet dort, wo ich das Ergebnis innerlich losgelassen habe, bekomme ich neue Anerkennung. Bei meinem Herzensprojekt fällt mir diese Gelassenheit dagegen noch schwer. In dieser Woche habe ich verstanden, dass ich meinen Traum weiterhin ernst nehmen kann, ohne jeden Tag sichtbare Fortschritte von mir zu verlangen.