Wochenreflexion #60 KW38 – Der Weg zeigt sich (erst) im Rückblick

In dieser Woche habe ich verstanden, dass mein Weg viel konsequenter verläuft, als er sich im Alltag anfühlt. Wenn ich nach vorne schaue, sehe ich oft nur einzelne Entscheidungen, Zweifel und Dinge, deren Ausgang ich noch nicht kenne. Erst im Rückblick erkenne ich, wie daraus ein Weg entstanden ist.

Das Spannende daran ist: Dieser Weg führt inzwischen nicht mehr einfach nur von der IT zur Fotografie. Er verbindet Führung, persönliche Entwicklung, Fotografie, Video, Schreiben und vielleicht irgendwann auch Coaching. Ich weiß noch nicht, wie das Ergebnis am Ende aussehen wird. Aber ich sehe immer deutlicher, was mir wirklich etwas zurückgibt.

Klarheit muss nicht hart sein

Gleich zu Beginn der Woche habe ich meinem Team in einem wichtigen Projekt sehr klar gesagt, was ich erwarte. Ich hatte mir dafür eine einzelne Folie vorbereitet und innerhalb von etwa 15 Minuten formuliert, was aus meiner Sicht gerade fehlt und was ich von den Projektmitgliedern brauche.

Überraschend war für mich, wie leicht mir das gefallen ist. Ich musste niemanden anschreien und auch keine künstliche Härte erzeugen. Ich habe konzentriert und sachlich meine Erwartungen ausgesprochen. Trotzdem konnte ich einigen Gesichtern ansehen, dass die Klarheit etwas ausgelöst hat. Manche waren überrascht, vielleicht auch nicht besonders glücklich darüber. Aber die Botschaft war angekommen: Auf diesem Projekt ist jetzt Druck, und ich erwarte Verbindlichkeit.

Eine Mitarbeiterin, die mir danach besonders nervös erschien, habe ich noch einmal zu mir geholt. Ich wollte ihr deutlich machen, dass die Ansage an die gesamte Gruppe gerichtet war und ich ihre bisherige Arbeit grundsätzlich gut finde. Gleichzeitig habe ich die Punkte benannt, auf die auch sie achten soll. Beides durfte nebeneinanderstehen: Rückversicherung und Erwartung.

Für mich war das eine wichtige Erfahrung, weil ich Klarheit lange schnell mit Härte verbunden habe. Wenn meine Eltern früher sehr klar mit mir gesprochen haben, habe ich das häufig als negativ empfunden. Vielleicht hat sich deshalb in mir festgesetzt, dass klare Worte automatisch verletzend oder bedrohlich sein müssen. In dieser Woche habe ich erlebt, dass das nicht stimmt. Ich kann freundlich sein und trotzdem führen. Ich kann Verständnis zeigen und trotzdem etwas einfordern.

Bis zum Ende der Woche hatte ich sogar den Eindruck, dass das Engagement im Team gestiegen ist und das Projekt mehr Geschwindigkeit aufgenommen hat. Die Klarheit war also nicht nur für mich eine Übung. Sie hatte eine sichtbare Wirkung.

Eine alte Spur wird wichtiger

Parallel dazu haben wir in dieser Woche intensiv an meinem Coaching-Konzept weitergearbeitet. Viele Details davon sind noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Entscheidend war für mich aber, was beim Blick in meine alten Notizen sichtbar wurde: Der Wunsch, andere Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, war nicht plötzlich da. Er stand schon lange zwischen all den Gedanken über Fotografie, Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben. Damals war er nur ein kleiner Satz, den ich kaum beachtet habe.

Die Fotografie war deshalb nicht die falsche Richtung. Sie war wahrscheinlich das erste konkrete Bild für Bedürfnisse, die ich damals noch nicht genauer benennen konnte: Ruhe, Aufmerksamkeit, Kreativität, Ortswechsel und Selbstbestimmung. Inzwischen erkenne ich, dass mir tiefe Gespräche und die Entwicklung anderer Menschen etwas anderes zurückgeben: direkte Resonanz, Verbindung und das Gefühl, mit einer Perspektive oder einem klaren Rahmen wirklich etwas anzustoßen.

Diese beiden Seiten müssen nicht gegeneinander antreten. Die Fotografie gibt mir Ruhe und kreative Energie. Gespräche über Entwicklung geben mir Nähe und unmittelbar erlebbare Wirkung. Vielleicht besteht mein Weg gerade darin, beides miteinander zu verbinden, statt mich für eine einzige Berufsbezeichnung zu entscheiden.

Passend dazu habe ich in dieser Woche mit The Let Them Theory von Mel Robbins begonnen. Weniger die konkrete Methode als ihr Lebensweg hat bei mir etwas ausgelöst. Er hat mir gezeigt, wie viel sich auch später noch entwickeln kann und dass eine persönliche Erfahrung, einfache Werkzeuge, Medien und eine eigene Methode irgendwann zu etwas Größerem zusammenwachsen können. Das ist keine Vorlage, die ich kopieren möchte. Aber es ist ein Möglichkeitsbild, das genau im richtigen Moment aufgetaucht ist.

Kleine Entscheidungen, deren Wirkung ich noch nicht kenne

Schwieriger war in dieser Woche erneut das Thema Sichtbarkeit. Wenn ein Carousel-Post nach einem Tag kaum Reaktionen und nur wenige Aufrufe hat, löst das etwas in mir aus. Ich merke die Enttäuschung sogar körperlich. Natürlich veröffentliche ich nicht nur für Zahlen. Aber ich möchte mit dem, was ich mache, Menschen erreichen. So zu tun, als wären mir Reichweite und Resonanz völlig egal, wäre nicht ehrlich.

Am Wochenende hat mich dieselbe Frage bei meinen Reflexionsvideos beschäftigt. Ich habe Musik verändert, Teile herausgenommen, wieder eingesetzt und darüber nachgedacht, ob die Voiceovers persönlicher oder allgemeiner sein sollten. Am Ende bin ich wieder bei der Form gelandet, die sich für mich richtig anfühlt. Ein Voiceover kann eine allgemein verständliche Aussage haben und trotzdem persönlich bleiben, weil es aus meiner Erfahrung kommt, mit meiner Stimme gesprochen und mit meinen Bildern erzählt wird. Die entscheidende Grenze liegt für mich nicht zwischen persönlich und allgemein, sondern zwischen übertragbar und beliebig.

Gleichzeitig lerne ich mit jedem Video weiter. Ich arbeite mich tiefer in DaVinci Resolve ein, nutze automatisch erzeugte Untertitel, nehme bewusster Originalgeräusche mit und baue mir langsam ein Archiv aus Clips auf, die ich auch später wiederverwenden kann. Ich muss nicht jedes Video vollständig neu erfinden. Auch das ist ein System, das mit jeder Woche etwas besser wird.

Bei meinen Fotos sitzt der eigene Stil inzwischen deutlich sicherer. Trotzdem erweitert jedes neue Bild diese Sprache. Jeder Instagram-Post, jedes Video und jedes Foto ist eine weitere Mikroentscheidung. Für sich allein verändert wahrscheinlich keine davon mein Leben. In der Summe können sie aber Fähigkeiten, ein Archiv, eine eigene Stimme und irgendwann Möglichkeiten schaffen, die ich heute noch gar nicht erkennen kann.

Ich muss den Ausgang noch nicht kennen

Eine Frage aus meiner erweiterten Morgenroutine war in dieser Woche besonders passend: Was darf heute ungeklärt bleiben?

Vielleicht darf gerade genau das große Ergebnis ungeklärt bleiben. Ich bin Fotograf und Videograf, weil ich fotografiere und regelmäßig Filme mache. Ich bin Führungskraft und lerne, Menschen klarer zu führen. Ich arbeite an einem Coaching-Konzept, ohne heute schon wissen zu müssen, ob daraus ein Buch, eine Methode, ein Angebot oder etwas ganz anderes entsteht.

Der schwierigste Teil ist für mich nicht unbedingt, diese Schritte zu gehen. Schwieriger ist es, mich im Alltag daran zu erinnern, dass sie längst zusammenwirken. Zwischen Terminen, Arbeit, Familie, Sport und den Zahlen auf Instagram verschwinden die kleinen Belege schnell wieder aus meinem Bewusstsein. Dann zweifle ich an einer Richtung, die im Rückblick eigentlich ziemlich deutlich ist.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben dieser Wochenreflexionen: Ich muss meinen gesamten Weg nicht jeden Tag im Kopf behalten. Es reicht, einmal in der Woche stehen zu bleiben und die Spuren wieder einzusammeln.

Diese Woche hat mir nicht gezeigt, wo ich am Ende ankommen werde. Sie hat mir aber gezeigt, dass ich längst unterwegs bin. Im Rückblick erkenne ich einen Weg mit vielen Entscheidungen, obwohl sich jede einzelne davon nach vorne oft klein und unsicher angefühlt hat.

Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier. Wie sich mein Weg vom IT Director zum Fotografen weiterentwickelt, kannst du in meinen kommenden Wochenreflexionen verfolgen.

Florian Kirschbaum

Florian Kirschbaum ist Fotograf für Reise-, Hotel- und Landschaftsfotografie mit Sitz in Mannheim. Auf diesem Blog schreibt er über Bildbearbeitung in Lightroom, Stilentwicklung und seinen Weg vom IT-Direktor zum Fotografen. Er bietet einen Lightroom-Kurs zur Stilfindung an — auf Deutsch und Englisch. In einem kostenfreien Bildstilanalyse-Tool können Fotografen ihren Bearbeitungsstil prüfen.

https://www.florian-kirschbaum.com
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