Wochenreflexion #49/ KW 27 2026 – Zuhören statt antreiben

Kleine Signale ernst nehmen

Diese Woche hat mir auf mehreren Ebenen gezeigt, wie wichtig es ist, nicht erst auf große Probleme zu reagieren, sondern die kleinen Signale meines Körpers und meines Verhaltens wahrzunehmen. Eigentlich waren es ganz unterschiedliche Themen – Training, Schlaf, Social Media und Schreiben. Am Ende hatten sie aber alle dieselbe Botschaft: Entwicklung entsteht nicht dadurch, immer mehr zu machen, sondern dadurch, rechtzeitig zu erkennen, wann weniger gerade die bessere Entscheidung ist.

Besonders spannend war für mich die Beobachtung rund um meinen Kiefer und die Zahnschmerzen. In der Vergangenheit habe ich diese Beschwerden häufig mit Stress auf der Arbeit verbunden. Das spielt sicherlich auch weiterhin eine Rolle. Diese Woche hat sich aber ein weiteres Puzzleteil ergeben. Nach einer etwas zu intensiven Einheit beim Schulterdrücken begann etwa einen Tag später wieder genau die bekannte Spannung in der Schulter. Kurz darauf folgten die Zahnschmerzen. Gleichzeitig zeigte meine Garmin eine unausgewogene HRV, obwohl die Trainingsbelastung eigentlich im optimalen Bereich lag.

Am nächsten Tag war es fast noch interessanter. Die Nacht war durch die Hitze wieder schlecht, trotzdem bewegte sich die HRV bereits wieder in meinen normalen Bereich zurück und die Zahnschmerzen waren fast verschwunden. Die Trainingsbereitschaft blieb zwar wegen der schlechten Regeneration nur mittelmäßig, aber genau diese Kombination hat mir etwas gezeigt. Wahrscheinlich reagiert mein Körper nicht auf einen einzelnen Auslöser, sondern auf die Summe der Belastungen. Ein etwas zu schweres Schultertraining, mehrere Nächte mit fast 30 Grad, etwas Schlafmangel und der normale Alltagsstress reichen offenbar aus, damit sich genau dieses bekannte Muster zeigt.

Diese Erkenntnis fühlt sich für mich fast wichtiger an als der eigentliche Schmerz. Denn ich beginne langsam zu verstehen, wie mein Körper kommuniziert.

Nicht härter trainieren, sondern klüger

Ich glaube, ich habe diese Woche außerdem meine aktuelle Grenze beim Krafttraining gefunden. Beim Schulterdrücken war ich einfach begeistert davon, wie viel Kraft ich in den letzten Wochen aufgebaut habe. Die Wall Slides und die verbesserte Beweglichkeit haben sich ausgezahlt. Gleichzeitig habe ich vermutlich genau deshalb etwas zu viel Gewicht gewählt.

Früher hätte ich daraus vielleicht geschlossen, dass Schulterdrücken für mich einfach keine gute Übung ist. Heute sehe ich das anders. Wahrscheinlich war nicht die Übung das Problem, sondern meine Ungeduld. Ich muss gar nicht jedes Mal bis an mein Limit gehen. Im Gegenteil. Für meine Schulter scheint es deutlich sinnvoller zu sein, immer noch ein oder zwei Wiederholungen in Reserve zu lassen.

Das passt auch zu meinem langfristigen Ziel. Ich möchte nicht möglichst beeindruckende Trainingseinheiten sammeln. Ich möchte über Jahre gesund bleiben, fotografieren können, reisen können und irgendwann vielleicht regelmäßig surfen. Dafür brauche ich keine maximalen Gewichte. Ich brauche Konstanz.

Auch die Garmin hilft mir dabei mittlerweile mehr, als ich erwartet hätte. Nicht, weil ich blind auf Zahlen vertraue. Sondern weil ich sie immer häufiger mit meinem Körpergefühl vergleichen kann. Wenn HRV, Trainingsbereitschaft, Body Battery und mein eigenes Empfinden dieselbe Geschichte erzählen, dann ist das für mich mittlerweile ein ziemlich guter Kompass.

Wie schnell sich alte Muster einschleichen

Mindestens genauso spannend fand ich diese Woche aber etwas ganz anderes. Mir ist aufgefallen, wie schnell sich Instagram wieder in meinen Alltag eingeschlichen hat.

Die letzten Wochen haben wir viel Zeit investiert, um meine Reels weiterzuentwickeln. Wir haben Hooks getestet, Voice-over angepasst und verschiedene Ansätze ausprobiert. Das war wichtig und hat Spaß gemacht. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass meine Hand wieder fast automatisch zum Handy greift. Nicht, weil ich stundenlang scrolle. Sondern einfach, um kurz nachzusehen, ob ein Reel ein paar Aufrufe mehr bekommen hat.

Das Verrückte daran ist, dass mich die Zahlen gar nicht besonders emotional machen. Ich bin weder euphorisch noch wirklich enttäuscht. Trotzdem nimmt mir dieses ständige Nachschauen etwas weg. Es unterbricht meine Gedanken, lenkt mich aus dem Moment und stiehlt genau die Ruhe, aus der meine besten Ideen entstehen.

Ich glaube deshalb, dass jetzt wieder der richtige Zeitpunkt ist, bewusst gegenzusteuern. Instagram darf für mich ein Werkzeug bleiben. Es darf aber nicht wieder zu einem Ort werden, der meine Aufmerksamkeit permanent einfordert. Denn genau diese Aufmerksamkeit brauche ich für das, was ich eigentlich erschaffen möchte.

Nicht jeder Test bringt eine große Erkenntnis

Auch bei den Reels selbst war die Woche interessant. Ehrlich gesagt hatte ich nach den ganzen Tests auf eine deutlichere Erkenntnis gehofft. Bisher sehe ich aber keinen großen Unterschied zwischen den verschiedenen Varianten. Viel entscheidender scheint weiterhin die Kombination aus ruhigen Bildern, passender Musik und einem authentischen Voice-over zu sein.

Vielleicht ist genau das die Erkenntnis. Nicht immer braucht es den nächsten Trick oder den nächsten Algorithmus-Hack. Vielleicht liegt die Stärke meiner Inhalte genau dort, wo sie von Anfang an lag: in einer klaren Stimmung, einer persönlichen Botschaft und einer Bildsprache, die sich nicht verbiegen muss.

47 Wochen

Am meisten stolz macht mich diese Woche aber etwas, das auf den ersten Blick völlig unspektakulär wirkt.

Ich habe inzwischen 47 Wochen in Folge meine Wochenreflexion geschrieben.

Fast ein ganzes Jahr.

Wenn mir das vor zwölf Monaten jemand gesagt hätte, hätte ich wahrscheinlich selbst daran gezweifelt. Heute fühlt es sich fast selbstverständlich an. Nicht, weil es immer leicht ist. Sondern weil das Schreiben mittlerweile zu meinem Leben gehört.

Das Faszinierende ist, dass es mich inzwischen überhaupt nicht mehr stört, dass diese Texte kaum jemand liest. Anfangs hätte ich wahrscheinlich erwartet, irgendwann ungeduldig zu werden. Das Gegenteil ist passiert. Die Reflexionen sind längst nicht mehr vom Feedback anderer abhängig. Sie helfen in erster Linie mir selbst, meine Gedanken zu ordnen und meinen Weg festzuhalten.

Vielleicht wird daraus irgendwann ein Buch. Vielleicht entsteht daraus etwas ganz anderes. Im Moment spielt das aber gar keine so große Rolle. Meine Aufgabe ist nicht, heute schon das fertige Ergebnis zu sehen. Meine Aufgabe ist es, jede Woche weiterzuschreiben.

Was ich aus dieser Woche mitnehme

Wenn ich diese Woche auf einen Satz herunterbrechen müsste, dann wäre es wahrscheinlich dieser:

Konstanz entsteht nicht dadurch, sich immer weiter anzutreiben. Sie entsteht dadurch, rechtzeitig auf die kleinen Signale zu hören. Das gilt für meinen Körper, der mir zeigt, wann die Belastung gerade etwas zu hoch ist. Es gilt für Social Media, das sich leise wieder in meinen Alltag schleicht. Und es gilt für meine kreativen Projekte, die nicht durch einzelne große Erfolge wachsen, sondern durch viele kleine Schritte.

Vielleicht fühlt sich mein großes Ziel deshalb manchmal noch weit entfernt an. Gleichzeitig merke ich aber immer stärker, dass ich bereits genau das tue, was nötig ist. Ich trainiere bewusster. Ich reflektiere konsequent. Ich schreibe jede Woche weiter. Ich entwickle meine Fotografie Schritt für Schritt.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Veränderung: Nicht das Ziel ist näher gekommen – sondern ich bin zu einem Menschen geworden, der geduldig genug ist, den Weg dorthin jeden Tag weiterzugehen. Alle bisherigen Wochenreflexionen findest du hier.

Florian Kirschbaum

Florian Kirschbaum ist Fotograf für Reise-, Hotel- und Landschaftsfotografie mit Sitz in Mannheim. Auf diesem Blog schreibt er über Bildbearbeitung in Lightroom, Stilentwicklung und seinen Weg vom IT-Direktor zum Fotografen. Er bietet einen Lightroom-Kurs zur Stilfindung an — auf Deutsch und Englisch.

https://www.florian-kirschbaum.com
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Wochenreflexion #48/ KW 26 2026 – Freiheit entsteht durch gute Systeme